24 Uhr Schicht im Schacht?
Viel Lärm um Mr. Ed's: Gutachter soll Lautstärke messen

Warendorf / Münster -

Der Streit ist nicht neu und gärt schon lange. Der Versuch der Vorsitzenden Richterin Claudia Kambach in Saal A 03 des Landgerichts Münster, gestern den „Deckel draufzumachen“ und den Streit zu beenden, endete mit einem Vergleichsangebot, über das Ralf Friedrich (Inhaber des "Mr. Ed's") mit seinen Rechtsanwälten erst einmal Bedenkzeit erbat. Bis zum 3. März gab ihm die Richterin Zeit.

Dienstag, 31.01.2017, 17:01 Uhr

Viel Lärm um Mr. Ed`s: Seit gestern gibt es ein Vergleichsangebot in dem Streit zwischen Musikkneipen-Inhaber „Ralle“ und seinen Nachbarn. Bis zum 3. März hat er Zeit, dieses Angebot anzunehmen.
Viel Lärm um Mr. Ed`s: Seit gestern gibt es ein Vergleichsangebot in dem Streit zwischen Musikkneipen-Inhaber „Ralle“ und seinen Nachbarn. Bis zum 3. März hat er Zeit, dieses Angebot anzunehmen. Foto: Edler

Ralf Friedrich , genannt „Ralle“, ist sichtlich nervös, als er den Gerichtssaal A03 des Landgerichts in Münster betritt. Viele Gäste seiner Musikkneipe "Mr. Ed's" sind gekommen, klopfen ihm auf die Schulter und wünschen ihm viel Glück. Ob es hilft? Es geht um seine Existenz. Und es geht um Lärm . Um viel und andauernden Lärm, glaubt man den Klägern – in seinem Fall seine Nachbarn von der Emsstraße, Anwohner Jörg Helms, Maria Schulze Johann vom gleichnamigen Hotel und Gastwirt Manfred Darup. Sie alle sind das „Halligalli“, teils bis vier und fünf Uhr in der Früh vor dem "Ed's", leid und zogen vor Gericht.

Der Streit gärt schon lange. Der Versuch der Vorsitzenden Richterin Claudia Kambach , gestern den „Deckel draufzumachen“, und den Streit zu beenden, endete mit einem Vergleichsangebot, für das „Ralle“ mit seinen Rechtsanwälten erst einmal Bedenkzeit erbat. Bis zum 3. März gab ihm die Richterin Zeit.

Während der Inhaber des Mr. Ed´s laut Gaststättenverordnung ( Ordnungsamt der Stadt) keine Betriebszeitenbeschränkung hat und seine Musikkneipe am Wochenende bis fünf Uhr morgens geöffnet hält, sagt die baurechtliche Genehmigung (Bauamt der Stadt) für die Immobilie etwas anderes.

Nach der Baugenehmigung vom 25. November 2003 ist die maximale Betriebszeit sonntags bis donnerstags von 6 bis 23 Uhr, freitags und samstags von 6 bis 24 Uhr festgeschrieben. Da war selbst die Richterin im ersten Moment sprachlos. Die stellte fest: „Dann wäre rechtlich Schicht im Schacht.“

Laut Anklage verstößt der Inhaber ständig gegen diese Betriebszeiten. Und die Kläger hatten auch gleich noch den Eigentümer der Immobilie, den 85-jährigen Anton Buddenkotte aus Milte, mit angeklagt. Als Eigentümer des Grundstücks sei er für „Störungshandlungen“ seines Mieters mitverantwortlich, andernfalls drohe ihm ein saftiges Ordnungsgeld oder Ordnungshaft bis zu sechs Monate. Der 85-Jährige erschien mit seinem Rechtsanwalt vor Gericht. Die Betriebszeiten-Auflage in der Baugenehmigung stammt noch aus der Zeit, als sich in dem Gebäude ein Café befand. Geht es nach den Klägern, wären sie damit einverstanden, wenn der jetzige Inhaber diese Betriebszeiten einhalten würde. „Dann kann ich meine Kneipe ja gleich dichtmachen“, sagte "Ralle" am Ende der Verhandlung gegenüber unserer Zeitung. Noch morgens hatte er beim Bauamt der Stadt eine Verlängerung der baurechtlichen Betriebszeit beantragt. Doch so einfach ist das nicht. „Dafür benötige ich Brandschutz- und Löschgutachten. Das dauert.“

Zurück zur Verhandlung: In erster Linie ist es der Lärm vor der Tür, der die unmittelbaren Nachbarn in ihrer Nachtruhe nervt. Die Gäste, die sich draußen vor der Tür lautstark, nicht selten alkoholisiert, unterhalten würden – und das unmittelbar vor den Schlafzimmerfenstern der Nachbarn. Die Streitführer untermauern dies mit einem privat in Auftrag gegebenen Lärmgutachten und mit Fotos aus einer vor der Haustür von Jörg Helms installierten Kamera. Die Sprach, Schrei- und Lachgeräusche würden den Lärmrichtwert um 23 Dezibel überschreiten.

Für „Ralle“ sind diese Vorhaltungen nicht nachvollziehbar. „Ich bin doch nicht für den gesamten Lärm auf der Emsstraße verantwortlich. Da gibt es auch noch andere Gaststätten.“ Personen, die nachts auf der Emsstraße lärmten, seien nicht unbedingt Gäste seiner Kneipe. Zudem könne man ihn nicht für grölende Personen auf der Straße verantwortlich machen, wenn er seine Musikkneipe längst abgeschlossen habe und nach Hause gegangen sei.

„Ralle“, keineswegs auf Stress aus, war in der Vergangenheit zu Kompromissen bereit. Die Musikanlage wurde leiser gestellt, Security sorgt für Ordnung, außerdem wurden nachts die Fenster nicht mehr geöffnet und der Eingangsbereich wurde umgebaut, damit die Gäste zum Rauchen nicht mehr auf die Straße gehen müssen.

Die Nachbarn sprechen dem Inhaber der Musikkneipe seine Bemühungen keineswegs ab. Doch es sei nach wie vor laut vor der Gaststätte. Wie laut, das soll jetzt ein vom Gericht bestellter Sachverständiger klären. Der wird unangemeldet Messungen vornehmen.

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