Wohnheim für 24 chronisch psychisch Kranke
Fünf Jahre bis zum Baubeginn

Warendorf -

Sechs weitere Wohnheime dieser Art plant die St. Vincenz-Gesellschaft im Kreis Warendorf – in Kürze sollen zwei weitere folgen, für das sechste werde noch ein Grundstück gesucht. „Wir haben schon Wohngruppen in Telgte, Sendenhorst, Beckum und Ahlen“, erläuterte Geschäftsführer Volker Hövelmann das Konzept der dezentralen psychischen Versorgung: Ziel sei es, den Kranken dort zu helfen, wo sie herkommen. Warendorf sei bislang ein weißer Fleck gewesen.

Montag, 06.02.2017, 15:02 Uhr

Erster Spatenstich für das Wohnheim (v.l.): Ute Gruth (Kast Architekturbüro), Peter Kast (Architekt), Stephan Marx (Geschäftsführer St. Vincenz-Gesellschaft), Doris Kaiser (stellvertretende Bürgermeisterin), Verena Jäckel (Heimleitung), Dr. Karl Stricker (Fachbereichsleiter St. Vincenz-Gesellschaft), Volker Hövelmann (Geschäftsführer St. Vincenz-Gesellschaft), Franz-Ludwig Blömker (stellvertretender Landrat) und Dr. Erich Tertilt (stellvertretender Bürgermeister)
Erster Spatenstich für das Wohnheim (v.l.): Ute Gruth (Kast Architekturbüro), Peter Kast (Architekt), Stephan Marx (Geschäftsführer St. Vincenz-Gesellschaft), Doris Kaiser (stellvertretende Bürgermeisterin), Verena Jäckel (Heimleitung), Dr. Karl Stricker (Fachbereichsleiter St. Vincenz-Gesellschaft), Volker Hövelmann (Geschäftsführer St. Vincenz-Gesellschaft), Franz-Ludwig Blömker (stellvertretender Landrat) und Dr. Erich Tertilt (stellvertretender Bürgermeister) Foto: Joachim Edler

Von einem intensiven Prozess mit der Bürgerschaft, einem langen, steinigen Weg und am Ende einem guten, ja, sogar besserem Ergebnis, was die Architektur des Gebäudes angeht, sprach Volker Hövelmann , Geschäftsführer der St. Vincenz-Gesellschaft Ahlen , beim gestrigen symbolischen Spatenstich für den Bau eines Wohnheims für 24 chronisch psychisch Kranke an der Ecke Dr.-Rau-Allee/Dr.-Hans-Kluck-Straße. Er bezeichnete das künftige Wohnheim als einen „Lebens- und Sozialraum“, in dem sich Nachbarn und Bewohner begegnen. „Heute ist ein großer, ein freudiger Tag. Ich wünsche mir, dass Sie sich hier wohlfühlen, einleben und ein behagliches Zuhause finden“, sagte er in Richtung Bewohner, die dem ersten Spatenstich beiwohnten. Und in Richtung Nachbarn: „Sie werden uns als gute Nachbarn wahrnehmen. Sie sind jederzeit herzlich eingeladen.“

Wann geht es endlich los? Diese Frage sei Hövelmann in den vergangenen Jahren immer wieder gestellt worden. Vom Förderantrag des circa 2,47 Millionen Euro teuren Bauvorhabens bis zum ersten Spatenstich sind über fünf Jahre ins Feld gegangen. Das hatte viele Gründe. Einer: die Akzeptanz bei der Nachbarschaft, was den anfangs massiven Gebäudekomplex anging. Am Ende der Auseinandersetzung sei ein Ergebnis herausgekommen, so Hövelmann, das in der Architektur sogar besser, gefälliger – aber auch teurer – geworden sei. Und das Bauprojekt fiel in eine Zeit, in der das Wohn- und Teilhabegesetz geändert wurde. „Das hat uns kalt erwischt. Es gab neue bauliche Vorschriften.“ Eine davon: Die Zahl der Bäder in solchen Einrichtungen muss verdoppelt werden. „Wir haben jetzt mehr Bäder als Bewohner und Mehrkosten von 120 000 Euro.“ Und das sei nur ein Beispiel, so Hövelmann. Folge der neuen Gesetzeslage: erneute Umplanung.

Zu den Verzögerungen sei es auch bekommen, so Hövelmann, weil viele Behörden nach der neuen Gesetzeslage noch nicht gearbeitet hatten. „Wir waren für sie der erste Träger.“ Bis dann alles in trockenen Tüchern war, der Bebauungsplan rechtskräftig, Pläne geändert, Zuschüsse von der Stiftung Wohlfahrtspflege, der Aktion Mensch und dem Landschaftsverband Westfalen Lippe bewilligt und Gewerke ausgeschrieben werden konnten, war es Dezember 2016. „Ein langer Weg mit Steinen, aber auch mit Unterstützung“, freute sich Hövelmann, dass es gestern endlich losgehen konnte. Fertigstellung soll im Mai 2018 sein. Sechs weitere Wohnheime dieser Art plant die St. Vincenz-Gesellschaft im Kreis Warendorf – in Kürze würden zwei weitere folgen, für das sechste werde noch ein Grundstück gesucht.

„Wir haben schon Wohngruppen in Telgte, Sendenhorst, Beckum und Ahlen“, erläuterte Hövelmann das Konzept der dezentralen psychischen Versorgung: Ziel sei es, den Kranken dort zu helfen, wo sie herkommen. Warendorf sei bislang ein weißer Fleck gewesen. Dabei kommt das Klientel, das hier einzieht, aus Enniger. Dort löst die St.-Vincenz-Gesellschaft ein angemietetes Wohnheim auf, das nicht mehr den heutigen Standards (Barrierefreiheit) erfülle. Das Wohnheim in Warendorf gibt 24 Menschen eine Heimat – vier kleine Wohngruppen mit je sechs Bewohnern. Zielgruppe sind Frauen und Männer zwischen 20 und 40 Jahren. Neben den Zimmern für die Bewohner, die zum Teil in den Freckenhorster Werkstätten arbeiten, gibt es Gemeinschaftsräume.

Die Bewohner des Hauses, erläuterten Fachbereichsleiter Dr. Karl Stricker und Heimleitung Verena Jäckel, werden rund um die Uhr von Erziehern, Pädagogen und Krankenpflegern betreut. Dazu gehört auch eine Nachtwache. Die stationäre psychiatrische Versorgung übernimmt das Telgter Rochus-Hospital, die ambulante Versorgung wird von der Warendorfer Institutsambulanz und Warendorfer Arztpraxen sichergestellt. Stricker: „Das Wohnheim ist kein psychiatrisches Krankenhaus, sondern ein normaler Wohn- und Lebensraum.“ Hier gehe es um Heimat, Selbstständigkeit, Sicherheit und Schutz für die Bewohner – und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. So arbeitet ein Bewohner bereits seit Jahren auf dem ersten Arbeitsmarkt, in diesem Fall beim städtischen Baubetriebshof.

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