Historische Gespanne in Warendorf: Turnier für traditionelle Anspannung
Ein Kutscher lacht nicht

Warendorf -

Es waren vor allem Stolz und die Freude am außergewöhnlichen Hobby. Knapp 40 historische Gespanne, die Besatzungen dem Stil der Gefährte entsprechend gekleidet, holperten am Samstagnachmittag entspannt durch das Warendorfer Pferdeviertel.

Sonntag, 18.06.2017, 14:06 Uhr

Fashion international: Vier Pferde brauchen zwei „Grooms“, die auch noch auf der Kutsche Platz finden müssen. Ein „Groom“, der sich um die Pferde kümmert, ist Pflicht.
Fashion international: Vier Pferde brauchen zwei „Grooms“, die auch noch auf der Kutsche Platz finden müssen. Ein „Groom“, der sich um die Pferde kümmert, ist Pflicht. Foto: Ulrike von Brevern

Streng geht es zu bei den Freunden traditioneller Gespanne. „Als Kutscher lacht man nicht“, beanstandet Moderator Heinz-Herrmann Hansmeier in gespieltem Ernst das Verhalten eines Fahrers bei der Präsentation auf dem Heumarkt. Ziel der Kritik ist der stolze Besitzer einer wunderschönen Equipage, der korrekt mit Zylinder, Stulpenstiefeln und Livree ausstaffiert auf dem Kutschbock Platz genommen hat, um, unterstützt von seinem Sohn als „Groom“, die „Herrschaft“ – Frau und Tochter – durch die Warendorfer Altstadt zu chauffieren. Der Mann gehorcht selbstverständlich - allerdings nur für einen winzigen Augenblick. Es waren vor allem Stolz und die Freude an ihrem außergewöhnlichen Hobby.

Knapp 40 historische Gespanne, ihre Fahrer im Stil der Gefährte entsprechend elegant gekleidet, holperten am Samstagnachmittag entspannt durch das Warendorfer Pferdeviertel. Sie nahmen teil an dem zweittägigen internationalen Turnier für traditionelle Anspannung, das der Fahrverein Ostenfelde in diesem Jahr zum dritten Mal rund ums NRW-Landgestüt ausrichtete.

Dabei sind die Stars die Wagen und nicht etwa Fahrer, betonen die Organisatoren. Eine Bewertung durch die Preisrichter, Geschicklichkeitsaufgaben und eine 13 Kilometer lange Streckenfahrt hatten die Gespanne bereits hinter sich, als sie zum Ausklang des Turniertages zur Präsentation auf dem Heumarkt einliefen.

Trotz erstaunlich regen Autoverkehrs herrschte hier Entschleunigung pur. Bei leiser Musik ließ das Publikum im dicht besetzen Bistro „Engelchen“ über rund drei Stunden Kutsche nach Kutsche an sich vorüberziehen, fachmännisch kommentiert von Kutschenrestaurator Hansmeier. „Bei uns steht der Stil im Mittelpunkt“, erklärte der die traditionelle Fahrkunst. Schon an der Farbe des Zylinders sei zu erkennen, ob auf dem Kutschbock ein Besitzer oder ein Angestellter sitzt. Eines der vielen Details, die Hansmeier den staunenden Warendorfern verriet.

Vom kleinen Shetty-Einspänner bis zum eindrucksvollen Vierspänner war alles dabei. Die traditionellen Kutschen, die überwiegend aus der Zeit um 1900 stammten, waren original und immer professionell restauriert, erzählte Hansmeier im Gespräch. Schon wenn bei der Polsterung Schaumstoff statt originaler Materialien verwendet werde, gebe es von den Preisrichtern Abzüge. Für ihre schlichte österreichische Kutsche war das Anke und Andreas Stegemeier aus Niedersachsen egal. Sie kennen jeden Quadratzentimeter ihres Gefährtes persönlich.

In der ersten Reihe der Außengastronomie bereichern Doris und Werner Klein mit ihren ungarischen Gästen in pittoresker Ausstattung das Ambiente. Das Baustoffhändlerehepaar aus Königswinter hatte den Parcours bereits hinter sich. „Ein bisschen Abenteuer“, das reize sie an den oft mehrtägigen Fahrten mit ihrem historischen Gespann, erzählt Doris Klein. Und natürlich genieße sie es, sich stilgerecht zu kleiden. Gut, dass trotz allen Traditionsbewusstseins das Handy immer dabei war. Noch während der Streckenfahrt erfuhren die Kleins, dass sie soeben Großeltern geworden seien. Die kleine Ella wurde dann prompt mit einem Glas Sekt stilvoll im Kreis der Traditionsfahrer begrüßt.

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