Pater Stephen absolviert Praktikum
Andere Kultur und neue Riten

Einen-Müssingen/Milte -

Pater Stephen steht seit Anfang September Pfarrer Rainer Hermes und Pastoralreferentin Elisabeth Jahn bei der Gemeindearbeit in Ss. Bartholomäus und Johannes d. T. zur Seite. Im Moment absolviert der junge Benediktiner, der aus Indien stammt, ein Praktikum in der Gemeinde.

Freitag, 08.09.2017, 23:09 Uhr

Pater Stephen steht Pfarrer Rainer Hermes bei der Gemeindearbeit in Ss. Bartholomäus und Johannes d. T. zur Seite.
Pater Stephen steht Pfarrer Rainer Hermes bei der Gemeindearbeit in Ss. Bartholomäus und Johannes d. T. zur Seite. Foto: Joke Brocker

Als Pater Tom, der in der Gemeinde viele seelsorgerische Aufgaben übernommen hatte, im Dezember nach Indien zurückkehrte, fragte sich Pfarrer Rainer Hermes im Stillen, wie es nun mit der Gemeindearbeit weitergehen würde. Nun freut sich der Geistliche, dass die Stelle der Pastoralreferentin Elisabeth Jahn seit Jahresbeginn eine Vollzeitstelle ist und dass seit Anfang September – auf Vermittlung von Domkapitular Hans-Bernd Köppen – ein junger Benediktiner in der Gemeinde mitarbeitet.

Pater Stephen, der vor 34 Jahren als Binto Vattodiyil im südindischen Bundesstaat Kerala geboren wurde, bewarb sich bereits als 16-Jähriger um die Aufnahme als Aspirant ins Kloster. Neben dem Leben in der Gemeinschaft erschien dem jungen Mann vor allem die gesellschaftliche Anerkennung, den der Berufsstand des Priesters in seiner Heimat genießt, attraktiv. Auch sein Onkel sei ein Ordensmann, erzählt Pater Stephen, der mit zwei Brüdern und einer Schwester aufgewachsen ist: „Er ist Karmeliter-Priester.“

Mittlerweile lebt der Benediktiner seit zehn Monaten in Deutschland. Nachdem er einen achtmonatigen Sprachkursus besucht hat, soll der junge Inder, der mit zwei Mitbrüdern in Telgte wohnt, als Priester und Seelsorger in der Kirchengemeinde Ss. Bartholomäus und Johannes d. T. tätig sein. Zunächst jedoch absolviert Pater Stephen, der Philosophie und Theologie studiert hat, 2011 zum Priester geweiht worden ist und 2014 in Rom das Lizenziat in Moraltheologie erwarb, ein dreimonatiges Praktikum. In dessen Mittelpunkt steht die Einführung in die Pastoral der Gemeinde. Schon in den ersten Tagen des Praktikums lernte der Pater, der neben Malayalam, das in Kerala gesprochen wird, auch Englisch und Italienisch beherrscht, beim Pfarrfest viele Gemeindemitglieder kennen. In den vergangenen Tagen beschäftigte er sich mit der Trauerpastoral, lernte Riten kennen, die nichts mit denen in Indien – oder Italien – gemein haben, und nahm an einem Trauergespräch teil. Gemeinsam mit Pfarrer Hermes besuchte er eine Familie zu einem Taufgespräch. Und in Kürze steht auch ein Traugespräch an.

„Mit der Frauengemeinschaft hat er das Vaterunser auf Malayalam gebetet. Das klang klasse, sehr melodisch“, erzählt Pfarrer Hermes. Obwohl er sich an die neue Sprache, die fremde Kultur und auch die westfälische Küche noch gewöhnen muss, fühlt sich Pater Stephen in Telgte und in der Gemeinde Ss. Bartholomäus und Johannes d. T. offensichtlich wohl. Er und seine Mitbrüder, mit denen er regelmäßig koche – manchmal indisch, aber auch Pasta – frühstückten regelmäßig mit Propst Langenfeld in Telgte: „Das hilft uns sehr zu verstehen.“

Überaus freundlich und hilfsbereit seien aber auch die Gemeindemitglieder in Einen-Müssingen und Milte, die angeboten haben, ihn aus Telgte abzuholen, wenn das Wetter zu schlecht zum Radfahren ist. Den Weg zu seinem Büro im Einener Pfarrhaus legt der junge Geistliche normalerweise auf dem Fahrrad zurück, das die Gemeinde ihm geschenkt hat. Der Pater hat zwar einen Führerschein, allerdings einen indischen, der in der EU nicht gilt. Pfarrer Hermes: „Auch daran werden wir arbeiten“

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