WN-Serie „Sauber“ – heute im Josephs-Hospital
Dauerkampf gegen das Keimniveau

Warendorf -

Michael Peeters hatte vor 37 Jahren als OP-Pfleger angefangen und sich eineinhalb Jahre später weiterqualifiziert. Wenn die heutige Leitende Hygienefachkraft dem in Sachen Desinfektion nur auf Privathaushaltsniveau Informierten von seinem Beruf erzählt, geht es vor allem um Bakterien und Viren. Möglichst wenige davon.

Donnerstag, 17.05.2018, 12:05 Uhr

Im Licht von Michael Peeters Speziallampe wird Keimiges gut sichtbar. Wenn das kein absichtlicher Handabdruck wäre, hätte hier jemand eins bestimmt nicht getan: richtig sauber gemacht.
Im Licht von Michael Peeters Speziallampe wird Keimiges gut sichtbar. Wenn das kein absichtlicher Handabdruck wäre, hätte hier jemand eins bestimmt nicht getan: richtig sauber gemacht. Foto: Jörg Pastoor

Ein feiner, schlieriger Film auf dem Spiegel treibt peniblen Menschen beim Putzen den Schweiß auf die Stirn. Michael Peeters ist extrem penibel. Aber bei ihm erzeugt der Film Lächeln. Das ist kein Widerspruch, sondern für Hygieniker typisch. „Wenn es zu sehr glänzt, weiß ich, dass da nicht gründlich genug desinfiziert wurde.“ Das gehört zum Leichtesten für eine Hygienefachkraft, die, wenn sie diesen Titel mit staatlicher Anerkennung führen möchte, heutzutage beinahe 1000 Stunden Zusatzausbildung durchlaufen muss. Ein sauberes Haus ist das eine, der tägliche Kampf gegen Keime das andere. Der führt so weit, dass es in der Kapelle tatsächlich kein Weihwasser gibt: Darin fühlen sich beispielsweise Erreger von Lungenentzündung wohl . . .

Das bedeutet: putzen. Speziell putzen. „Sprühen bringt nichts“, sagt der 62-Jährige. Eine Reinigung sei immer dann gründlich, wenn die Mischung aus Mechanik und Chemie stimme. Sonst verschwindet kein Fleck aus dem Teppich, sonst kann auch eine eigens dafür geschulte Reinigungskraft im Krankenhaus das Keimniveau nicht niedrig halten.

Das gehorcht im Josephs-Hospital einem klar geregelten Reinigungsplan mit durchdeklinierter Systematik: Der Flur, über den zurzeit wegen des Neubaus die Patienten mit dem Rettungsdienst eingeliefert werden, ist zweimal am Tag für eine Reinigung fällig, bei einem Treppenhaus irgendwo im Haus langt‘s vielleicht zweimal die Woche.

Am schlimmsten mit Erregern belastete Bereiche wie etwa ein Zimmer, das gerade ein Grippekranker oder ein mit dem Noro-Virus Infizierter verlassen hat, werden immer als letzte mit der sogenannten Schlussdesinfektion gereinigt. „Jedes Zimmer hat seinen eigenen Satz Lappen“, erklärt Peeters. Ein Farbsystem regelt, welche Ecken und Flächen dort mit welchem Lappen und welchem Mittel gereinigt wird. Da gibt es keinen Schuss aus der Spüli-Flasche, sondern ein exakt gemischte und dosierte Substanzen, die reinigen und desinfizieren. Mittel verlängern oder verdünnen? Untersagt. Der Wagen mit den Reinigungsmitteln ist ebenfalls farblich unterteilt, so dass es keine Fehlgriffe geben kann.

Die Tücher selbst müssen thermische und chemische Reinigung aushalten, wenn sie nach dem Einsatz im Keller „desinfizierend gewaschen“ werden. In der Spezialmaschine. Auch der Wagen selbst kommt erst richtig sauber wieder zum Einsatz. In besagtem hoch keimbelastetem Raum reinigen die Kräfte nach festgelegten Standards bis in zwei Meter Höhe alles. Jede Fläche. Die übrigens nicht offenporig sein darf. „Rohholz ist zum Beispiel nicht erlaubt“, sagt er, „im Krankenhaus werden Sie höchstens furniertes oder laminiertes Holz finden.“ Das lässt sich desinfizieren. Massivholz nicht.

Schon vorm Bau eines Krankenhauses ist also ein Hygienefachmann mit in der Planung, damit später alles so sauber gehalten werden kann, wie das Menschen mit einem im Regelfall geschwächten Immunsystem brauchen. Wobei: Komplette Keimfreiheit gibt es nicht. Im Grunde ist es Michael Peeters‘ Job, die Erreger dauerhaft so zu dezimieren, dass sie bestimmte Toleranzwerte nicht überschreiten. Das sieht kein Auge – dafür wendet er Nachweisverfahren an, die zuverlässig bewerten helfen, ob‘s sauber genug im Hospital ist.

Nach der Reinigung – ob am Flurboden, der Schrankoberfläche oder in obigem Fall der sogenannten Schluss-Desinfektion eines Patientenzimmers – muss der Hygienefachmann sozusagen von Berufs wegen oberpingelig sein. Fehler sind menschlich, müssen aber schnell gefunden werde. Wenn es im Schwarzlicht-Kegel seiner Taschenlampe noch an einer Stelle bläulich schimmert, weiß er: Da ist nicht gewischt worden. Dann gebe es auch schon mal Klartext. Selbst wenn die Reinigungsfirma eigene Erfolgskontrollen macht, schaut Peeters immer mit hin. Regelmäßig schärfen er, seine Kollegin Ulrike Sock, die Hygienebeauftragten in der Pflege, der speziell für dieses Thema beauftragte Arzt im Haus und ein externer Hygienearzt den Blick für korrektes Reinigen. In einer monatlichen Tagung bespricht sich das Hygieneteam. Dabei kommen auch neue Standards zur Sprache. Bei so viel Organisation und Kontrolle könnte es einen wundern, dass es noch keine Norm für Krankenhausreinigung gibt. „Für Schulen gibt es sie schon“, sagt Michael Peeters, „für uns ist sie gerade in Arbeit.“

Geregelt ist natürlich dennoch vieles. „Die Kollegen in den USA zum Beispiel nutzen noch Chlor. Das ist bei uns in der EU verboten.“

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