Lebensmittelnahversorgung
Auf Wunsch sogar Bio-Klopapier

Einen-Müssingen -

Nach der angekündigten Schließung des Lebensmittelgeschäftes Aerdker in Einen wurden im Internet Überlegungen zu alternativen Einkaufsmöglichkeiten angestellt. Gehandelt haben jetzt Konrad Höing und Carsten Sandfort. In einer Verkaufsstelle an ihrer Gärtnerei bekommen die Kunden, falls gewünscht, sogar Klopapier in Bio-Qualität.

Freitag, 22.09.2017, 16:09 Uhr

Carsten Sandfort, der zum 1. Oktober die Gärtnerei von Konrad Höing in Müssingen übernimmt, bietet gemeinsam mit Höing in einer kleinen Verkaufsstelle ab sofort neben Obst und Gemüse in Demeterqualität auch Tiefkühlkost, Molkerei-Produkte, Trockenware in Bio-Qualität sowie frische Eier an.
Carsten Sandfort, der zum 1. Oktober die Gärtnerei von Konrad Höing in Müssingen übernimmt, bietet gemeinsam mit Höing in einer kleinen Verkaufsstelle ab sofort neben Obst und Gemüse in Demeterqualität auch Tiefkühlkost, Molkerei-Produkte, Trockenware in Bio-Qualität sowie frische Eier an. Foto: Joke Brocker

Der Prophet gilt nichts im eigenen Land – dieses Bibelwort hat sich gerade wieder in Einen-Müssingen bestätigt. Nachdem Jörg und Henriette Aerdker die Schließung ihres Lebensmittelmarktes angekündigt hatten, waren vor allem in den sozialen Netzwerken Überlegungen angestellt worden, wie die Versorgung der Bewohner mit frischen Lebensmitteln in Zukunft organisiert werden könnte. Schnell war die Idee geboren, einen kleinen Wochenmarkt am Heimathaus anzubieten (die WN berichteten).

„Uns hat man nicht gefragt“, wundert sich Konrad Höing , der 1981 die vor 70 Jahren von seinen Eltern Heinrich und Gertrud Höing gegründete Gärtnerei in Müssingen übernommen hat, die er zum 1. Oktober an Carsten Sandfort verpachtet hat. Dabei hätte der 68-Jährige eine ganze Menge zum Thema Markt und Lebensmittelnahversorgung zu erzählen. Kleine Märkte seien „zwar ganz idyllisch“, lohnend für die Anbieter seien sie aber meist nicht. Es sei denn, diese könnten ihre Waren direkt ab Wagen verkaufen. Alle anderen müssten in der Kalkulation immer auch die Zeit für Auf- und Abbau der Stände berücksichtigen.

Höing selbst hat die in seiner ökologisch arbeitenden Gärtnerei gezogenen Gemüsepflanzen und -sorten sowie die von seiner Frau kunstvoll gebundenen Blumensträuße zeitweise auch auf kleineren Märkten angeboten. Mittlerweile beschränkt er sich aber darauf, die Warendorfer Wochenmärkte zu beschicken.

Die Diskussion um die Nahversorgung in Einen-Müssingen beschäftigt ihn in diesen Tagen ganz besonders. Anfang Oktober übergibt er zwar die Gärtnerei – Gemüseanbau und Verkauf – an Carsten Sandfort, will sich allerdings selbst weiterhin um den Blumenladen in der Gärtnerei und sein Naturkostgeschäft Bio-Garten in Everswinkel kümmern. Außerdem möchte er, gemeinsam mit dem 48-jährigen Pächter seiner Gärtnerei, einem echten „Seiteneinsteiger“ (Sandfort war Lehrer, Unternehmensberater und ist seit Februar Gärtner „mit Leib und Seele“), die Lebensmittel-Versorgungslücke vor Ort stopfen. Alteingesessene kaufen Obst und Gemüse schon seit den 50er-Jahren in der „Einschke Brinke“ (Zum Emstal). Um auch neue Kunden zu gewinnen, wollte Carsten Sandfort, mit Frau und Tochter in Everswinkel daheim, den kleinen Raum, in dem vor Markttagen das frisch geerntete Gemüse auf Stiegen gepackt wird, im Winter und in Ruhe zu einer Verkaufsstelle umbauen. Doch: „Die Ereignisse haben uns überholt.“ Und so kann jeder ab sofort montags und donnerstags, jeweils von 16 bis 18 Uhr, und samstags von 9 bis 12 Uhr Obst, Buschbohnen, Erbsen, Zucchini, Tomaten, Radieschen, Feldsalat, Toskanischen Grünkohl und Co. in Demeter-Qualität im vorerst etwas provisorisch wirkenden Hofladen kaufen.

Anbieten möchten Sandfort und Höing dort aber auch Trockenware (dazu gehören beispielsweise Nudeln, Salz, Zucker, Mehl, Haferflocken), Molkerei-Produkte, Eier, zugekauft vom Demeter-Hof Schulze Schleppinghoff in Freckenhorst, und sogar Kaffee. Auch Tiefkühlkost – von Fischstäbchen über Suppenhühner bis hin zur Pizza – umfasst das Angebot. „Und alles Bio“, versichert Höing, der nach Möglichkeit alle Wünsche der Kunden erfüllen möchte. Selbst wenn es der nach Toilettenpapier – ebenfalls garantiert Bio – sein sollte.

Natürlich seien die Bio-Produkte teurer als die Waren beim Discounter, räumen Sandfort und Höing ein. Dafür sei „der inhaltliche Wert“ aber auch höher. Wer Bio-Produkte kaufe, ist Konrad Höing überzeugt, müsse anders kochen, da Bio-Lebensmittel gehaltvoller seien und schneller sättigten.

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