Textiler Stadtrundgang
Linnen aus Warendorf in Europa begehrt

WARENDORF -

Auf einen Spaziergang durch die Weberei- und Textilgeschichte der Stadt Warendorf nahm die Heimatvereinsvorsitzende Mechtild Wolff am Sonntag zahlreiche Interessierte mit.

Sonntag, 03.06.2018, 18:00 Uhr

In diesem Gebäude in der Kirchstraße richteten Hermann Josef Brinkhaus und Eduard Wiemann mit Unterstützung der Stadt 1855 eine eigene Webschule ein, um die Leineweber mit der Baumwollweberei vertraut zu machen.
In diesem Gebäude in der Kirchstraße richteten Hermann Josef Brinkhaus und Eduard Wiemann mit Unterstützung der Stadt 1855 eine eigene Webschule ein, um die Leineweber mit der Baumwollweberei vertraut zu machen. Foto: Stephan Ohlmeier

„Warendorf kann auf eine lange und erfolgreiche Weberei- und Textilgeschichte zurückblicken“, sagte Mechtild Wolff am Sonntagmorgen: „Es gab Zeiten, da klapperte in fast jedem Haus ein Handwebstuhl und war das feine Warendorfer Linnen in ganz Europa begehrt.“ Mit rund 20 Interessierten begab sich die Vorsitzende des Heimatvereins auf Spurensuche.

Von der Stadtbücherei aus führte der Weg in die von Gademen geprägte Kurze Kesselstraße. „1662 gab es 400 Gademe in Warendorf.“ In vielen dieser Kleine-Leute-Häusern habe ein Webstuhl gestanden, der den Familien geholfen habe, ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Entlang denkmalgeschützter Gebäude ging es weiter zum Haus der Familie „Anton Eickholt und Erben“, das sich gegenüber der Stadtverwaltung befindet. 1838 sei dort eine Faktorei, ein Vorläufer einer Fabrik, mit 35 Handwebstühlen eingerichtet worden, wo feinstes Leinwand und Damast gewebt worden sei.

„Der konventionelle Leinwandhandel geriet nach der Erfindung des mechanischen Webstuhls in England zunehmend ins Stocken“, verriet Mechtild Wolff: „Die Firma hatte erkannt, nur mit hoher Qualität überleben zu können.“ Doch auch wenn die Produkte sogar Absatz im englischen und deutschen Königshaus gefunden hätten, habe sich die Firma nur bis zum Jahre 1880 am Markt behaupten können.

Weiter führte der Stadtrundgang zur Oststraße, „wo sich sehr viele repräsentative Gebäude befinden, die zu einem ländlichen Städtchen wie Warendorf nicht passen“. Diese Häuser seien im 18. Jahrhundert von Verlegern, die mit Leinen handelten, erbaut worden. „Die Verleger waren keine beliebten Leute und bezahlten die Weber nach Metern und Qualität“, sagte Mechtild Wolff: „Allerdings brachten sie viel Geld in die Stadt.“

Darüber hinaus erfuhren die Interessierten am Sonntagmorgen viel über die Geschichte der Firma Brinkhaus. Hermann Josef Brinkhaus heiratete 1844 eine Enkelin von Hofrat Katzenberger und gründete wenig später mit Eduard Wiemann eine Faktorei.

„1861 haben die beiden eine Faktorei mit mechanischen Baumwollwebstühlen, eigener Färberei und Appreturanstalt aufgebaut“, so Wolff: „Endlich waren die Jahre des Niedergangs in Warendorf vorbei.“

1879 habe sich das Duo jedoch getrennt und eigene Wege beschritten. So habe Brinkhaus auf der Emsinsel eine neue Fabrik errichtet und sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf die Inlett-Produktion spezialisiert: „In den Wirtschaftswunderjahren war die Firma Brinkhaus mit über 1000 Mitarbeitern einer der bedeutendsten Inlett- und Bettenhersteller weltweit.“

Die Insolvenz im Jahre 2011 bilde zugleich das Ende der Warendorfer Textilgeschichte.

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