Lehrschwimmbad
Für Sanierung und gegen Neubau

freckenhorst -

Applaus vom politischen Gegner zu bekommen, das ist wahrscheinlich nicht nur in Wahlkampfzeiten bemerkenswert. Mit spontanem Applaus bedachten die Mitglieder der SPD-Fraktion im Bezirksausschuss, der am Dienstagabend im Gartensaal der LVHS tagte, eine von Detlef Bäumer verlesene Erklärung der vier Freckenhorster CDU-Ratsmitglieder, in der diese sich glasklar für den Erhalt des Lehrschwimmbades aussprachen.

Mittwoch, 03.05.2017, 22:05 Uhr

In geheimer Wahl stimmten die Mitglieder des Bezirksausschusses über die Zukunft des Lehrschwimmbades ab, die am kommenden Montag auch den Hauptausschuss beschäftigen wird. Christoph Schmitz, Teamleiter Gebäudewirtschaft, Baudirektor Peter Pesch und Jörg Rehfeld, Teamleiter Straßenverkehr (v. l.), übernahmen die Auswertung.
Geheime Abstimmung: Die Mitglieder des Bezirksausschusses wollten nicht offen über die Zukunft des Lehrschwimmbades entscheiden, die am kommenden Montag auch den Hauptausschuss beschäftigen wird. Christoph Schmitz, Teamleiter Gebäudewirtschaft, Baudirektor Peter Pesch und Jörg Rehfeld, Teamleiter Straßenverkehr (v. l.), übernahmen die Auswertung der Stimmzettel. Foto: Joke Brocker

Unter anderem gaben sie zu bedenken, dass es nicht sein könne, dass in „der Stadt des Sports“ die Zahl der Nichtschwimmer zunehme und dass bei Schließung des Bades ehrenamtliches Engagement kaltgestellt werde. Außerdem hingen an dem Bad auch Emotionen und – hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit des Ortes – auch Hoffnungen.

„Wir werden geschlossen für den Erhalt stimmen“, kündigte Christian Elsner für die SPD-Fraktion unter dem Applaus der Zuhörer an. Wie der Erste Beigeordnete Dr. Martin Thormann darauf zu vertrauen, das Bundeswehr-Schwimmbad auch weiterhin nutzen zu können, ist den Sozialdemokraten „zu ungewiss“. Mit einer Schließung des Lehrschwimmbades werde zudem „leidenschaftliches Engagement mit Füßen getreten“.

Für den Erhalt des Bades sind auch die Grünen. Deren Mitglied Nina Hiller verwies auf die vielen behinderten Menschen, die die Einrichtung nutzten und andernorts gar keine Chance auf einen Schwimmbadbesuch hätten. Auch für den Schulsport der örtlichen Grundschule sei das Bad unverzichtbar.

Sebastian Scharf versicherte, dass auch die FWG „geschlossen hinter dem Bad“ stehe und sich im Rat für dessen Erhalt aussprechen werde. Mit dem Bundeswehr-Bad zu planen, einem „Bonus“, auf den man nicht zählen könne, sei fahrlässig.

Anita Stakenkötter erklärte für die FDP , dass diese nicht herumgeeiert, sondern sich schon lange für den Erhalt des Bades, das im Übrigen eines für alle Warendorfer sei, ausgesprochen habe. Die Fraktion werde im Rat einstimmig für den Erhalt votieren.

Ehe in geheimer Wahl über die Zukunft des Bades abgestimmt wurde, gab der Erste Beigeordnete unter Hinweis auf das Altenburg-Gutachten zu bedenken, dass es bei einer Schließung des Lehrschwimmbades einzig bei Angeboten der Priorität 3 – (dazu gehören zum Beispiel Aquafitness-Kurse) Einschränkungen gäbe. Schwimmen lernen könne man aber in Warendorf weiterhin.

Thormanns Behauptung, dass man seit 2003 quasi bewusst auf die nun anstehende Entscheidung zugesteuert habe, widersprach Peter Marberg ( SPD ) entschieden. Er verwies darauf, dass in der Vergangenheit erhebliche Beträge für Reparaturen aufgewendet und dass auch immer wieder ernsthafte Überlegungen zur Sanierung des Bades angestellt worden seien.

Von einem Neubau, wie ihn Sebastian Scharf (FWG) in die Diskussion brachte, hielten die Ausschussmitglieder nichts. „Das dauert zu lange“, befand Anita Stakenkötter (FDP). Peter Marberg (SPD) pflichtete ihr bei, warnte vor dem Zerbröseln bewährter Strukturen in einer zu langen Schließungsphase und erklärte: „Es wird saniert, wie bei einer OP am offenen Herzen bei fortlaufendem Betrieb.“ Eine Erwartung, die Baudirektor Peter Pesch so nicht stehen lassen wollte. Mit gewissen Schließungszeiten müsse man rechnen. Detlef Bäumer (CDU) erklärte, eine Sanierung des Bades, das den Charme der 70er Jahre verströme sei schon ganz in Ordnung. Die Freckenhorster wollten keinen Ferrari: „Der Weg der Sanierung ist ein anständiger Weg, den man politisch vermitteln kann.“

Ein Weg, den auch „Pro Bad“ favorisiert, wie dessen Vorsitzender, Dieter Mevert, erklärte. Eine Sanierung in kleinen Schritten sei im Sinne des Vereins, dem zurzeit vor allem die Be- und Entlüftung des Bades unter den Nägeln brennt.

Nachdem sich zehn Ausschussmitglieder für den Erhalt und drei für die Schließung des Bades ausgesprochen – und damit gegen den Vorschlag der Verwaltung – ausgesprochen hatten, assistierte der Erste Beigeordnete den Politikern bei der Formulierung eines Änderungsantrages.

Dieser sieht vor, dass Verwaltung und Stadtwerke sich auf der Grundlage der bereits vorliegenden Gutachten um die Sanierung des Bades kümmern sollen. Außerdem soll der Vertrag mit Pro Bad fortgeführt werden. Sobald die Sanierung beschlossen ist, soll – unter Mitwirkung politischer Vertreter – ein neuer Kooperationsvertrag zwischen Stadt, Stadtwerken und Pro Bad entwickelt werden. Zehn Ausschussmitglieder votierten für diesen Änderungsantrag, drei waren dagegen.

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