„Schockiert“ über Ratsbeschluss zum Lehrschwimmbad
„Politischer Super-GAU“

Freckenhorst -

Die Mitglieder des Bezirksausschusses hörten im Zusammenhang mit dem Beschluss des Rates zum Lehrschwimmbad mehrfach denselben Satz: „Ich bin schockiert.“

Mittwoch, 28.06.2017, 20:06 Uhr

Wie sehr den Freckenhorstern die jüngste Entscheidung des Stadtrates in Sachen Lehrschwimmbecken zu schaffen macht, zeigte sich am Dienstag im Bezirksausschuss. Gleich mehrfach fiel die Aussage: „Ich bin schockiert!“

Zur Erinnerung: Grundsätzlich hatte sich der Rat für den Erhalt des Schwimmbades ausgesprochen – dann allerdings die im Zuge einer Sanierung notwendige neue Lüftungsanlage mit einer deutlichen Mehrheit von 27 zu 15 Stimmen abgelehnt. Damit steckt das Thema Lehrschwimmbecken nun endgültig in einer Sackgasse. „Da gibt es einen Beschluss, das Bad zu erhalten – und im nächsten Atemzug wird die einzige Möglichkeit des Erhalts in geheimer Abstimmung abgelehnt“, konnte die stellvertretende Bürgermeisterin Doris Kaiser nur den Kopf schütteln und sprach gar von einem „politischen Super-GAU“.

Peter Marberg ( SPD ) fragte sich angesichts dieser kuriosen Entscheidung, woher die Ehrenamtlichen überhaupt noch die Motivation nähmen, sich für die Sache einzusetzen: „Was wir als Kommunalpolitiker ihnen hier zumuten, ist nicht zu fassen“. Er sprach sich gegen die Beschlussvorlage aus, die – wie bereits vom Hauptausschuss durchgewunken – empfiehlt, von dem Einbau einer Lüftungsanlage abzusehen und den Betrieb des Bades einzustellen, bis eine grundsätzliche Entscheidung getroffen ist. „Wenn es erst einmal dicht ist, dann ist es dicht“, mahnte Marberg.

Nur: Zeitnahe Lösungen sind nicht in Sicht. „Wenn ich das so vor Augen habe, wird mir schlecht“, ergriff Heinz Hanewinkel vom Verein „Pro Bad“ das Wort. Er appellierte an alle, „egal welche Partei!“, endlich Konzeptionen zu erarbeiten. Die unsägliche Diskussion – inklusive Entsolidarisierung auf Vereinsebene – habe gezeigt, wie viel hier im Argen liege.

Greifbare Lösungen standen am Dienstag allerdings noch nicht im Raum. Erst einmal folgte der Ausschuss bei einer Enthaltung mit einer Mehrheit von acht zu vier Stimmen dem Hauptausschuss Warendorf. Sebastian Scharf (FWG) dazu: „Wir glauben, dass wir es nicht verantworten können, so viel Geld in die Hand zu nehmen, wenn wir nicht wissen, wie es weitergeht.“

Unabhängig von den Auswirkungen auf die Sportstätten-Landschaft der Stadt hat das Tauziehen um das Lehrschwimmbad noch eine ganz andere Auswirkung: Stärker denn je fühlen sich die Freckenhorster von Warendorf abgehängt. Klaus Aßhoff (Die Grünen) hatte schon zum Auftakt der Sitzung den Umgang mit dem Thema „Wagenfeldstraße“ bemängelt und der Verwaltung Verzögerung vorgeworfen.

Andere ortsbezogene Themen seien erst im stadtübergreifenden Fachausschuss behandelt worden, bevor sie in den Ortsausschuss gegangen seien, ergänzten andere Ausschussmitglieder. „Wenn wir uns weiterhin so behandeln lassen, werden wir diesen Ausschuss nicht mehr lange haben“, so Peter Marberg (SPD). Hier appellierte Vorsitzender August Finkenbrink an die Verwaltung, die Reihenfolge in Zukunft sorgfältiger einzuhalten: „Viele Fragen können wir hier vor Ort einfach besser beantworten als der Ausschuss in Warendorf.“

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