Soul Kitchen
Ein turbulenter Theaterabend

Warendorf -

Solch eine auch von Bühnenbild, Requisiten und Choreographien abwechslungsreiche Inszenierung erlebt man nur selten, da hatte das Ensemble des Hessischen Landestheaters sich mächtig ins Zeug gelegt. Dass sich dieses Engagement durchaus gelohnt hat, zeigte die Begeisterung des Publikums, das sich ganz auf diese wie aus dem Leben gegriffene Geschichte einließ. Seit der Premiere bei den 66. Filmfestspielen in Venedig ist die Filmkomödie Soul Kitchen gleichsam Kult.

Donnerstag, 06.04.2017, 15:04 Uhr

Den Charakter eines Restaurants mit souligem Ambiente wusste eine Liveband mit den Arrangements von Michael Lohmann in einem Crossover diverser Popsongs zu verdeutlichen.
Den Charakter eines Restaurants mit souligem Ambiente wusste eine Liveband mit den Arrangements von Michael Lohmann in einem Crossover diverser Popsongs zu verdeutlichen.

Seit der Premiere bei den 66. Filmfestspielen in Venedig ist die Filmkomödie „Soul Kitchen“ gleichsam Kult. Ein Schauspiel nach dem Werk von Fatih Akin sorgt natürlich für Furore und dementsprechend groß war am Dienstag die Resonanz bei den Theaterliebhabern auf die Aufführung des Hessischen Landestheater Marburg. Mit einer Einführung im Dachtheater konnte man sich bestens darauf vorbereiten, bevor man im fast ausverkauften Paul-Schallück-Saal einen wahrlich rasanten Theaterabend erlebte.

Fatih Akin hatte seinen Film als bunte und lebendige Liebeserklärung an die Stadt Hamburg konzipiert, und die sehr aufwendige Inszenierung unter der Regie von Matthias Faltz folgte diesem Ansatz sicherlich bestens. Die im Bühnenhintergrund eingespielten Videomitschnitte des Ablaufes auf der Bühne unter der Dramaturgie von Matthias Mohr beleuchteten das Geschehen auf der Bühne noch um eine weitere Dimension.

Den Charakter eines Restaurants mit souligem Ambiente wusste eine Liveband mit den Arrangements von Michael Lohmann in einem Crossover diverser Popsongs zu verdeutlichen.

Solch eine auch von Bühnenbild, Requisiten und Choreographien abwechslungsreiche Inszenierung erlebt man nur selten, da hatte das Ensemble des Hessischen Landestheaters sich mächtig ins Zeug gelegt. Dass sich dieses Engagement durchaus gelohnt hat, zeigte die Begeisterung des Publikums, das sich ganz auf diese wie aus dem Leben gegriffene Geschichte einließ.

Mit großer Bühnenpräsenz wussten Camil Morariu als Deutschgrieche Zinos und Victoria Schmidt in den Rollen als Nadine, Frau Schuster und Kellnerin zu überzeugen. Sie konnten ihre ganze Leidenschaft und Lebendigkeit einbringen, die Charaktere ganz authentisch zum Leben erwecken.

Dem Klischee eines „Heimatfilms“ folgend, wurde das Publikum entführt in die Welt eines heruntergekommenen Schnellrestaurant in einer Industriehalle. Da diese von einem windigen Immobilienhai zu einem modernen Bürokomplex umgestaltet werden soll, kämpft Zinos natürlich um sein geliebtes Restaurant. Sehnsucht, Schmerz, aber auch romantische Liebe und Freundschaft waren in dieser „Soul Kitchen“ anzutreffen, der ganz normale menschliche Alltag stellte sich in sehr facettenreichen Bildern dar.

Humoristische Elemente wie der Küchenmesser werfende Gourmetkoch Shayn bereicherten den Ablauf, sorgten in ihrer fantastischen Ausrichtung für kurzweilige Unterhaltung.

Da Karl-Heinz Schmitt als Shayn sogar aus „Fischstäbchen ein Feinschmeckergericht zaubern kann“, entwickelt sich „Soul Kitchen“ zum angesagten Szenelokal. Aber dieser Zustand auf der Sonnenseite des Lebens dauert nicht lange. Der kleinkriminelle Bruder Illias taucht auf und verzockt beim Pokerspiel das gesamte Restaurant.

Murphys Gesetz folgend geht alles schief, was nur schiefgehen kann. Auf dem Tiefpunkt seines Lebens angekommen, ist sich Camil Morariu als Zinos des Mitgefühls des Publikums sicher. Schließlich wendet sich aber doch alles zum Guten für den umtriebigen Restaurantbesitzer und seine skurrilen Verbündeten.

Das Publikum erlebte einen turbulenten Theaterabend. Mit allen nur erdenklichen Klischees wurde gespielt, ohne diese zu überziehen. Das machte vielleicht den besonderen Reiz von „Soul Kitchen“ aus: sein überaus hoher Unterhaltungswert.

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