Werbetrommel für Kleingärten gerührt
Eine Lobby für die Laubenpieper

warendorf -

Bislang hat das Ansinnen in Warendorf noch keine Früchte getragen. „Aber das Interesse ist da!“ sind sich die SPD-Ortsgruppe und der Vorstand des Bezirksverbandes der Kleingärtner im Kreis Warendorf. Deswegen luden sie am Samstag zu einer Info-Veranstaltung rund ums Thema Kleingartenwesen in Warendorf ein.

Sonntag, 05.03.2017, 22:03 Uhr

Kleingartenanlagen in Warendorf wünschen sich (v. l.): Werner Vieting (Vorstand des Bezirksverbands), Mathilde Thuess (SPD), Rolf Rosendahl (Vorstand des Bezirksverbands), Andrea Kleene-Erke (SPD), Norbert Klunkelvoth (Vorstand des Bezirksverbands) und Ulrike Schmidt (Kleingartenverein Ostbevern).
Kleingartenanlagen in Warendorf wünschen sich (v. l.): Werner Vieting (Vorstand des Bezirksverbands), Mathilde Thuess (SPD), Rolf Rosendahl (Vorstand des Bezirksverbands), Andrea Kleene-Erke (SPD), Norbert Klunkelvoth (Vorstand des Bezirksverbands) und Ulrike Schmidt (Kleingartenverein Ostbevern). Foto: Adrian Grimpe

„Das Interesse ist da!“ Darüber herrschte bei der Informationsveranstaltung zum Thema Kleingartenwesen in Warendorf Einigkeit. Am Samstag luden der Vorstand des Bezirksverbandes der Kleingärtner im Kreis Warendorf und die SPD-Ortsgruppe zu einer gemeinsamen Diskussionsrunde ein. Die Frage: „Wie können wir das Kleingartenwesen in Warendorf voranbringen?“

Tatsächlich ist das Thema in den letzten Jahren nie auf fruchtbaren Boden gestoßen. Zwar gebe es Vormerklisten, beispielsweise im Hotel Engel , bei denen man sich für einen Kleingarten eintragen könne, allerdings betrügen die Wartezeiten dort acht bis neun Jahre. Andrea Kleene-Erke berichtet: „Der Stadtrat erhielt immer wieder Anfragen, aber die Verwaltung zeigte einfach kein Interesse, das Projekt zu unterstützen“. Jetzt möchte die SPD-Landtagskandidatin das Thema in der Politik durchsetzen: „Wir müssen einfordern, dass politisch etwas passiert.“ Unterstützung bekommt sie vom Bezirksverband der Kleingärtner, der Dachorganisation aller Kleingartenvereine im Kreis Warendorf. Derzeit betreue der Verband 21 Vereine mit 28 Anlagen und 900 Einzelgärten, er umfasse etwa 1500 Mitglieder in zehn Kommunen.

Während in Ahlen bereits sieben Vereine seit 1941 gegründet worden seien, gehe Warendorf in dieser Hinsicht noch immer leer aus. „Häufig haben die Städte zu wenig Geld und deshalb kein Interesse, die Kosten für ein solches Projekt zu tragen“, erklärt Vorsitzender Rolf Rosendahl ; schließlich halte die Stadt einen 20-prozentigen Eigenanteil. Deshalb sei es umso wichtiger, Druck auf die Politik auszuüben und für das Projekt zu werben.

Auf Anfrage der Gäste hin gab Rosendahl einen kurzen Überblick über rechtliche Vorgaben für Kleingärten. Heutzutage seien Parzellen im Schnitt 300 Quadratmeter groß. Tiere seien nicht erlaubt. Eine Gartenlaube umfasse in der Regel 24 Quadratmeter. Die Kosten einer Grundstückspacht beliefen sich auf knapp 150 Euro im Jahr, eine Kollektivversicherung sei darin inbegriffen.

Sollte sich jemand entscheiden, seinen Garten aufzugeben, falle kein Rückbau an. Stattdessen werde der Garten nach einer Wertermittlung an den nächsten Interessenten veräußert. Rosendahl betonte in diesem Zusammenhang noch einmal den Vorteil eines Kleingartenvereins: „Sie erhalten durch den Verein nicht nur Unterstützung, sondern bekommen auch ein Mitbestimmungsrecht bei der Gestaltung.“

An Engagement für das Projekt mangelte es nicht. Sechs Gäste meldeten am Samstag Interesse an. „Es gibt so viele Wohnungen, die einfach nur Wohnungen sind. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Leute damit glücklich sind, immer in der Bude zu hocken“, sagte Gabriele Welling. Sie schlug vor, mit Marktplatzaktionen für Kleingärten in Warendorf zu werben: „Man muss nur an der richtigen Stelle fragen, dann trudeln die Leute ein.“

In der Diskussionsrunde kamen darüber hinaus erste Überlegungen auf, wie sich das Projekt realisieren ließe: Man könne die Kleingärten an Bauprojekte anschließen oder das Gebiet der Neuen Ems nutzen. „Es gibt genug Fläche in Warendorf“, ist sich Christel Johanterwage sicher. Die Gruppenleiterin der Naturschutzjugend hat bereits ein eigenes Kleingartenprojekt in Zusammenarbeit mit Flüchtlingen an der Freckenhorster Straße auf die Beine gestellt. Es sei wichtig, Werbung zu machen – im Internet, in der Zeitung, auf der Straße.

„Sie sollten sich nicht entmutigen lassen“, riet Ulrike Schmidt vom Kleingartenverein in Ostbevern. Auch in Ostbevern sei die öffentliche Nachfrage zunächst gering gewesen. Erst nach der Pressemitteilung durch den Verband sei das Interesse gestiegen, Schmidt gründete einen Verein: „Man fängt klein an, aber mit der Zeit kamen immer mehr Mitglieder.“ In den Monaten danach besuchten die Mitglieder verschiedene Anlagen in Everswinkel und Münster – die Planungen begannen. Erste Grundstücke konnten im Herbst 2008 vergeben werden, bald umfasste die belegte Fläche 9000 Quadratmeter. Bis zum ersten Spatenstich sollte es allerdings noch eine Weile dauern – erst im Mai 2009 war es so weit: „Da sieht man, wie lange das dauert!“ Sie betonte, dass das Projekt ohne die zahlreichen Zuschüsse und Fördermittel von Land und Stadt nicht möglich gewesen wäre.

In den kommenden Wochen will sich die Gruppe noch einmal treffen, um Planungen für einen Verein und Werbeaktionen anzustellen – sodass vielleicht auch in Warendorf bald der erste Spatenstich erfolgt.

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