Wohnungsbaugenossenschaft investiert 2,5 Millionen Euro
Vom Schandfleck zum Schmuckstück

Warendorf -

Die Wohnungsbaugenossenschaft Warendorf hat das 930 Quadratmeter große Grundstück an der Ecke Oststraße 55/Zuckertimpen von der Elmer-Immobiliengesellschaft gekauft und möchte dem Eckgebäude in der Einfallschneise zur Oststraße nicht nur neues Leben einhauchen, sondern aus dem Schandfleck wieder ein Schmuckstück machen. Dafür nimmt die Wohnungsbaugenossenschaft 2,5 Millionen Euro in die Hand.

Donnerstag, 24.05.2018, 17:08 Uhr

Ansicht Oststraße: Während der vordere Bereich zur Oststraße hin stehenbleibt, wird der hinteren Teil (Zuckertimpen) komplett abgerissen, alte Keller verfüllt. Der vordere Teil wird entkernt und modernisiert. Ins Erdgeschoss soll wieder eine Bäckerei mit Café ziehen.
Ansicht Oststraße: Während der vordere Bereich zur Oststraße hin stehenbleibt, wird der hinteren Teil (Zuckertimpen) komplett abgerissen, alte Keller verfüllt. Der vordere Teil wird entkernt und modernisiert. Ins Erdgeschoss soll wieder eine Bäckerei mit Café ziehen. Foto: Planungsbüro Altefrohne

Lange Jahre stand die Immobilie leer. Sie war kein Aushängeschild für den Eingangsbereich zum Ostviertel. Ein Schandfleck. Das soll sich jetzt ändern. Der Besitzer hat gewechselt. Die Wohnungsbaugenossenschaft Warendorf hat das 930 Quadratmeter große Grundstück an der Ecke Oststraße 55/Zuckertimpen von der Elmer-Immobiliengesellschaft gekauft und möchte dem Eckgebäude in der Einfallschneise zur Oststraße nicht nur neues Leben einhauchen, sondern aus dem Schandfleck wieder ein Schmuckstück machen. Dafür nimmt die Wohnungsbaugenossenschaft 2,5 Millionen Euro in die Hand.

Doch bevor die Bagger anrücken, sind erst einmal die Archäologen des LWL-Münster am Werk. Andreas Wunschel , wissenschaftlicher Referent, und Frank Aaron, der ein Freiwilliges Soziales Jahr in dem Fachgebiet absolviert, sind zwar noch bei der Sachstanderhebung, haben aber bereits eine mittelalterliche Keramikscherbe aus dem 11. oder 12. Jahrhundert gefunden. „Hier schlummern 1200 Jahre Geschichte im Boden.“ Zurückzuführen auf den mittelalterlichen Schultenhof Zumloh, so der Experte. Freigelegt sind zurzeit aber nur Fundamente eines vor 50 Jahren abgerissenen Kuhstalls.

Nach den Plänen des Architekturbüros Altefrohne soll in der früheren Kultgaststätten „Klamotte“, später „Hick-Hack“ und im Keller die Nachtbar „La Grotta“, ein Café mit Wohnungen entstehen. Während der vordere Bereich zur Oststraße hin stehenbleibt, wird der hinteren Teil (Zuckertimpen) komplett abgerissen, alte Keller verfüllt. Der vordere Teil wird entkernt und modernisiert. Ins Erdgeschoss soll wieder eine Bäckerei mit Café ziehen. Überliefert ist, dass in dem Eckgebäude immer ein Gewerbebetrieb war. Auf einem Foto von 1911 ist über der Eingangstür zu lesen: „Bernhard Niemer – Bäcker & Brauer“.

„Der historischen Bäckerei soll ein neues Gesicht gegeben werden“, hieß es auf der gestrigen Pressekonferenz, an der neben den Vorstandsmitgliedern der Wohnungsbaugenossenschaft, Theo Dickgreber und Martin Kleinheinrich, auch der geschäftsführende Vorstand Bernhard Herbermann und Architekt Theo Altefrohne teilnahmen. Sie alle sprachen von einem „Leuchtturmprojekt“, einem „Hingucker“ im Eingangsbereich der Oststraße. Alle Baugenehmigungen liegen vor. Der Altstadtbeirat begrüßt das Bauvorhaben, das sich in die historische Altstadt einfügt. Das äußere Erscheinungsbild des Eckgebäudes wird wieder hergestellt. Die Fassade wird fachgerecht überarbeitet, Fenster und Frontür behalten ihre Außenmaße. Laut Architekt gibt es bereits Interessenten für die Bäckerei im Erdgeschoss. Darüber, im Obergeschoss, entsteht eine Drei-Zimmer-Wohnung (98 Quadratmeter). Insgesamt vier Zwei- bis Dreizimmer-Wohnungen zwischen 70 und 95 Quadratmeter mit Loggia sind in dem Alt- und Neubau geplant und über ein mittiges Treppenhaus zu erreichen. Einen Aufzug gibt es hier nicht, wirtschaftlich nicht vertretbar. Es schließt sich ein versetzter, moderner Gebäudekörper in Putzbauweise an. Auf dem hinteren Teil, der bis heute brachliegenden Freifläche – entsteht ein komplett neues Wohngebäude mit fünf barrierefreien Wohnungen zwischen 54 und 77 Quadratmetern – ebenfalls in Putzbauweise. In dieses Gebäude kommt ein Aufzug. Alle Wohnungen erhalten eine Loggia beziehungsweise einen Balkon. Für jede Wohnung gibt es zudem einen Pkw-Stellplatz, also neun Plätze.

Die Nachbarn wurden bereits am Mittwoch auf einer kleinen Informationsveranstaltung von der Wohnungsbaugenossenschaft über die Pläne informiert. Vor allem der zeitliche Ablauf war von großem Interesse. Auch Parkplatzsorgen kamen auf den Tisch. Die Sorge, dass die Nachbargebäude wackeln könnten, wenn es zur Gründung eines Kellers kommt, konnte den Anliegern schnell genommen werden. Es wird keine Keller geben, stattdessen Abstell- und Wasch- und Trockenräume unter dem Dach. Wenn alles nach Plan läuft, sind die Wohnungen Ende 2019/Anfang 2020 fertig. Die Anlieger müssen während der Bauzeit mit Einschränkungen leben. Zu Mietpreisen wollte der geschäftsführende Vorstand gestern noch nichts sagen. Nur so viel: „Sozialer Wohnungsbau lässt sich hier wirtschaftlich nicht darstellen.“

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