Neue Mäander für die Ems
Rund 1,5 Kilometer mehr Ufer

Warendorf -

Früher flossen Flüsse, wo sie flossen. Heute macht der Mensch die Begradigungen vorheriger Generationen wieder rückgängig. Der Kreisfischerei-Verein macht das mit einigen hundert Metern Ems westlich der Einmündung Axtbach und verlängert die Ems um mehr als einen Kilometer. Naturnah.

Donnerstag, 30.03.2017, 23:03 Uhr

Der Talgraben ist im Moment abgebunden. Das zu ändern, ist ein Ziel der für die zweite Jahreshälfte geplanten Maßnahme.
Der Talgraben ist im Moment abgebunden. Das zu ändern, ist ein Ziel der für die zweite Jahreshälfte geplanten Maßnahme. Foto: Jörg Pastoor

Ein Fluss fließt. Die Ems tut das nicht mehr so wie früher. Weil die Ems nicht mehr so aussieht wie in der alten Karte von Klaus-Peter Kranke. Die „Preußische Uraufnahme“ von 1842 zeichnet das Gewässer noch wie ein kräuseliges Band. Heute übrig ist auf etwa dem selben Grundstück nördlich der Ems von 2017 noch ein Stück Altarm westlich der Einmündung des Axtbachs, dessen Form an einen Bumerang erinnert.

Wenn es nach dem Vorsitzenden des Kreisfischerei-Vereins geht, ist das in absehbarer Zeit vorbei. Die grüne Wiese hinter dem Zaun in seinem Rücken, etwa sieben Hektar groß ist sie, verändert ihre Form dann grundlegend. „Geschätzt sind das etwa 30 000 Kubikmeter, die da bewegt werden“, sagt Kranke am Donnerstagnachmittag vor Ort. Dabei schweift sein Arm Richtung Talbach. „Es könnten gut 200 Meter sein“, schätzt er die Länge der neuen Fluss-Stücke, die sich vom jetzigen Bett aus nach Norden in die Wiese dehnen werden. An drei Stellen soll die Ems abgebunden und um Landzungen herumgeleitet werden. Ein von denen abzweigender Arm schließt einen im Moment noch mitten auf dem Feld liegenden Teich mit ein.

Geschätzt sind das etwa 30 000 Kubikmeter, die da bewegt werden

Klaus-Peter Kranke

Zudem entsteht genau gegenüber der Bacheinmündung auf einem Stück Nordufer der Ems ein Prallufer. Das ist nichts anderes als ein unbefestigter Bereich, der sich dann selbst überlassen bleibt. Durch die Strömungserosion können dort Steilpassagen entstehen, die wichtige Lebensräume darstellen – beispielsweise für dort brütende Vögel.

Klaus Peter Kranke mit der Planskizze vorm Renaturierungsgebiet.

Klaus Peter Kranke mit der Planskizze vorm Renaturierungsgebiet. Foto: Jörg Pastoor

Durch den Anschluss des Altarms zwischen Ems und Talbach wird nach Klaus-Peter Krankes Erwartung auch die Wasserqualität insgesamt steigen. Das belebe das System; bisher nicht mehr vorkommende Fischarten wie der Hecht oder die Quappe könnten wieder heimisch werden.

Mehr Fischarten als heute

Eigentlich, sagt Kranke, seien Gewässerpflege-Projekte wie dieses ja Aufgabe von Kommunen oder Wasser- und Bodenverbänden. Doch die kämen nicht dazu. Da sein Verein schon bei den zwei anderen Renaturierungsabschnitten die nötige Erfahrung gesammelt habe und in Kontakt mit Behörden und Grundstückseigentümern gekommen sei, sei die Sprache schnell auf die jetzt ins Auge gefasste Wiese gekommen. „Der Eigentümer ist jemand, der dafür viel übrig hat“, sagt der begeisterte Fischer Kranke, der sich schon auf den außerdem beabsichtigten Fischreichtum freut.

Biegungen und Steilufer

Doch erstmal rollen die Bagger. Nach der bis Mitte Juli dauernden Brut- und Setzzeit. Wenn das Wetter mitspielt, könnten die Aushub- und Modellierarbeiten sogar noch dieses Jahr abgeschlossen werden.

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