„Gankino Circus“ im TaW
Das Wunder von Dietenhofen

Warendorf -

„Die Letzten ihrer Art“ heißt das Bühnenprogramm, mit dem die Band landauf, landab für Furore sorgt. Dabei sind „Gankino Circus“ mit Sicherheit die Einzigen ihrer Art. Denn was sie ihren Zuhörern boten, rief Staunen und Begeisterung zugleich hervor.

Sonntag, 18.03.2018, 16:03 Uhr

Simon Schorndanner könnte die Klarinette auch im Stehen spielen. Diese Haltung zeigt, wie er, Ralf Wieland (unten) und die Band zu ihrem Namen gekommen sind.
Simon Schorndanner könnte die Klarinette auch im Stehen spielen. Diese Haltung zeigt, wie er, Ralf Wieland (unten) und die Band zu ihrem Namen gekommen sind. Foto: Beate Trautner

„Das ist ja ein richtiger Zirkus, den ihr da veranstaltet“, sagten die Menschen aus dem Fränkischen Ort Dietenhofen einst, als sie Maximilian Eder, Ralf Wieland , Simon Schorndanner und Johannes Sens beim Musizieren hörten. Ihr Faible für den bulgarischen Gankino, einen Volkstanz im 11/16-Takt, erledigte dann den Rest. Die Gruppe „Gankino Circus“ war geboren. Zahllose Konzerte führten Gankino Circus seitdem durch ganz Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, Ungarn, die Ukraine, Bulgarien, Serbien, Kasachstan, Kirgisien und Armenien. 2015 präsentierten sie ihr ungewöhnliches Musikkabarett sogar auf der EXPO in Mailand.

Am Freitagabend gastierten sie nun endlich im voll besetzten Saal des Theater am Wall.

„Die Letzten ihrer Art“ heißt das Bühnenprogramm, mit dem Gankino Circus landauf, landab für Furore sorgen. Dabei sind sie mit Sicherheit die Einzigen ihrer Art. Denn was sie ihren Zuhörern boten, rief Staunen und Begeisterung zugleich hervor. Die vier Künstler begannen ihr Konzert mit einem musikalischen Crescendo und verzauberten ihr Publikum sofort.

Sogar schon bei der Expo aufgetreten

Wer im Vorfeld glaubte, bei Musikkabarett aus Franken handele es sich um Oktoberfestmusik, lag ganz daneben.

Zwar schaffen sie es auch im TaW von Beginn an, Stimmung in den Saal zu bringen, das aber auf höchstem künstlerischen Niveau.

Maximilian Eder (Akkordeon, Bonophon und Gesang), Ralf Wieland (Gitarren und Gesang), Simon Schorndanner (Gesang, Klarinette und Saxofon) und Johannes Sens (Schlagzeug, Trompete und Gesang) spielen ihre Instrumente, als seien sie damit auf die Welt gekommen. Sie vermischen in ihren Kompositionen und Arrangements die verschiedenen musikalischen Genre zu einem homogenen Ganzen. In jazzig oder rockig angehauchte Klangelemente fügen sie die volkstümlichen Klänge, nicht nur aus dem Fränkischen, sondern auch aus anderen Ländern, perfekt ein und schaffen damit ein ganz neues Musikerlebnis.

Das Erlebnis steigert sich noch, sobald sie anfangen, über ihre Jugend und das Leben in Dietenhofen zu erzählen.

Neues Klangerlebnis durch Stilmischungen

Auch hier gibt es für das Publikum keine derben Dorfkalauer und Schenkelklopfer. Wenn man ihnen zuhört, möchte man Dietenhofen sofort einen Besuch abstatten. Obwohl es dort laut ihrer Aussage gar nichts gibt.

Sie erzählen mit einer Portion Selbstironie und voller Respekt – ganz von Mensch zu Mensch. Ob die Geschichten alle stimmen? Keine Ahnung! Aber das ist auch egal.

Es ist einfach schön, ihnen zuzuhören, wenn sie ihre Geschichten über das Dietenhofener Wirtshaus „Zur heiligen Gans“, dessen Wirt, den „Weizen-Charly“, über ihre Mädchenbekanntschaften und andere Dietenhofer erzählen.

Wirtshaus „Zur heiligen Gans“ und „Weizen-Charly“

Heimelig wird es und jeder im Saal bekommt einen Eindruck davon, was Heimat bedeuten kann.

Virtuos und melancholisch, avantgardistisch, unangepasst – aber immer liebevoll und mit Niveau – geben die vier Künstler eine Liebeserklärung an ihre und die Heimat anderer Menschen ab. Hoffentlich sind sie nicht die Letzten ihrer Art. Prädikat: absolut erlebenswert!

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