Grundwassersanierung im Norden betrifft auch Baugebiet „In de Brinke“
Kreis haftet nicht für Verlust

Warendorf -

„Wer will denn ein Grundstück kaufen, dessen Erdreich belastet ist? „fragt Richard Henschen und beklagt: „Der Wohnwert unserer Immobilien sinkt.“ Den Verlust, wenn er sein Grundstück jetzt verkaufen würde, 200 000 Euro, wollte Henschen beim Kreis Warendorf geltend machen. Er erhielt die Antwort: „Das Grundwasser ist aus juristischer Sicht nicht fester Bestandteil des Grundstücks.“

Donnerstag, 06.04.2017, 05:04 Uhr

Darstellung der in Richtung Ems wandernden Schadstofffahne vom Ingenieurbüro Wessling. Durch die drei Sanierungsbrunnen,so der Kreis Warendorf, hätte bisher eine Verlagerung der Schadstofffahne in Richtung Ems verhindert werden können. Die Spitze des belasteten Bereichs liegt laut Kreis nach wie vor außerhalb des Wohngebietes „Hasenkamp-Buschkamp-Heidekamp“.
Darstellung der in Richtung Ems wandernden Schadstofffahne vom Ingenieurbüro Wessling. Durch die drei Sanierungsbrunnen,so der Kreis Warendorf, hätte bisher eine Verlagerung der Schadstofffahne in Richtung Ems verhindert werden können. Die Spitze des belasteten Bereichs liegt laut Kreis nach wie vor außerhalb des Wohngebietes „Hasenkamp-Buschkamp-Heidekamp“. Foto: Wessling

Richard Henschen , Inhaber des gleichnamigen Versicherungskontors, gehören die Grundstücke An der Tönneburg 21, 23 und 25 im Norden Warendorfs . Das Grundstück mit der postalischen Anschrift An der Tönneburg 21 ist noch unbebaut, eine Wiese. Für das 1000 Quadratmeter große Grundstück hatte Henschen einen Kaufinteressenten. Dieser sei jedoch nicht bereit gewesen, den Kaufpreis von 350 Euro pro Quadratmeter zu bezahlen. Begründung: Der Preis könne zurzeit nicht erzielt werden, weil die Verseuchung im Erdreich unterhalb des Grundstücks noch nicht beseitigt ist. Henschen: „Der Kaufinteressent war lediglich bereit, 150 Euro pro Quadratmeter zu zahlen. Hierdurch entsteht mir ein Schaden von circa 200 000 Euro.“ Und er beklagt weiter: „Wer will denn ein Grundstück kaufen, dessen Erdreich belastet ist? Der Wohnwert unserer Immobilien sinkt.“ Seinen Schadensanspruch, 200 000 Euro, wollte Henschen beim Kreis Warendorf geltend machen und bat „höflichst“ um einen Termin mit der Rechtsabteilung oder Landrat Dr. Olaf Gericke persönlich.

Die Antwort kam aus dem Rechtsamt des Kreises: „Das Grundwasser ist aus juristischer Sicht nicht fester Bestandteil des Grundstücks. Ein Grundstückseigentümer hat keinen Anspruch auf ein Grundwasser bestimmter Qualität oder Menge.“ Der Kreis sei zudem nicht Eigentümer des Grundstücks, von dem aus die Schadstoffe letztlich ins Grundwasser geleitet wurden und somit auch nicht haftbar zu machen für den Verlust, der durch den Verkauf eines Grundstücks entstehe. Aufgrund der getroffenen Sanierungsmaßnahmen könne Henschen jedoch damit rechnen, so der Kreis, dass die „LHKW-Fahne“ (leichtflüchtige halogenierte Kohlenwasserstoffe) auch unter seinen Grundstücken abnehmen werde. Henschen: „Das ist doch ein Witz. Erstens werden wir überhaupt nicht informiert. Zweitens sehe ich den Kreis sehr wohl in der Verantwortung. Und drittens kann die Stadt doch nicht für ein neues Baugebiet werben, wo noch nicht mal sicher ist, wie hoch die Schadstoffbelastung unter den Grundstücken sein wird. Die Schadstofffahne wandert jedenfalls durch das Baugebiet weiter in Richtung Ems“, zeigt Henschen die Pläne des an der Grundwassersanierung begleitenden Ingenieurbüros – allerdings aus dem Jahre 2014.

Es geht um das Lösungsmittel Tetrachlorethen. Die giftige Hinterlassenschaft einer ehemaligen Reinigungsfirma befindet sich im Nordwesten Warendorfs im Grundwasser. Um das verunreinigte Wasser zu säubern, lässt der Kreis seit dem Jahre 2014 rund um die Uhr Sanierungspumpen laufen – ein immenser Aufwand. Wie kürzlich berichtet, meldet das Umweltamt des Kreises heute Erfolge: „Im Zeitraum vom 1. September 2014 bis 15. Februar 2017 wurde aus den drei Sanierungsbrunnen eine Grundwassermenge von 190 000 Kubikmeter entnommen – zur Größenordnung: Das ist eine Menge, die etwa dem 250-fachen des Warendorfer Hallenbades entspricht. Die darin monatlich gemessenen LHKW-Konzentrationen ergaben, dass im gesamten oben genannten Zeitraum insgesamt eine Schadstoffmenge (LHKW-Fracht) von etwa 50 bis 60 Kilogramm aus den 190 000 Kubikmetern entfernt wurde.“ Durch die drei Sanierungsbrunnen hätte bisher eine Verlagerung der Schadstofffahne in Richtung Ems verhindert werden können. Die Spitze des belasteten Bereichs liegt laut Kreis nach wie vor außerhalb des Wohngebietes „Hasenkamp-Buschkamp-Heidekamp“. Carsten Rehers , Leiter des Kreisumweltamtes: „Für dieses Wohngebiet soll erreicht werden, dass die dort betriebenen Brauchwasserbrunnen weiterhin zur Gartenbewässerung genutzt werden können.“ Rehers räumt aber ein: „Durch die Sanierung kann keine Trinkwasserqualität erreicht werden.“ Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten würden die dann noch im Grundwasser vorhandenen Restbelastungen sich langsam Richtung Ems bewegen und nach Jahren den nordwestlichen Rand des geplanten Wohngebietes zwischen „In de Brinke“ und „Stadtstraße Nord“ erreichen. Erst zu diesem Zeitpunkt könne verlässlich gesagt werden, so Rehers, wie hoch die Restbelastungen im Grundwasser noch sein werden und welche Grundstücke am nordwestlichen Rand des neuen Wohngebietes davon berührt werden.

Keine Panik: Die Grundstücke im künftigen Wohngebiet „In de Brinke“ werden an die öffentliche Trinkwasserversorgung angeschlossen. Mit der Stadt Warendorf, so der Kreis auf Nachfrage, sei bereits abgestimmt, dass im Bebauungsplan für das Gebiet „In de Brinke und Stadtstraße Nord“ auf die Restbelastung des Grundwassers hingewiesen wird.

Rehers wird heute im Umwelt-, Planungs- und Verkehrsausschuss (17 Uhr im Rathaus am Markt) einen Sachstandsbericht zur Grundwassersanierung geben.

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