WN-Serie „Im Märzen der Bauer“
Junges Gemüse

Neuwarendorf -

Nur ein geringer Prozentsatz des Gemüses, das in Sätzen ausgesät wird – also zeitversetzt, damit nicht alles auf einmal erntereif ist – ist für den Verkauf im Hofladen bestimmt. Wie ihre eingelegten Gurken, die die Familie Austermann inzwischen sogar in angrenzende EU-Länder exportiert, werden auch andere Feldfrüchte direkt auf dem Hof eingelegt. In diesen Wochen wird auf dem Hof in Neuwarendorf das junge Gemüse geerntet.

Dienstag, 18.07.2017, 14:07 Uhr

Johanna Austermann, hier mit ihrer Hündin Luna, auf einem der Gemüsefelder, auf denen zurzeit der Spitzkohl unter vor Schädlingen schützenden Spezial-Netzen wächst.
Johanna Austermann, hier mit ihrer Hündin Luna, auf einem der Gemüsefelder, auf denen zurzeit der Spitzkohl unter vor Schädlingen schützenden Spezial-Netzen wächst. Foto: Joke Brocker

Um dumme Sprüche und Ausreden sind die Anhänger der Fleisch-ist-mein-Gemüse-Fraktion nie verlegen. „Die essen meinem Fleisch das Essen weg“ bemerken sie, die schon in ihrer Kindheit den Spinat verschmähten, gerne, wenn von Vegetariern die Rede ist. Jede Wette: Auf den Feldern der Familie Austermann in Neuwarendorf quasi vom Feind umzingelt, kämen sich diese Kostverächter gewiss deplatziert vor.

Nicht so all jene, die Gemüse vor allem wegen seines Gehalts an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen schätzen und in den nächsten Wochen eine besonders große Auswahl haben werden. Die Gemüse-Ernte läuft auf Hochtouren.

In der zweiten Juni-Woche, Robert Austermann und Tochter Johanna ernteten gerade Spitzkohl, reisten Saisonkräfte an, die wie alte Freunde empfangen wurden. Tatsächlich kenne sie viele der Erntehelfer seit ihrer Kindheit, bestätigt Johanna Austermann und ergänzt: „Meine Eltern waren auch schon in Polen zu Familienfeiern eingeladen.“ 40 der 70 Saisonkräfte helfen bei der Ernte von Zuckergurken, Salat, Rote Bete, allerlei Kohlsorten, Pastinaken, Kohlrabi, Lauch, Silberzwiebeln, Zucchini, Kräutern, Dill-Blüten oder – später im Jahr – Kürbissen. Die übrigen 30 arbeiten in der hofeigenen Küche.

Denn: Nur ein geringer Prozentsatz des Gemüses, das in Sätzen ausgesät wird – also zeitversetzt, damit nicht alles auf einmal erntereif ist – ist für den Verkauf im Hofladen bestimmt. Wie ihre eingelegten Gurken, die die Austermanns inzwischen sogar in angrenzende EU-Länder exportieren, werden auch andere Feldfrüchte direkt auf dem Hof eingelegt.

Noch vor Beginn der Gurkensaison wird ein Teil des Spitzkohls, der unter Schädlinge fern haltenden Spezial-Netzen wächst und den die Austermanns mit Hilfe einer liebevoll restaurierten Bockkarre, gezogen von einem 52 Jahre alten Fendt-Traktors, vom Feld auf den Hof gefahren haben, kleingeschnitten und gestampft. Ehe die mit dem besonders fein schmeckenden Sauerkraut befüllten Gläser zugekocht – und damit haltbar gemacht – werden können, muss der Prozess der Milchsäuregärung abgewartet werden. Während dieser Zeit dürfe kein anderes Gemüse in der Nähe der Sauerkrautgläser verarbeitet werden, weiß Johanna Austermann. Ihre Mutter Ursula, die vor rund 15 Jahren mit der Vermarktung der eingemachten Gurken begonnen hatte und die rasante Entwicklung des Geschäftes damals gewiss nicht vorausgeahnt hat, ergänzt: „Wenn man daneben Möhren verarbeitet, können einem die Gläser hochgehen.“

Ist der Spitzkohl verarbeitet, sehen die Austermanns ein, zwei Wochen Rot. Rote Bete, um genau zu sein. Als immer häufiger Kunden gezielt nach dem Gemüse fragten, dessen Genuss sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System auswirken soll, reagierte die Familie. „Die bunte Mischung“, deutet Johanna Austermann auf ein Feld mit roten, gelben und weißen Rote-Bete-Knollen, „haben wir für den Hofladen angebaut.“ Die Früchte auf einem endlos erscheinenden Feld daneben, sind zum Einmachen bestimmt. „Gemüse wird ein immer größeres Thema“, ist die 26-Jährige, die in einem Dualen Studium BWL studiert hat und im Abendstudium gerade an ihrem Master in Sales Management arbeitet, überzeugt. „Zurzeit testen wir den Anbau von Süßkartoffeln.“ Ein Experiment, schließlich wisse man ja nicht, wie sich die Früchte auf den sandigen Böden entwickeln werden.

Die Kunden, die ihr Gemüse im Hofladen kaufen, teilweise sehr lange Anfahrtszeiten in Kauf nehmen, um den Gurkentopf direkt beim Hersteller zu erstehen, würden immer jünger. Und offenbar auch experimentierfreudiger. Wenn man ihnen verrate, wie Butternut, Muskatkürbis oder Schmorgurke zubereitet werden, probierten die Kunden gerne Neues. Genau deshalb hat Johanna Austermann, die selbst gerne kocht, stets Rezepte zum Mitnehmen auf Lager. Eigene oder von Mitarbeitern erprobte.

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