Integrationsgarten in Hoetmar
Austausch von Gemüse und Kultur

Hoetmar -

Vor drei Jahren ist in Hoetmar an der Sendenhorster Straße ein „Integrationsgarten“ entstanden, konzipiert für Menschen mit Fluchterfahrung und Hoetmarer. Am 24. Juni wird es dort einen Tag der offenen Tür geben. Die WN haben sich schon einmal im Kleingarten umgesehen.

Freitag, 15.06.2018, 23:00 Uhr

Freuen sich auf den Tag der offenen Tür im Integrationsgarten (v. l.): Muzhgan Zaka, Atefa Sultani, Adelheid Vollmann, Reimund Weiler (beide Mitglied im Arbeitskreis Integration und begeisterte Gärtner) sowie Nourhan Elsawalki.
Freuen sich auf den Tag der offenen Tür im Integrationsgarten (v. l.): Muzhgan Zaka, Atefa Sultani, Adelheid Vollmann, Reimund Weiler (beide Mitglied im Arbeitskreis Integration und begeisterte Gärtner) sowie Nourhan Elsawalki. Foto: Joke Brocker

Miteinander arbeiten, voneinander lernen, Genießen und Spaß haben – auf diesen kurzen Nenner lässt sich der Zweck des Integrationsgartens bringen, der vor drei Jahren in der Kleingartenanlage an der Sendenhorster Straße entstanden ist. Die Idee hatten Adelheid und Reiner Vollmann, die in der Anlage seit vielen Jahren einen eigenen Schrebergarten betreiben und hier sogar ein paar Hühner halten, als der Nachbargarten frei wurde. Für die Asylbewerber sei so ein Garten „eine gute Möglichkeit, mal aus den Häusern zu kommen“, fand Adelheid Vollmann vom Arbeitskreis Integration.

Bei ihren Mitstreitern vom Arbeitskreis lief sie mit ihrer Idee vom „Begegnungsraum für Menschen mit Fluchterfahrung und Hoetmarer“ offene Türen ein. „Wir waren begeistert“, erzählt Reimund Weiler . Auch der Eigentümer der Flächen, Graf Westerholt, habe das Projekt von Anfang an unterstützt und die große Parzelle für zunächst drei Jahre pachtfrei zur Verfügung gestellt. Die Verhandlungen waren kaum abgeschlossen, da machten sich die Akteure im Frühling 2015 auch schon ans Werk. Es gab viel zu tun, denn der vorherige Pächter der Parzelle hatte mit Gartenarbeit ganz offensichtlich nicht viel am Hut gehabt und das Grundstück als „Müllplatz“ genutzt. „Die Steine da“, deutet Reimund Weiler auf einen Berg von Ziegeln, „haben wir alle ausgegraben.“

Inzwischen grünt und blüht es prächtig in der Kleingarten-Parzelle. Dafür sorgen drei Hoetmarer Familien, eine Familie aus Litauen sowie je eine Familie aus Afghanistan, Bangladesch und Syrien, alle übrigens mit Bleibeperspektive, wie Adelheid Vollmann betont. Neben einem Gemeinschaftsbeet, das alle versorgen, hat jede Partei ihre eigenen Beete, in denen Kräuter wie zum Beispiel Koriander, Gurken, Tomaten, Zucchini, Kartoffeln, Möhren, Paprika, Erdbeeren, Zwiebeln, Erbsen, Mangold, Spinat, Bohnen, Porree, allerlei Beeren und sogar Wasser-und Honigmelonen wachsen.

„Wir haben auch Sonnenblumen, eine blüht schon“, erzählt Atefa Sultani und strahlt. Die junge Frau, die ursprünglich aus Afghanistan stammt, freut sich nicht nur über den Farbtupfer in ihrem Garten, sondern auch auf die am Ende des Sommers bevorstehende Ernte der leckeren Sonnenblumenkerne.

Manchmal können selbst langjährige deutsche Hobbygärtner wie Adelheid Vollmann im Integrationsgarten noch etwas lernen. Zum Beispiel, wie man Platz sparende Rankhilfen für Gurken baut. „Wirklich nachahmenswert“, findet Adelheid Vollmann die Konstruktion.

Die Gärtner sind immer im Gespräch, tauschen Gemüse und Pflanzen, beschneiden gemeinsam die Hecken, verabreden, wer diesmal dran ist mit dem Rasenschneiden und geben sich auch Küchentipps. So haben Adelheid Vollmann und Reimund Weiler erfahren, dass es in Ländern wie Afghanistan oder Litauen durchaus üblich ist, Zwiebelkraut an frisch zubereiteten Spinat zu geben. Und natürlich nehmen sich alle Kleingärtner die Zeit, nach getaner Arbeit bei Kaffee und Kuchen oder am Grill beisammen zu sitzen, zu erzählen. Dabei werden Einladungen (wie die zur Teilnahme am Zuckerfest, das die Muslime mit Ende des Ramadan an diesem Wochenende feiern) ausgesprochen und Arbeitseinsätze abgestimmt. Wie der zum Bau eines Spielhauses für die zehn Kinder, die ihre Eltern regelmäßig in den Garten begleiten und hier ganz nebenbei lernen, dass es auch in Gärten Regeln gibt, die einzuhalten sind. „Es ist ein tolles Miteinander und es macht Spaß“, findet Reimund Weiler. „Es ist schön, etwas, das man mit den eigenen Händen gepflanzt hat, essen zu können“, ergänzt Atefa Sultani, „zwei bis drei Reihen Spinat haben wir schon aufgegessen.“ Nourhan Elsawalki, die sich in einem Sprachkursus für ihre im August beginnende Ausbildung bei einem Warendorfer Augenarzt intensiv vorbereitet, kann bei der Gartenarbeit einerseits entspannen, andererseits aber auch ihre Deutsch-Kenntnisse vertiefen. Denn, so die klare Ansage von Adelheid Vollmann: „Im Garten wird Deutsch gesprochen.“

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