Neue Stufe in Gestüts-Ermittlungen
Gestüt: Anklage gegen Ex-Leitung

Warendorf / Münster -

Die Staatsanwaltschaft Münster hat gegen die drei ehemaligen Führungskräfte des nordrhein-westfälischen Landgestüts in Warendorf Anklage beim Schöffengericht erhoben. Das örtliche Amtsgericht muss nun entscheiden, ob es die Anklage zulässt und ein Hauptverfahren eröffnet wird.

Montag, 25.09.2017, 11:09 Uhr

Die Geschehnisse im Gestüt von 2013 und 2014 sollen jetzt vorm Schöffengericht aufgearbeitet werden. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen das frühere Führungstrio erhoben.
Die Geschehnisse im Gestüt von 2013 und 2014 sollen jetzt vorm Schöffengericht aufgearbeitet werden. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen das frühere Führungstrio erhoben. Foto: Joke Brocker

Jetzt geht die juristische Aufarbeitung in Sachen ehemaliger Landgestüts-Spitze weiter: Die Staatsanwaltschaft Münster hat gegen die vormalige Leiterin des nordrhein-westfälischen Landgestüts in Warendorf, den früheren stellvertretenden Gestütsleiter und den ehemaligen Ersten Hauptberittmeister Anklage beim Schöffengericht in Warendorf erhoben. Das Amtsgericht muss nun entscheiden, ob es die Anklage zulässt und ein Hauptverfahren eröffnet wird.

In der Anklageschrift wirft die Staatsanwaltschaft der ehemaligen Leiterin des Landgestüts und dem früheren ersten Hauptberittmeister jeweils vier Fälle der gemeinschaftlichen Vorteilsannahme, dem damaligen stellvertretenden Gestütsleiter drei Taten der gemeinschaftlichen Vorteilsannahme sowie zwei Fälle der Untreue und dem früheren ersten Hauptberittmeister einen Betrug sowie Beihilfe zur Untreue vor.

Vorwurf: Vorteilsnahme, Betrug und Beihilfe zur Untreue

Es bestehe, so Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt, der Verdacht, dass die Reitsporteinrichtung „Al Shaqab“ in Doha/Katar die drei Angeschuldigten in ihren dienstlichen Funktionen samt Ehepartnern im März 2013 und März 2014 zu einem Reitturnier eingeladen hat. Zudem solle der damalige Erste Hauptberittmeister in den beiden Jahren jeweils eine Wild-Card für das Reitturnier erhalten haben, bei dem selbst der letztplatzierte Teilnehmer noch ein Preisgeld bekommen habe.

„Al Shaqab“ soll stets die Kosten für die jeweiligen Business-Class-Flüge und die Unterbringung in „hochpreisigen Hotels“ übernommen haben. Die Einladung der Ehepartner 2013 soll auf eine Anfrage des früheren ersten Hauptberittmeisters zurückgehen.

Katar-Reisen mit Partnern 2013 und 2014

Laut Strafverfolgungsbehörde lag diesen Reisen lag eine seit 2012 bestehende, offizielle Geschäftsbeziehung des Landgestüts mit der „Al Shaqab“. Diese Verbindung habe im Wesentlichen in der entgeltlichen Beratung und Unterstützung der Reitsporteinrichtung in Katar durch das Landgestüt bestanden. Die Hauptaufgabe der Angeschuldigten habe darin gelegen, die vereinbarten Tätigkeiten zu erbringen, den Aufbau der Reitsporteinrichtung zu fördern und dadurch auch die finanzielle Situation des Landgestüts positiv zu gestalten.

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Laut Ermittlungen sollen die Angeschuldigten für sich und ihre Ehepartner in den beiden Jahren unzulässige geldwerte Vorteile (Übernahme der Flug-und Hotelkosten) in Höhe von insgesamt 49 041 Euro erhalten haben (im Jahr 2013 die Angeschuldigte in Höhe von 7894 EUR und die beiden Mitangeschuldigten in Höhe von jeweils 7957 Euro und im Jahr 2014 der ehemalige erste Hauptberittmeister in Höhe von 8569 EUR und die beiden anderen Angeschuldigten in Höhe von jeweils 8332 Euro). Zudem soll der damalige erste Hauptberittmeister bei den Turnieren Preisgelder erhalten und privat eingenommen haben (3550 Euro 2013 und 1660 Euro 2014).

„Unzulässige geldwerte Vorteile“

Die Reisen und die Umstände der Kostenübernahme sollen dem Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW nicht bekannt gewesen sein. Nach Bewertung der Staatsanwaltschaft besteht der Verdacht, dass die Reisen ausschließlich dienstlich veranlasst waren, einer positiven Gestaltung der Geschäftsbeziehung dienten und der Umfang der Kostenübernahme (Mitnahme der Ehepartner, Flüge und Hotelunterbringung) nicht sozial üblich war.

Ein weiterer Vorwurf der gemeinschaftlichen Vorteilsannahme gegen die drei Angeschuldigten gründe sich auf den Verdacht, dass sie im August 2013 eine eigene Gesellschaft gegründet haben sollen, „um aus der Geschäftsbeziehung des Landgestüts mit der Reitsporteinrichtung Al Shaqab privat finanziell zu profitieren.

Zur Umsetzung dieses Vorhabens soll der vormalige Erste Hauptberittmeister eine eigenständige Kooperationsvereinbarung mit „Al Shaqab“ abgeschlossen haben. Im Unterschied zu dem zwischen dem Landgestüt und der Einrichtung in Katar geschlossenen Vertrag war Hauptbestandteil dieser Vereinbarung die – finanziell zu honorierende – Hilfe der Gesellschaft bei dem Erwerb von Pferden und deren Ausrüstung durch „Al Shaqab“. Die Vereinbarung enthielt Regelungen zu Einmalzahlungen und Erfolgsprämien für die Auswahl und Beschaffung geeigneter Pferde. Die Gründung dieser Gesellschaft sollen die Angeschuldigten dem Ministerium bewusst nicht bekannt gegeben haben, da sie „gewusst haben sollen, dass ihnen diese Art der Nebentätigkeit wegen der Gefahr einer Interessenkollision nicht genehmigt worden wäre“.

Firmengründung „bewusst nicht bekannt gegeben“

Zu einer entsprechenden Mitteilung an das Ministerium waren die Angeschuldigten nach Auffassung der Staatsanwaltschaft verpflichtet. Insgesamt sollen die Angeschuldigten für ihre Vermittlungstätigkeit private Einnahmen in Höhe von jeweils 23 000 Euro erzielt haben. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft begründeten diese finanziellen Vorteile – wie auch die Kostenübernahme der Reisen nach Katar 2013 und 2014 – die Gefahr, dass sich die Angeschuldigten bei der ihnen obliegenden Entscheidung der Gestaltung der Geschäftsbeziehungen des Landgestüts mit „Al Shaqab“ im Sinne der Reitsporteinrichtung beeinflussen lassen könnten.  

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