Warendorfer Kneipier vorm Landgericht
Richter lässt Lärm am Mr. Ed's messen

Warendorf -

Die Auseinandersetzung zwischen dem »Mr. Ed's« und den Nachbarn auf der Emsstraße geht weiter. Ein neues Gutachten soll Aufschluss geben, ob die Musikkneipe hauptsächlich für den Lärm dort verantwortlich ist und Grenzwerte der Nachtruhe überschritten werden. Das ordnete der Vorsitzende Richter jetzt bei einer erneuten Verhandlung an - bei der Messung wird er höchstpersönlich dabei sein.

Dienstag, 10.10.2017, 15:10 Uhr

Der Streit um die Musikkneipe „Mr. Ed´s“  geht weiter. Es wird ein neues Lärmgutachten geben – auf richterlichen Beschluss.
Der Streit um die Musikkneipe „Mr. Ed´s“  geht weiter. Es wird ein neues Lärmgutachten geben – auf richterlichen Beschluss. Foto: Edler

Der Richter begründete diesen Schritt damit, dass er sich nicht allein auf das von der Klägerseite in Auftrag gegebene Privatgutachten verlassen wolle. Er verwies zudem auf entsprechende Berufungsurteile des Oberlandesgerichts Hamm und entschied für eine verdeckt durchgeführte Messung an einem Freitag- oder Samstagabend – bei der er höchstpersönlich dabei sein wird.

Wirtschaftliches Aus droht

Am Dienstag saßen sich die Streithähne erneut vor Gericht gegenüber. Das Vergleichsangebot der Klägerseite, die maximale Betriebszeit im „Mr. Ed's“ sonntags bis donnerstags von 6 bis 23 Uhr und freitags und samstags von 6 bis 24 Uhr (wie in der Baugenehmigung festgeschrieben), anzunehmen, lehnte Ralf Friedrich , Inhaber der Musikkneipe, ab. Die eingeschränkten Öffnungszeiten würden für ihn das wirtschaftliche Aus bedeuten. Ralf Friedrich, genannt Ralle, keineswegs auf Stress aus, bedauere, dass es nicht zu einer Einigung unter Nachbarn komme. Aber diese Öffnungszeiten könne er nicht akzeptieren. Der Gastronom erinnerte an den starken Konkurrenzkampf im Gaststättengewerbe. Teils hat seine Musikkneipe am Wochenende bis vier Uhr morgens geöffnet.

Die Vorgeschichte

Ruhiger - aber nicht ruhig genug

Der unmittelbare Nachbar und Streitführer Jörg Helms bescheinigte dem Gastronomen zwar, dass es in der Vergangenheit ruhiger vor der Kneipentür geworden sei, es aber immer noch Wochenenden gebe, an denen seine Familie keine Nachtruhe finde. Der Streit gärt seit fast vier Jahren. In erster Linie ist es der Lärm vor der Tür, der die unmittelbaren Nachbarn nervt. Gäste, die sich draußen vor der Tür lautstark, nicht selten alkoholisiert, unterhalten würden – und das unmittelbar vor den Schlafzimmerfenstern der Nachbarn. Die Streitführer, Nachbar Jörg Helms, Gastwirt Manfred Darup und Mechthild Schulze Johann vom gleichnamigen Hotel untermauern den Lärm mit einem privat in Auftrag gegebenen Gutachten und Fotos.

Sachverständiger sagt aus

Die Sprach, Schrei- und Lachgeräusche würden danach den Lärmrichtwert (45 Dezibel) um 23 Dezibel überschreiten. Und darum ging es am Dienstag in der Verhandlung. Das Gericht hörte einen unabhängigen Sachverständigen, der sich eingehend mit dem privaten Lärmgutachten auseinandergesetzt hatte, das ausschließlich die Musikkneipe für den Lärm verantwortlich zeichnet. „Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass das Ergebnis des Lärmgutachtens plausibel ist. Das deckt sich mit meinen Erfahrungen“, so der Gutachter Peter Wenzel vor Gericht. Gemessen worden sei im März diesen Jahres, in der Nacht vor Ostern im 1. Stock des Nachbarhauses, bei geschlossenem Fenster. Die spannende Frage: Wie sicher kann man sagen, dass die Lärmgeräusche allein von der Musikkneipe Mr Ed´s kommen?

Viele weitere Lärmquellen

Für „Ralle“ sind diese Vorhaltungen nicht nachvollziehbar: „Ich bin doch nicht für den ganzen Lärm auf der Emsstraße verantwortlich-“ Und er zählt auf, was noch auf der Emsstraße am Wochenende so los ist: „Passanten, Taxifahrer, eine weitere Gaststätte nur 30 Meter entfernt, ein Fahrradständer und der Marktplatz.“ Die Fußgänger, die sich laut auf der Straße unterhalten würden, so Ralle, seien nicht automatisch Gäste seiner Musikkneipe. Zudem habe er seine Sicherheitskräfte angewiesen, für Ruhe auf der Straße zu sorgen.

Fremdgeräusche werden ausgeblendet

Laut Gutachter könnten Fremdgeräusche wie Fußgänger im Rahmen einer Lärmmessung weggeblendet werden. Inwieweit dies geschehen ist, vermochte er nicht zu sagen. Andere Lärmquellen seien in dem Gutachten aber auch nicht erwähnt worden. Der Gutachter verwies auf übliche Rechenbeispiele: Auch wenn man alle anderen genannten Lärmquellen mit der gleichen Lautstärke berücksichtige wie den Lärm, der von der Musikkneipe ausgehe, läge der Geräuschpegel immer noch weit über dem Richtwert.

Antrag auf neue Öffnungszeiten

Für „Ralle“ und seine Rechtsanwältin sind die genauen Zuordnungen im Nachhinein nicht mehr festzustellen. Von einer „rein subjektiven Entscheidung“ des privat bestellten Gutachters spricht auch der Rechtsanwalt, der den Hauseigentümer der Musikkneipe in dem Streit vertritt. Er teilte mit, dass zurzeit ein Genehmigungsverfahren bei der Stadt auf Änderung der Betriebszeiten für die Musikkneipe laufe.

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