„Eiertanz“ im Friedrichs-Museum
Keine Heile-Welt-Darstellungen

Warendorf -

Ob Osterlämmer, Hasen oder Hühner – kitschig wirken die Tierdarstellungen Astrid Wesserlings nie. Das liegt gewiss auch an der Zeichen- und Maltechnik der „Nachtarbeiterin“. Und Astrid Wesserling ihrerseits, brauchte nicht lange, um ihre Freundin und Studienkollegin Bärbel Merten zu überreden, ebenfalls im Museum Heinrich Friederichs auszustellen. Die Aschebergerin verwandelt mit feinem Pinselstrich Enten-, Gänse- oder Nandu-Eier in kleine Kunstwerke.

Sonntag, 19.03.2017, 19:03 Uhr

Rosemarie Friederichs (l.) stellt in ihrem Museum an der Oststraße seit Sonntag Bilder von Astrid Wesserling aus. In das Werk der Künstlerin führte anlässlich der Vernissage Klaus Gruhn ein.
Rosemarie Friederichs (l.) stellt in ihrem Museum an der Oststraße seit Sonntag Bilder von Astrid Wesserling aus. In das Werk der Künstlerin führte anlässlich der Vernissage Klaus Gruhn ein. Foto: Joke Brocker

Das künstlerische Talent liegt offenbar in der Familie. Als Kind, erzählt Astrid Wesserling , deren Zeichnungen seit Sonntag in der Ausstellung „Eiertanz“ im Heinrich Friederichs Museum zu sehen sind, habe sie viel Zeit bei ihrem Onkel in Dresden verbracht. Der Onkel war kein Geringerer als der bekannte expressionistischen Grafiker, Maler und Illustrator Josef Hegenbarth. Viele seiner Bilder hängen heute im Albertinum , der Staatlichen Kunstsammlung Dresden. „Ich habe seine Arbeit bewundert“, erzählt die Nichte, die selbst ihr ganzes Leben lang gezeichnet und gemalt und sich in Kursen zu Druckgrafik, Radiertechnik, Porträt- und Aktmalerei fortgebildet hat.

Kunst habe sie zwar nicht studiert, wohl aber Kunstgeschichte, Germanistik und Romanistik, verrät die pensionierte Studiendirektorin, die ihrer Passion, dem Zeichnen und Malen, auch auf ausgedehnten Reisen frönt. Egal, ob sie europäische Länder bereist, in Südamerika oder aber im Iran unterwegs ist – neben dem Fotoapparat reist bei Astrid Wesserling immer auch das Skizzenbuch mit.

„Ich lasse mich faszinieren von den Wundern dieser Erde“, sagt die Telgterin. Prompt werden die Gänse, die ihr auf einer Reise durch Brasilien ausgerechnet an einem Bankautomaten begegnen, ebenso zu Papier gebracht wie exotisch anmutende Perlhühner, prachtvolle Hähne oder die neugierig dreinblickenden Schafe, die bis einschließlich 30. April in der Osterausstellung im Museum an der Oststraße zu sehen sind.

Mit süßlich-kitschigen Tier-, Natur- und Heile-Welt-Darstellungen allerdings hat die Künstlerin nichts im Sinn. „Die Idylle“, sagt sie, „gibt es nicht mehr.“ Folge­richtig heißt ihr Bild zweier Hasen, die inmitten bunter Ostereier zu tanzen scheinen, „Eiertanz“. In bisweilen „quälerisch-anstrengenden“ Malprozessen entstehen wenig österliche, vielmehr sarkastisch anmutende Zeichnungen, die bunte Ostereier legende Legebatterien-Hühner oder Eier verteilende Hasen zeigen, auf die bereits der Jäger im Gebüsch lauert.

Ob Osterlämmer, Hasen oder Hühner – kitschig wirken die Tierdarstellungen Astrid Wesserlings nie. Das liegt gewiss auch an der Zeichen- und Maltechnik der „Nachtarbeiterin“.

So ergänzen skizzenhafte, wie beiläufig auf das Papier geworfene Zeichnungen von Hühnern die detailverliebt, mit Aquarellfarben zart lavierte Bleistift-Zeichnung eines prächtigen Hahnes. Wie facettenreich das Werk Astrid Wesserlings ist, zeigt sich in einem weiteren Ausstellungsraum, in dem Reise-Impressionen aus dem Iran zu sehen sind. Als Rosemarie Friederichs die kleinformatigen Bilder in einem Skizzenbuch der Künstlerin entdeckte, drängte sie diese sanft, einige dieser Zeichnungen auszustellen.

Und Astrid Wesserling ihrerseits, brauchte nicht lange, um ihre Freundin und Studienkollegin Bärbel Merten zu überreden, ebenfalls im Museum Heinrich Friederichs auszustellen. Die Aschebergerin verwandelt mit feinem Pinselstrich Enten-, Gänse- oder Nandu-Eier in kleine Kunstwerke. Besondere Hingucker unter den rund 500 Eiern, von denen schon am Tag der Ausstellungseröffnung etliche verkauft waren, sind mit Vögelchen bemalte Eier im Ei und große, nostalgisch anmutende, mit lebensecht wirkenden Hasen bemalte Pappmaché-Eier.

Schon immer habe sie die Arbeit ihrer Freundin bewundert, sagt Astrid Wesserling, für die am Sonntag ein Wunsch in Erfüllung gegangen ist: „Wir wollten schon immer mal zusammen ausstellen.“

In das Werk beider Künstlerinnen führte am Tag der Vernissage, die musikalisch vom Cellisten Giedrius Žukauskas, Mitglied des Sinfonieorchesters Münster, untermalt wurde, Klaus Gruhn ein. Die österliche Dekoration, bestehend aus Häschen und Vögeln aus Wachs, gestaltete Magdalene Voss aus Rinkerode, eine Freundin von Hausherrin Rosemarie Friederichs.

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