Messerstecherei in Warendorfer Unterkunft
„Wollte mich mit Messer schützen“

Warendorf / Münster -

Vor dem Landgericht Münster muss sich ein 26-jähriger Marokkaner für einen Messer-Angriff auf einen gleichaltrigen Landsmann in einer Warendorfer Flüchtlingsunterkunft verantworten. Mindestens 30 Messerstiche wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Der Angeklagte hat zum Auftakt des Prozesses jegliche Verletzungsabsicht bestritten. 

Montag, 19.02.2018, 17:02 Uhr

Messerstecherei in Warendorfer Unterkunft: „Wollte mich mit Messer schützen“
(Symbolbild) Foto: dpa

Eine Messerstecherei Mitte August vergangenen Jahres in einer Warendorfer Flüchtlingsunterkunft wird seit Montagnachmittag vor der 2. Großen Spruchkammer des Landgerichts Münster juristisch aufgearbeitet. Die Staatsanwältin warf in ihrer Anklage dem tatverdächtigem 26-jährigen Flüchtling aus Casablanca den Versuch, „einen Menschen zu töten, ohne Mörder zu sein“, vor. Der Angeklagte ließ seinen Verteidiger Andreas Tinkl eine Einlassung verlesen, in der er bestritt, sein Opfer verletzen zu wollen.

2015 war der Marokkaner über die Türkei, Griechenland und die Balkan-Route nach Deutschland eingereist. Zunächst wurde er in einer Einrichtung für alleinreisende Flüchtlinge in Bielefeld untergebracht, da der Angeklagte im Asylverfahren verschiedene Geburtsnamen und -daten angab. Über Einrichtungen in Oerlinghausen und Detmold gelangte er schließlich in die Unterkunft nach Warendorf, wo er mit seinem späteren Opfer das Zimmer teilte.

Spannungen zwischen Zimmergenossen

„Wir wurden keine Freunde, kamen von Beginn an nicht gut miteinander klar“, ließ der Marokkaner seinen Anwalt vortragen. Die Spannungen zwischen den beiden Männern eskalierten mit der Zeit. Aus Beleidigungen wurden Tätlichkeiten, wobei der Beschuldigte anführte, dass nur sein Mitbewohner ihn geschlagen hätte. 

Er ist viel stärker als ich.

Der Angeklagte über das Opfer

„Er ist viel stärker als ich“, lautete es in seiner Einklärung. Am Tattag waren sich die beiden Beteiligten in der Stadt an einem Hotspot begegnet, wo sie gelegentlich mit ihren Smartphones ins Internet gingen. An diesem Tag tranken beide Bier und gingen später getrennter Wege.

Im Emspark, so die Staatsanwältin in der Anklageschrift, hätten sie sich wieder getroffen. Dort sei es zu Streitigkeiten und ersten Tätlichkeiten gekommen, so dass die Polizei einschreiten musste.

Später in der Unterkunft habe sein Mitbewohner – der Gleichalterige stammt ebenfalls aus Marokko - ihn erwartet und mit einem Tischbein bedroht. Es gab eine verbale Auseinandersetzung. „Ich habe mich bedroht gefühlt“, zitierte Tinkl seinen Mandanten.

Der Angeklagte habe daraufhin die gemeinsame Unterkunft verlassen und sich in einem anderen Raum ein Messer besorgt. „Ich wollte mich mit dem Messer schützen. Er sollte mich in Ruhe lassen“, hieß es in der Einlassung. Doch der Zimmergenosse habe stattdessen versucht, ihm das Messer wegzunehmen. Um es nicht zu verlieren, habe er zugestochen.

Lebensgefährliche Stichverletzungen

„Wie oft, weiß ich nicht“, so der Vortrag. Laut Anklageschrift hat er mit der 10,5 Zentimeter langen Klinge mindestens 30-mal zugestochen und dabei sogar lebensgefährliche Verletzungen verursacht. Das Opfer sei nur durch eine Notoperation in der Uniklinik Münster gerettet worden.

Nach der Tat habe der Angeklagte eine Bewohnerin gebeten die Polizei zu rufen. Als er später erneut auf sein Opfer traf – das Messer hatte er auf der Anlage weggeworfen –, soll er zwei Mal wuchtig gegen den Kopf seines Opfers getreten haben.

Der Prozess wird am zweiten Verhandlungstag (5. März) am Landgericht unter anderem mit dem Geschädigten im Zeugenstand fortgesetzt.

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