Elfriede Leve hat die Küche im Hotel im Engel geprägt
Die feine Note in der Küche

Warendorf -

Im Jubiläumsjahr lohnt es sich immer, Rückblick zu halten. Das ist im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten im Hotel im Engel auch ausgiebig getan worden. WN-Redakteurin Monika Vornhusen wirft mit Elfriede noch einmal einen Blick zurück auf die Jahre, in denen sie die Küche des Hauses prägte und ihr eine ganz persönliche Note mit auf den Weg gegeben hat.

Donnerstag, 21.12.2017, 09:12 Uhr

Elfriede Leve genießt regelmäßig im Hotel im Engel auch die Speisen a` la carte, die sie vor Jahren in die Hotel-Küche einführte.
Elfriede Leve genießt regelmäßig im Hotel im Engel auch die Speisen a` la carte, die sie vor Jahren in die Hotel-Küche einführte. Foto: Kaup/Hotel Im Engel

Als im Hotel Restaurant im Engel vor einigen Wochen die 325-jährige Geschichte des Hauses im großen Saal gefeiert wurde, hatte Elfriede Leve einen zentralen Platz inmitten des Geschehens. Das wahrscheinlich nicht ohne Stolz, denn schließlich war sie es, die mit ihrem Mann, Werner Leve, damals den Weg des Traditionshauses von einem westfälischen Speiserestaurant hin zur überregional anerkannten Spitzengastronomie bis 1995 entscheidend prägte. Selbst Prinz Philipp aus dem englischen Königshaus hat ihren „Pfefferpotthast“ genossen. Nicht zuletzt zeichnete die „Welt am Sonntag“ im Jahr 2001 die Warendorferin als eine der drei besten Köchinnen in NRW aus. WN-Redakteurin Monika Vornhusen warf einfach mal mit ihr einen Blick zurück in die „gute alte Zeit“ in der Küche des Hotels im Engel.

Als Sie 1955 die Küche im Hotel im Engel von den Schwiegereltern übernommen haben – wie war diese damals aufgestellt?

Elfriede Leve: Hausmannskost beherrschte die Speisekarte. Es gab mittags zum Beispiel Sülze, Roulade, Toast Hawai, Rumpsteak und Filetsteak nach Art des Hauses mit Rührei, geschmorten Zwiebeln und selbst produzierten Pommes Frites.

Dann ging es sicher schon früh am Morgen los mit der Arbeit in der Küche?

Elfriede Leve: Ich war ab 6 Uhr die Erste in der Küche. Meistens hatte ich aber Hilfe durch Praktikantinnen, die von der Hauswirtschaftsschule Münster kamen oder durch Auszubildende. In den ersten Jahren musste ich den Ofen morgens erst mit Kohle anheizen. Das habe ich aber nicht lange durchgehalten.

Das heißt, Sie haben die Küche schnell aufgerüstet, was die Gerätschaften anging?

Elfriede Leve: Es ging tatsächlich schon in den 50er Jahren schnell vorwärts, insbesondere durch den von meinem Mann und mir neu geschaffenen Hotelbetrieb. Durch die stark ansteigenden Übernachtungen hatten wir plötzlich viele Hausgäste. Und gegessen wurde gerne nicht nur am Abend, sondern auch sehr gerne mittags.

Woher kamen die Gäste und was lockte sie in Warendorf an?

Elfriede Leve: Das war natürlich die Reiterei mit dem Komitee. Hans-Günther Winkler kam zum Beispiel auch gerne mit dem Rad zu uns. Die Roulade mit Kompott aß er besonders gern. Besonders schön war es, dass all diese Gäste eine hohe Wertschätzung für uns mitbrachten.

Wie äußerte sich diese Wertschätzung im praktischen Alltag?

Elfriede Leve: Ob es Namen aus der Reiterei wie Linsenhoff, Neckermann, Klimke oder Uphoff waren. Sie alle schätzten die Atmosphäre und kamen auch gerne mal zu mir in die Küche auf ein Gespräch.

Und gekocht haben Sie dann immer mit Produkten aus der Region?

Elfriede Leve: In den ersten Jahren haben wir noch einmal im Monat selbst ein Schwein verwurstet und praktisch alles daraus verarbeitet – Mettwurst, Leberwurst, Koteletts, Würstchen und Schinken.

Wann begann denn der Weg des Hotels im Engel hin zur Spitzengastronomie und wie haben Sie das angestellt?

Elfriede Leve: Das Kochen ging mir einfach schon immer leicht von der Hand. Und ich habe gerne auch von anderen dazu gelernt. So zum Beispiel, als einer unserer Gäste aus Frankreich vorschlug, mal eine „Französische Woche“ auszurichten.

Wie kam denn das bei den Warendorfern an?

Elfriede Leve: Wir haben nur einmal kurz inseriert und die Abende waren alle ausgebucht. Die Warendorfer haben dabei so einiges gegessen, was sie zuvor gar nicht kannten.

Zum Beispiel?

Elfriede Leve: Zum Beispiel Froschschenkel, Schildkrötensuppe, Gänseleberterrine und auch Kurzgebratenes wie Lamm oder Ente mediterran zubereitet. Wir haben das alles frisch zubereitet aus den frischen Grundprodukten. Zur damaligen Zeit waren das sehr angesagte Produkte in Frankreich.

Wie haben Sie sich dann da herangewagt?

Elfriede Leve: : Unser Gast aus dem Elsass hat uns einen damals sehr bekannten Koch, Émile Jung, aus dem heute noch namhaften Restaurant „Le Crocodile“ in Straßburg geschickt. Es zählt heute noch zu den besten in Frankreich. Mit ihm habe ich dann eine Woche lang zusammen gekocht.

Und zu den anspruchsvollen französischen Gerichten gab es dann auch den passenden Wein?

Elfriede Leve: Genau, mein Mann hat zu dieser Zeit Kontakte mit Weingütern im Elsass und Burgund aufgebaut. So konnten wir die passenden Weine dazu servieren. Noch heute existieren daher der Nachtisch- oder der Käsewagen, die manchmal im Restaurant eingesetzt werden.

Kochen Sie für sich zu Hause auch noch selbst?

Elfriede Leve: Ja, allerdings kleine Portionen.

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