Plädoyer für die Organspende
Es gibt nie zu viele Organspender

Warendorf -

Ausgerechnet wenn es um den Tod eines nahestehenden Menschen geht, dann kommen die Ärzte notgedrungen auf das Thema Organspende zu sprechen. Wenn der Betroffene das selbst zu Lebzeiten geregelt hat, bleibt anderen die Entscheidung erspart.

Montag, 19.02.2018, 04:00 Uhr aktualisiert: 19.02.2018, 14:06 Uhr
Sind für Organspende: Dieter Kemmerling (l.) und Dr. Klaus Dellori. Kemmerling hat vor 17 Jahren eine Spenderleber erhalten.
Sind für Organspende: Dieter Kemmerling (l.) und Dr. Klaus Dellori. Kemmerling hat vor 17 Jahren eine Spenderleber erhalten. Foto: Jörg Pastoor

Natürlich, sagt Dieter Kemmerling : „Das ist hochemotional.“ Wenn ein lieber Mensch auf der Intensivstation liegt, hirntot. Und ein Arzt bei den Liebsten auf das Thema Organspende zu sprechen kommt – welcher Moment sei unmöglicher, in dieser kummervollen Lage für die Lebenden?! Eben deshalb ist Kemmerling ein so glühender Verfechter für die Organspende. Weil er weiß, wie das ist. „Ein Postauto ist nicht so gelb wie ich damals.“ Seine Leber war zerstört. Es musste sehr, sehr schnell gehen. Ging es auch. Seit 17 Jahren lebt der heute 70-Jährige mit dem Organ eines gestorbenen Menschen. Ehrensache, dass Kemmerling zum WN-Gespräch mit Organspende-Beauftragtem Dr. Klaus Dellori ins Josephs-Hospital kommt.

Der beschreibt gleich zu Beginn den Standard. „Wir sind ein Haus der Grund- und Regelversorgung.“ Eine Neurologie- oder Neurochirurgieabteilung gebe es nicht. Das heißt: Ein lebensgefährlich Verletzter wird üblicherweise in entsprechend ausgestattete Hospitäler im Umland gebracht.

In Deutschland kommen auf eine Million Bürger etwa neun Spender.

Dieter Kemmerling

Dennoch ist der statistische Wert von einer Organspende pro Jahr für ein Krankenhaus wie das in Warendorf laut Deutscher Stiftung Organtransplantation schon über dem Durchschnitt, wenn man die Größe einbezieht.

Für Dieter Kemmerling reicht es trotzdem nicht. Sicher habe es mal in Deutschland vereinzelte Manipulationen gegeben, die die Bereitschaft vieler Menschen erschüttert habe, selbst einen Organspendeausweis zu tragen – oder, wenn ein Nahestehender das nicht hat, dessen Körper für Spenden freizugeben, wenn er nicht mehr leben kann. Deshalb kann Kemmerling auch nicht verstehen, dass man in der BRD nach wie vor schriftlich erklären muss, Organspender zu sein – während die Niederländer gerade sozusagen eine gesetzliche Automatik eingeführt haben: Dort muss jemand bewusst widersprechen, wenn er seine Organe nicht für Lebende zur Verfügung stellen will.

Anderswo ist mal automatisch Organspender

Klaus Dellori sieht bei dem für manchen schwierigen Thema auch den Aspekt der Verantwortung: „Wenn ich zu Lebzeiten drüber nachgedacht und mich entschieden habe, nehme ich meinen Hinterbliebenen doch die Entscheidung ab.“

Zu Lebzeiten eine Entscheidung treffen

Für den nur dank Spende heute noch lebenden Unternehmer und Musiker Kemmerling zählt die Werbung aus Überzeugung: „In Deutschland kommen auf eine Million Bürger etwa neun Spender. In anderen Ländern sind es zwischen 30 und 36.“ Da müsse man auch in der BRD hin – wobei er an „die Leute auf der Warteliste“ denkt: „Das ist ein schreckliches System.“ Dass ein Betroffener selbst gesagt hätte, er wolle kein Spenderorgan? „Das gibt es nicht.“

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