Krüßing
Alles für die rechte Gesinnung

warendorf -

Auftakt des Krüßing-Festes bedeutet gleichzeitig auch Gastauftritt des Malteser-Faust-Theaters aus Hamm. Schon seit sieben Jahren in Folge zeigen die engagierten Akteure open air ihre eigenwilligen Inszenierungen am Kreuzgang der Stiftskirche und ziehen damit viele Menschen an.

Sonntag, 07.05.2017, 17:05 Uhr

Florian ( Jan Grudzielanek) trifft die Liebe wie ein Paukenschlag, als er Seliya (Sabrina Bönig), kennenlernt.
Florian ( Jan Grudzielanek) trifft die Liebe wie ein Paukenschlag, als er Seliya (Sabrina Bönig), kennenlernt. Foto: Beate Trautner

Am Freitagabend war es bitterkalt und die Vorstellung nicht so gut besucht wie sonst. Die Gäste warn dick „eingemummelt“ und mit Decken und heißen Getränken angerückt und richteten sich auf ihren Plätzen ein. Das Malteser-Faust- Theater rund um Norbert Hagen und Peter Lüffe präsentierte mit „Wer den Mächtigen stört“ diesmal ein Stück aus eigener Feder zu einem aktuellen Thema.

Zuvor bedankten sich die stellvertretende Bürgermeisterin Doris Kaiser und Pfarrdechant Manfred Krampe bei allen Aktiven für die intensive Vorbereitung, besonders aber bei Achim Hensdiek, bei dem alle Fäden zusammengelaufen waren.

Bernd Reinker sorgte für den guten Ton der Aufführung im stilvoll illuminierten Kreuzgang . Apropos Licht: Um ein „rechtes“ Licht geht es auch in dem Stück „Wer den Mächtigen stört?“

Unter dem Eindruck realer Erlebnisse , die sich in Norbert Hagens direkter Nachbarschaft zugetragen haben, schrieb er das gesellschaftskritische Bühnenstück.

Das Stück arbeitet mit Rückblenden und nimmt das tragische Ende schon in einem Epilog vorweg.

Herr Heinemann (Aaron Deusing) steht an einem Grab. Stumm. Nur seine Gedanken sind zu hören: „Du kannst nun nicht mehr mit mir kämpfen. Du bist tot! Du gehörst mir!“

Rückblende: Florian genießt die „Leichtigkeit des Seins“. Er ist immer gut gelaunt und feiert gerne. Florian, brillant gespielt von Jan Grudzielanek, lebt ein sorgenfreies Leben. Und das kann er auch, denn er wird finanziell großzügig von seinem Vater unterstützt.

Dann trifft ihn die Liebe wie ein Paukenschlag. Es ist Liebe auf den ersten Blick zwischen Florian und Seliya (Sabrina Bönig), eine Deutsche mit türkischen Wurzeln. Auch als Seliya mit einem Kopftuch vor ihm steht, ändert das seine Meinung nicht. „Wenn es freiwillig ist, kann ich damit leben. Ist es das nicht, bin ich dagegen“. Schnell steht für die beiden fest, sie möchten heiraten. Seliyas Familie (Vater: Dominik Duda, Mutter: Tina Friebe, Bruder Levent: Robin Achtstetter) zeigt sich überraschend liberal und möchte, dass die Tochter glücklich wird. „Istanbul, ich komme und lerne!“, ruft Florian freudig aus.

Als aber Florian nach Hause fährt, um seinen Eltern die „frohe Botschaft“ zu überbringen, zeigt Heinemann sein wahres Gesicht.

„Mein Vater ist ein Nazi“, muss Florian der Realität ins Auge blicken. Jahrelang konnte der erfolgreiche und allseits geschätzte Geschäftsmann Heinemann das vor seiner Familie verbergen, aber nun tritt seine Gesinnung offen zutage. Nach der Devise „Wer den Mächtigen stört, der wird schon sehen, was er davon hat“ versucht der vermeintlich biedere Familienvater mit allen legalen und illegalen Mitteln die Heirat zu verhindern. „Es gibt immer Mittel und Wege“, kündigt Heinemann Schlimmes an.

Florian stellt sich dem „Mächtigen“ entgegen. Für ihn ist es nicht mehr nur noch ein Kampf um die Frau, die er liebt, sondern auch ein Kampf gegen den Hass und um ein freies Leben. Unterstützung finden er und Seliya bei Freund Alex (Johann Lächelt). In weiteren Rollen: Mia Schilling als Mutter Heinemann, Sophie Wettrin als Freundin Petra und Lilli Straube als Kommissarin.

Am Ende des dramatischen Geschehens verbündet sich der „Mächtige“ sogar mit Tolga (Svorn Skorwider), einem Bruder der jungen Frau. Eine Allianz, die Florian nach fast zweieinhalb Stunden Spielzeit mit seinem Leben bezahlt.

Bleibt der „Mächtige“ wieder einmal der Gewinner? Nein. Heinemann ist der große Verlierer in dem Spiel. Er ist vor der Gesellschaft entlarvt worden, die Frau ist weg, und der einzige Sohn ist tot. Dennoch: „Ich bereue nichts“, steht Heinemann am Ende wieder am Grab seines Sohnes.

Auch wenn die Inszenierung versucht hat, Leichtigkeit in das Spiel zu bringen, ist das Stück ein aktueller, aber schwer zu verdauender Brocken.

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