Doppelausstellung im Westpreußischen Landesmuseum
Ausdruck vielfältiger Probleme

Warendorf -

Vor 500 Jahren hatte Dr. Martin Luther seine 96 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen und so die Reformation angestoßen. An der Vielzahl von Aktionen, Projekten und Ausstellungen zu diesem Anlass beteiligt sich auch das Westpreußische Landesmuseum (WLM). Am Donnerstagabend wurde dazu eine Doppelausstellung eröffnet.

Montag, 30.10.2017, 20:10 Uhr

Die von Martin Luther (r.) angestoßene Reformation beleuchtet die Doppelausstellung im Westpreußischen Landesmuseum.
Die von Martin Luther (r.) angestoßene Reformation beleuchtet die Doppelausstellung im Westpreußischen Landesmuseum. Foto: Marion Bulla

„Bönhasen, Störer und arme Prediger – die städtische Reformation in Westpreußen“ lautet der eine Titel der Sonderausstellung und „Reformation im östlichen Europa“ der zweite. „Hier wird hautnah Geschichte erzählt. Das Museum ist eine wichtige Einrichtung für unsere Stadt“, lobte Doris Kaiser als stellvertretende Bürgermeisterin die Arbeit im Museum.

Auch Dr. Peter Paziorek war zur Eröffnung gekommen. Museumsleiter Dr. Lothar Hyss begrüßte den Regierungsdirektor a.D. als Stiftungsratsmitglied und freute sich ebenso über den Besuch von Hans-Jürgen Schuch, der das Museum vor ihm geführt hatte.

Dr. Claudia Tutsch vom Kulturforum östliches Europa führte in die Ausstellung „Reformation im östlichen Europa“ ein und erläuterte, wie sich der reformatorische Wandel in den großen Städten im 16. und 17. Jahrhundert entwickelt hatte. Schwerpunktthemen der Ausstellung sind die sozial-politischen Konflikte in den Städten, die sich gegen die herrschenden Schichten, vor allem gegen die Kirche richteten.

In Polen und Litauen seien zu jener Zeit andere Religionen vom Staat durchaus erwünscht gewesen. „Es war eine Reformation von oben, die vor allem in den großen Städten stattfand. Ländliche Gegenden blieben zumeist unberührt“, so Tutsch. Die Ausstellung zeigt dies am Beispiel von Danzig, Elbing und Thorn. „Reformation meint aber nicht nur Luther , sondern ebenso andere Strömungen“, gab die Expertin noch zu bedenken, bevor Kurator Dr. Martin Steinkühler das Wort ergriff.

Der Wissenschaftliche Mitarbeiter des Museums hatte die eigene Ausstellung gestaltet und schilderte ebenso die politische, wirtschaftliche und soziale Situation der Bevölkerung. „Die Reformation verlief in Preußen ganz unterschiedlich. Im Westen gab es eine Reformation von unten. Insbesondere in den drei aufgeführten Städten kam es zur Vermenger vieler Konflikte“, erklärte Steinkühler. Die Kritik sei groß gewesen. Das Ergebnis: Abkehr von der römisch-katholischen Kirche. Mit all diesen Vorgängen befasst sich die Ausstellung. Es geht um Unzucht in den Danziger Klöstern, arme Priester, davon allein 240 in Danzig, Bettelmönche und das Mönchswesen allgemein. Aber auch um massive politische Verwerfungen, Vetternwirtschaft sowie Absprachen.

Handwerkern, wie Schneidern, die in keiner Zunft organisiert waren und somit auch kein Geschäft betreiben durften, ist ein Teil der Ausstellung gewidmet. „Die haben sich auf Böden versteckt und sind bei Gefahr auf Entdeckung wie Hasen über die Dächer geflüchtet. Das waren die Bönhasen“, klärt Dr. Martin Steinkühler auf.

Es gibt viele Schriften und Relikte, jede Menge Informationen und interessante Details im Museum. Unter anderem ist eine Büste Martin Luthers aus Cadina Majolika zu besichtigen, die 1933 anlässlich des Deutschen Luthertages zum 450. Geburtstag des Reformators gefertigt worden war.

Noch bis 8. April 2018 wird das Westpreußische Landesmuseum an die Geburtsstunde der Reformation vor 500 Jahren erinnern.

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