„Dicker Brocken“ beim Galeriekonzert
Ein atemberaubendes Ereignis

Warendorf -

Beethovens cis-Moll-Quartett op. 131! Ausgerechnet dieses! Reinhold Schoppmann hatte sein Publikum – auch diesmal wieder erfreulich zahlreich vertreten – gewarnt: es sei „ein dicker Brocken“. Ist es auch. Und man fragt sich knapp 200 Jahre nach seiner Uraufführung, wie Beethovens Zeitgenossen wohl darauf reagiert haben. Vermutlich mit völligem Unverständnis. Aber das war dem genialen Meister aus Bonn damals völlig wurscht. Und heute? Beethovens cis-Moll-Solitär bleibt ein Dschungel. Man kämpft und schlägt sich durch, ohne zu wissen, was hinter dem nächsten Gebüsch an Überraschungen lauert. Keine Frage: Beethoven überschreitet alle Grenzen, lässt Konventionen hinter sich. Kompromisslos verfolgt er sein Ziel, zu sagen, was gesagt werden muss. Und das tut auch das Aris-Quartett.

Montag, 19.03.2018, 15:03 Uhr

Das Aris-Quartett, eine der herausragendsten Streicherformationen mit (v.l.) Anna Katharina Wildermuth (Violine), Noémi Zipperling (Violine), Caspar Vinzens (Viola) und Lukas Sieber (Violoncello), gastierte am Sonntag im Warendorfer Sophiensaal.
Das Aris-Quartett, eine der herausragendsten Streicherformationen mit (v.l.) Anna Katharina Wildermuth (Violine), Noémi Zipperling (Violine), Caspar Vinzens (Viola) und Lukas Sieber (Violoncello), gastierte am Sonntag im Warendorfer Sophiensaal. Foto: Andreas Poschmann

Drei Streichquartette dreier Komponisten, die zumindest auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher hätten sein können: mit Haydn, Schumann und Beethoven präsentierte sich am Sonntag das Aris-Quartett bereits zum zweiten Mal in Warendorf. Und es bestätigte sich jener erfreuliche Eindruck, den die vier Streicher schon bei ihrem Debut im Rahmen der Galeriekonzerte vor ziemlich genau vier Jahren hinterließen.

Die beiden Geigerinnen Anna Katharina Wildermuth und Noémi Zipperling, Bratschist Caspar Vinzens und Cellist Lukas Sieber schaffen das Kunststück, ihre individuellen Stimmen zu einem homogenen Ganzen zu amalgamieren. Mit einer Selbstverständlichkeit, die den Zuhörer kaum einmal erahnen lässt, vor welche Herausforderungen Haydn und Schumann ihre Interpreten da eigentlich stellen!

Da sind zum einen die unabdingbaren technischen Fertigkeiten, zum anderen der gemeinsame musikalische Pulsschlag, das synchrone Atmen, wodurch Haydns Opus 55 in f-Moll beispielsweise im Menuett seine Noblesse bekommt. Oder das rasante Finale seinen Schwung und seine überschäumende Vitalität.

Beim Aris-Quartett läuft da alles wie am Schnürchen, jede Phrase, jeder Satz leuchtet in je eigenem Charakter. Mal tänzerisch federnd (Haydn), mal ruhevoll gesanglich (die langsamen Schumann-Sätze). Also eine künstlerisch intensive Auseinandersetzung mit der Musik, ihrem Klang, ihrer Botschaft. Man könnte das als den ganz eigenen, authentischen Zugang dieses Ensembles zum Werk bezeichnen. Mitunter mit durchaus sportlichen Ambitionen, wenn man Schumanns Presto-Finale rekapituliert. War das nicht eine rasende Toccata, ein sich in Windeseile drehendes Perpetuum mobile? Auf jeden Fall ein atemberaubendes Ereignis!

Nach der Pause dann Beethovens cis-Moll-Quartett op. 131! Ausgerechnet dieses! Reinhold Schoppmann hatte sein Publikum – auch diesmal wieder erfreulich zahlreich vertreten – gewarnt: es sei „ein dicker Brocken“. Ist es auch. Und man fragt sich knapp 200 Jahre nach seiner Uraufführung, wie Beethovens Zeitgenossen wohl darauf reagiert haben.

Vermutlich mit völligem Unverständnis. Aber das war dem genialen Meister aus Bonn damals völlig wurscht. Und heute? Beethovens cis-Moll-Solitär bleibt ein Dschungel. Man kämpft und schlägt sich durch, ohne zu wissen, was hinter dem nächsten Gebüsch an Überraschungen lauert. Keine Frage: Beethoven überschreitet alle Grenzen, lässt Konventionen hinter sich. Kompromisslos verfolgt er sein Ziel, zu sagen, was gesagt werden muss. Und das tut auch das Aris-Quartett.

Mit einer schier unerschöpflichen Energie, mit Mut zum Risiko, sowohl auf der Suche nach dem Verstiegenen dieser Partitur als auch nach dem Fragilen wie ganz zu Anfang des Quartetts.

Auch freundliche, gar volkstümlich anmutende Momente kommen zu ihrem Recht. Insgesamt wirkt alles wie seismografische Beobachtungen aus dem Seelenleben des Komponisten. Genau darum geht es. Und genau dies hat das Aris-Quartett exemplarisch umgesetzt.

Nach diesem „Brocken“ noch eine Zugabe? Allenfalls käme ein schlichter Bach-Choral in Frage. Die Künstler entschieden sich für Antonín Dvořák. Auch nicht schlecht. Der Beifall war ihnen sicher!

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