Pro Bad
Das Ende der Solidarität?

Freckenhorst -

In der Mitgliederversammlung des Interessen- und Fördervereins Pro Bad wurde am Donnerstagabend natürlich auch über den offenen Brief diskutiert, den WSU-Präsident Sawukaytis im Sportausschuss verlesen hatte. Vor allem die Unterstellung, die Freckenhorster wollten sich einen Ferrari in ihren Ort stellen, nahmen viele Bürger den Verfassern des Briefes übel.

Freitag, 07.04.2017, 22:04 Uhr

Gut besucht war die Mitgliederversammlung des Interessen- und Fördervereins „Pro Bad“. Der Aufreger, über den Vorstand (kleines Foto) und Besucher diskutierten, war der offene Brief vier großer Sportvereine.
Gut besucht war die Mitgliederversammlung des Interessen- und Fördervereins „Pro Bad“. Der Aufreger, über den Vorstand (kleines Foto) und Besucher diskutierten, war der offene Brief vier großer Sportvereine. Foto: Joke Brocker

Mit ihrem offenen Brief, in dieser Woche von WSU-Präsident Ralf Sawukaytis im Sportausschuss verlesen, haben WSU, SC Hoetmar , SC Müssingen und DJK Milte eines erreicht. Sie animierten rund 90 Bürger, die mit Befremden und vereinzelten Buh-Rufen auf die Stellungnahme reagierten, am Donnerstagabend zur Teilnahme an der Mitgliederversammlung des Interessen- und Fördervereins „Pro Bad“ in den Bürgerstuben.

Ehe Vorsitzender Dieter Mevert und Schatzmeister Heinz Hanewinkel, die eine schlaflose Nacht hinter sich hatten, bemerkenswert besonnen dem Vorwurf der Briefschreiber, die Freckenhorster wollten sich „einen Ferrari hinstellen“ zuwandten, wurden allerdings erst einmal die Regularien abgearbeitet. Zur großen Freude Dieter Meverts ist die Zahl der Mitglieder ausgerechnet in einer Phase, da der Verein wieder einmal um den Erhalt des Lehrschwimmbades kämpft, erneut gestiegen. Von 462 auf nun 481 Mitglieder. Damit sei Pro Bad der viertgrößte Verein in der Stiftsstadt.

An drei Tagen pro Woche, die „Pro Bad“ von Stadt beziehungsweise Stadtwerken 2003 diktiert worden seien, werde das Bad vormittags von den Kindergärten des Familienzentrums, Migrantinnen, Grundschulen (Freckenhorst, Hoetmar, Warendorf), nachmittags von Pro Bad, DRK-Wasserwacht sowie der Sportgemeinschaft der Freckenhorster Werkstätten und der Physiotherapiepraxis Brandt und Langhorst genutzt. Insgesamt wurden 16 331 Nutzer registriert, 1239 mehr als im Vorjahr. Mit Angeboten wie Wassergewöhnung und Schwimmkursen möchten Pro Bad und Wasserwacht, die kooperieren, einer besorgniserregenden Entwicklung entgegenwirken: Analog zur Schließung von Schwimmbädern und zum fehlenden Schwimmunterricht in Schulen steigt die Zahl der Ertrunkenen ständig, wie Statistiken von DLRG und Wasserwacht beweisen.

Mevert dankte allen Mitstreitern, darunter den 33 Ausbildern und Helfern der Wasserwacht, aber auch dem Vorstandsteam. Andy Höft, zweiter Vorsitzender, Schriftführer Martin Riemann und Beisitzerin Heike Höft wurden am Donnerstag in ihren Ämtern bestätigt.

Einstimmigkeit herrschte auch hinsichtlich der Genehmigung des Wirtschaftsplanes 2017 und einer Änderung der Beitragsstruktur. Erwachsene zahlen weiterhin jährlich 15 Euro, Eheleute und Partnerschaften 25 Euro, Kinder 7,50 Euro, ein Erwachsener mit Kind 20 Euro, Familien ab drei Personen 30 Euro.

Beim Ferrari-Vergleich, mit dem WSU-Präsident Sawukaytis „über das Ziel hinausgeschossen“ sei, sieht offenbar nicht nur Heinz Hanewinkel rot, der im Kassenbericht darauf hingewiesen hatte, dass der aktuelle Bestand (63 603 Euro) für den Kauf eines Ferrari natürlich nicht reiche.

„Ein unsägliches Bild“, befand Hermann Flothkötter und überlegte laut, ob es nun nicht an der Zeit sei, dass der bis dato so sachlich und argumentativ agierende Pro-Bad-Vorstand eine „härtere Gangart“ einlege. Dass die Mitglieder der Sportvereine angesichts der für eine Bad-Sanierung im Raum stehenden Millionenbeträge „Schiss kriegen“, könne er schon verstehen, bemerkte Rainer Kieskemper und empfahl eine Sanierung in kleinen Schritten; was übrigens auch im Sinne des Vorstands wäre, wie Dieter Mevert erklärte.

„Die WSU hat ihren Ferrari bekommen, der TuS, der nächste ist der SC Müssingen, dann kommt der SC Hoetmar. Die bekommen alle ihren Ferrari“, machte Hanewinkel deutlich, dass „Pro Bad“ mit dem Wunsch nach Sanierung des Lehrschwimmbades keineswegs anderen Sportvereinen das Wasser abgraben und Kunstrasenplatz-Träume zunichte machen wolle.

Der Vorstand habe sich stets bemüht, fair und vernünftig mit Rat, Verwaltung und Stadtwerken umzugehen, um eine faire Entscheidungsphase zu kommen. Durch den Brief der Sportvereine sei ein Graben aufgeworfen worden, den nur Bürgermeister und Verwaltungsvorstand wieder zuschütten könnten.

Stadtsportverbandspräsident Klaus Peter Ottlik zeigte sich „persönlich schockiert“ über den offenen Brief und ahnt, dass diese Art der Kommunikation „das Ende der Solidarität unter den Sportvereinen der Stadt Warendorf“ sein könnte.

Abschließend bereitete der Schatzmeister, der das von „Pro Bad“ mitfinanzierte Bädergutachten als Diskussionsgrundlage ausdrücklich verteidigte, die Mitglieder auf die Bürgerversammlung am 28. April (19 Uhr, Sparkassen-Forum) vor, informierte über Sinn und Ablauf der Zusammenkunft. Dieter Mevert versicherte, weiterhin optimistisch in die Zukunft zu schauen. Die Stadtwerke hätten den Nutzungsplan 2017/18 für das Bad bereits genehmigt.

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