Besuch im Hortus patria carentium
Das große Krabbeln

Hoetmar -

Einen Garten der Heimatlosen, eine Insel für Insekten, ein Paradies für Singvögel hat Matthias Wojtusch vor den Toren Hoetmars geschaffen.

Freitag, 08.06.2018, 23:00 Uhr

Seit seiner Kindheit hat sich Matthias Wojtusch für Singvögel interessiert. Um etwas gegen das Insektensterben zu tun – und damit auch die Nahrung der Singvögel zu sichern – hat er seinen „Hortus patria carentium“, den „Garten der Heimatlosen“, geschaffen.
Seit seiner Kindheit hat sich Matthias Wojtusch für Singvögel interessiert. Um etwas gegen das Insektensterben zu tun – und damit auch die Nahrung der Singvögel zu sichern – hat er seinen „Hortus patria carentium“, den „Garten der Heimatlosen“, geschaffen.

Das Paradies liegt, etwas verwunschen, hinter dichten Hecken, vor den Toren Hoetmars. Es ist wild, es ist üppig, es ist bunt. Und garantiert nichts für Freunde aufgeräumter, steriler Gärten. Als der Telgter Matthias Wojtusch vor acht Jahren den alten Resthof in der Hoetmarer Dorfbauerschaft kaufte, bestach ihn vor allem das 10 000 Quadratmeter große Grundstück, auf dem der Vorbesitzer Esel hielt. „Das war alles Wiese und ziemlich verwildert“, erzählt Wojtusch. Beste Voraussetzungen, um genau hier einen „Hortus patria carentium“, einen „Garten der Heimatlosen“, anzulegen. Einen Zufluchtsort für Insekten. Und ein Refugium für Singvögel, für die sich der 42-jährige Wojtusch seit seiner Kindheit interessiert.

Insektengarten Wojtusch

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  • Einen prächtigen Insektengarten hat Matthias Wojtusch in Hoetmar geschaffen. Foto: Matthias Wojtusch
  • Einen prächtigen Insektengarten hat Matthias Wojtusch in Hoetmar geschaffen. Foto: Matthias Wojtusch
  • Einen prächtigen Insektengarten hat Matthias Wojtusch in Hoetmar geschaffen. Foto: Matthias Wojtusch
  • Einen prächtigen Insektengarten hat Matthias Wojtusch in Hoetmar geschaffen. Foto: Matthias Wojtusch
  • Einen prächtigen Insektengarten hat Matthias Wojtusch in Hoetmar geschaffen. Foto: Matthias Wojtusch
  • Einen prächtigen Insektengarten hat Matthias Wojtusch in Hoetmar geschaffen. Foto: Matthias Wojtusch
  • Einen prächtigen Insektengarten hat Matthias Wojtusch in Hoetmar geschaffen. Foto: Matthias Wojtusch
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  • Einen prächtigen Insektengarten hat Matthias Wojtusch in Hoetmar geschaffen. Foto: Matthias Wojtusch
  • Einen prächtigen Insektengarten hat Matthias Wojtusch in Hoetmar geschaffen. Foto: Matthias Wojtusch
  • Einen prächtigen Insektengarten hat Matthias Wojtusch in Hoetmar geschaffen. Foto: Matthias Wojtusch
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  • Einen prächtigen Insektengarten hat Matthias Wojtusch in Hoetmar geschaffen. Foto: Matthias Wojtusch
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  • Einen prächtigen Insektengarten hat Matthias Wojtusch in Hoetmar geschaffen. Foto: Matthias Wojtusch
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  • Einen prächtigen Insektengarten hat Matthias Wojtusch in Hoetmar geschaffen. Foto: Matthias Wojtusch
  • Einen prächtigen Insektengarten hat Matthias Wojtusch in Hoetmar geschaffen. Foto: Matthias Wojtusch
  • Einen prächtigen Insektengarten hat Matthias Wojtusch in Hoetmar geschaffen. Foto: Matthias Wojtusch
  • Einen prächtigen Insektengarten hat Matthias Wojtusch in Hoetmar geschaffen. Foto: Matthias Wojtusch
  • Einen prächtigen Insektengarten hat Matthias Wojtusch in Hoetmar geschaffen. Foto: Matthias Wojtusch
  • Einen prächtigen Insektengarten hat Matthias Wojtusch in Hoetmar geschaffen. Foto: Matthias Wojtusch
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  • Einen prächtigen Insektengarten hat Matthias Wojtusch in Hoetmar geschaffen. Foto: Matthias Wojtusch
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  • Einen prächtigen Insektengarten hat Matthias Wojtusch in Hoetmar geschaffen. Foto: Matthias Wojtusch
  • Einen prächtigen Insektengarten hat Matthias Wojtusch in Hoetmar geschaffen. Foto: Matthias Wojtusch
  • Einen prächtigen Insektengarten hat Matthias Wojtusch in Hoetmar geschaffen. Foto: Matthias Wojtusch

Während andere den dramatischen Insekten-Rückgang, den das Bundesamt für Naturschutz in dieser Woche offiziell bestätigt hat, offenbar erst jetzt bewusst wahrzunehmen scheinen und zu allerlei Rettungsaktionen für Honigbiene und Co. blasen, ist dem gelernten Landschaftsgärtner Wojtusch schon vor Jahren aufgefallen, dass die Nahrungsgrundlage der Vögel zu verschwinden droht. Und so schickte er sich an, inmitten der Agrarlandschaft eine „Insel für Insekten“ zu schaffen. Nicht für Honigbienen, die als Nutztiere in menschlicher Obhut nicht gefährdet sind, sondern für die (Nutz-)Pflanzen bestäubenden Wildbienen, zu denen auch Hummeln gehören und von denen es knapp 600 Arten gibt.

Bienenhotels seien zwar super, findet Wojtusch, allerdings sei es nicht damit getan, diese irgendwo aufzuhängen. Auch die übrige Infrastruktur müsse stimmen: „Stellen Sie sich vor, Sie bauen ein tolles großes Haus, aber der Kühlschrank ist leer.“ Dass es heute in Wojtuschs Insektengarten brummt, summt und krabbelt, liegt vor allem an einem reich gedeckten Tisch. Hummelschwebfliegen, Blattschneiderbienen, Schornsteinwespe, Woll-, Pelz- und Maskenbienen, Hornissen, Bock- und Pinselkäfer, viele Schmetterlingsarten – darunter Distelfalter, Tagpfauenauge, Admiral und Weißling-Arten sowie Schwalbenschwanz (eine echte Kostbarkeit) – finden in dem Drei-Zonen-Garten ein üppiges Nahrungsangebot.

Die aus Kraut, Sträuchern und Bäumen bestehende Hecke, in der sich Singvögel wohlfühlen, dient als Pufferzone und grenzt das Grundstück von den umliegenden landwirtschaftlich genutzten Flächen ab. Herzstück des Gartens ist die Hot-Spot-Zone, die Wojtusch, der sich vor 18 Jahren in Münster mit einem Betrieb für Haus- und Gartenpflege selbstständig gemacht hat, mit Hilfe schweren Gerätes gestaltet hat. Es galt den fetten Hoetmarer Boden abzumagern. Um sich zu informieren, wie man das anstellt, recherchierte der 42-Jährige im Internet, stieß auf das Hortus-Netzwerk (siehe Themenkasten) und hilfreiche Tipps. Inzwischen ist Matthias Wojtusch selbst Hortus-Netz-Ansprechpartner für den Postleitzahlen-Bereich 4.

Der Hot-Spot-Bereich ist eine echte Wärme-Insel. Auf Sand und Schotter ist eine prächtige, Blumenwiese entstanden. Hier wachsen unter anderem Schnittlauch, Echter Lein, Ochsenauge, Alant, Gemeiner Natternkopf, Wolfsmilch, Glockenblumen, Karthäusernelken, Mazedonische Wiesenwitwenblumen, Aufrechter Ziest, Kuhschelle, Nachtkerze, Mohn und Malven, die auf Wildbienen, Käfer und Schmetterlinge eine unwiderstehliche Anziehungskraft auszuüben scheinen. Damit sich die Blumenpracht ungehindert ausbreiten kann und nicht von störenden Gräsern verdrängt wird, hat Wojtusch sanft eingegriffen und Klappertopf ausgesät. Der Halbschmarotzer entzieht den Gräsern die Nahrung und lässt sie verkümmern.

Totholz – stehend oder gestapelt – dient solitären Wildbienen und Wespen, die Gänge ins Holz nagen, als Kinderstube.

In einem schattigen Teil des Gartens, in dem ein Kirschbaum dicke rote Früchte trägt, dürfen Giersch, süßlich duftender Fenchel und das Berufskraut mit seinen zarten weißen Blüten wuchern. Ein Fleckchen, das auch Rehen und Hasen gut zu gefallen scheint, die sich hier von Zeit zu Zeit Gute Nacht sagen. Kleine fischfreie Gewässer – in der Sonne wie auch im Schatten gelegen – dienen als Tränke und Lebensraum von Käfern, Molchen und Wasserfröschen. Sogar Laubfrösche hat Matthias Wojtusch hier schon gesichtet.

Die dritte Zone des Gartens, ist die Ertragszone, in der dank der Bestäubungsleistung der Wildbienen Gemüse und Obst wachsen, darunter Pflaumen und Mirabellen. Damit auch die Frühjahrsbienen Nektar und Pollen finden, hat Matthias Wojtusch im gesamten Garten insgesamt 30 000 Blumenzwiebeln (Wildtulpen, Krokusse, Hyazinthen) gesetzt. Ganz fertig sei sein Insektengarten noch nicht, erzählt er mit Blick auf die Sumpfzone, in der bald der Blutweiderich blühen wird. „Aber zum 80. Geburtstag meines Vaters 2024 möchte ich fertig sein.“

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