Glockenstreit in Freckenhorst
Missklang schockiert Anwohner

Freckenhorst -

Dass eine öffentliche Diskussion entstanden ist, bevor weitere interne Gespräche stattfinden konnten, überrascht Gemeindeleitung und Nachbarn der Pauluskirche. Vor allem der Eindruck, die Anlieger hätten sich für das komplette Verstummen der Glocken eingesetzt, schockierte die betroffenen Nachbarn.

Sonntag, 08.01.2017, 17:01 Uhr

Zu einem Gespräch mit Pfarrer Stefan Döhner trafen sich jetzt einige Nachbarn der Pauluskirche im evangelischen Gemeindehaus. Das Treffen war zustande gekommen, nachdem die Nachbarn mit einer Bitte auf die Gemeinde zugegangen waren. Die Anwohner hatten im Wesentlichen den Wunsch geäußert, die Gemeinde möge die aktuelle Läuteordnung dahingehend überdenken, das morgendliche Geläut auf zwei bis drei Minuten zu beschränken (die WN berichteten).

Mit der Erneuerung der Glockenanlage 2012 wurde der Klang der beiden Glocken zwar verbessert, im Frühjahr 2016 wurden die täglichen Läutzeiten (um 7, 12 und 18 Uhr) aber von zwei auf fünf Minuten erhöht. Im Sinne einer guten Nachbarschaft hatten Anwohner daraufhin das persönliche Gespräch mit der Gemeindeleitung gesucht. Dabei hatte die Gemeindeleitung Bedenken geäußert, dass das Anliegen nicht von einer Mehrheit der Nachbarn getragen werde.

Die Bitte sei, so erläutern jetzt die Anwohner, daraufhin schriftlich formuliert und von mehreren Menschen aus der Umgebung des Gotteshauses unterschrieben worden. Überrascht zeigten sich Gemeindeleitung und Nachbarn jetzt, dass, ehe überhaupt weitere Gespräche geführt wurden, bereits eine öffentliche Diskussion losgetreten wurde. Vor allem, dass der Eindruck erweckt wurde, die Anlieger hätten sich in Protestmanier für ein gänzliches Verstummen der Glocken eingesetzt, schockierte die betroffenen Nachbarn: „Unser Anliegen war immer, in einem guten Miteinander einen für alle Beteiligten akzeptablen Kompromiss zu finden“, betonen sie: „Das Glockengeläut gehört auch einfach zu unserem Wohngebiet dazu.“

Und das soll nach dem Willen des Presbyteriums auch künftig in der jetzigen Form fortgeführt werden. Darüber informierte Pfarrer Stefan Döhner die Nachbarn. Lediglich das Einläuten des Sonntags am Samstagabend werde verkürzt. Die Anwohner zeigten sich über diese Entscheidung enttäuscht, akzeptieren sie jedoch.

Begründet wurde die Entscheidung durch Pfarrer Stefan Döhner damit, dass ein kürzeres Läuten auf Dauer nicht mehr wahrgenommen werde, fünf Minuten jedoch schon.

Allerdings: Der Beratungsausschuss für das Deutsche Glockenwesen, ein ökumenischer Ausschuss der evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz , empfiehlt in einer Handreichung zur Nutzung von Kirchenglocken, die Läutedauer auf die Empfindsamkeit der heutigen Menschen abzustimmen: „Es empfiehlt sich, das Angelus- oder Betläuten auf zwei bis drei Minuten zu bemessen.“

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