Rissige Fassade ist wieder stabil
Nach Schönheitskur fit für Jahrzehnte

Warendorf -

Seine ältesten Bestandteile im Bereich der Kapelle haben 1200 Jahre auf der Fassade. Der Marienkirchturm besteht zudem aus verschiedenen Steinarten, von denen einige stark beschädigt waren. Nach acht Monaten Sanierung ist jetzt alles wieder in Ordnung. Bald verschwindet das Gerüst.

Samstag, 07.07.2018, 06:30 Uhr

Architekt Carl Altefrohne an der Außenseite des Marienkirchturms. Um die 60 Tonnen Material sind insgesamt verbaut worden.
Architekt Carl Altefrohne an der Außenseite des Marienkirchturms. Um die 60 Tonnen Material sind insgesamt verbaut worden. Foto: Jörg Pastoor

Der Marienkirchturm ist fertig – bis auf Restarbeiten. Acht Monate nach dem Beginn der Fassadenüberholung wird das Baudenkmal wohl kommende Woche sein Gerüst los. Obwohl es sich um ein im frühesten Teil über 800 Jahre altes Haus handelt, gab neben dem bekannten Schadensbericht kaum Überraschungen. Die größte wird vor allem Generalvikariat und Pfarrei St. Laurentius freuen: „Wir werden unter dem Budget bleiben“, sagen Carl Altefrohne und Manfred Fohgrub. Architekt Altefrohne übergibt der Gemeinde jetzt einen sicheren Turm, von dem keine Steinbrocken mehr fallen. Außerdem bekommt das Wahrzeichen unter anderem ein neues Holzkreuz, das Ziffernblatt der Uhr ist überarbeitet, und die Kapelle bekommt eine gründliche Reinigung.

Wir werden unter dem Budget bleiben.

Carl Altefrohne und Manfred Fohgrub

Bevor die Handwerker sich vom Gerüst aus an die Arbeit machten, hatte Carl Altefrohne erst einmal Hand angelegt. Buchstäblich: „Wir sind die gesamte Fassade abgegangen.“ Klopftests – nicht nur an den besonders verwitterten Kalksteinbändern an Süd- und Westseite – machen das Bild kompletter, wie tief die Risse ins Gestein reichten.

Abgesehen von der Ablesbarkeit der Bauphasen – unten noch mittelalterlich, weiter nach oben bis ins 19. Jahrhundert – ist so ein Bauwerk für den Experten grundsätzlich spannend. „Manche Stellen zeigen, dass man eingebaut hat, was gerade da war“, sagt Altefrohne. Aber das sei halt so gewesen und muss auch aus Sicht des Denkmalschutzes so bleiben. Die Backsteinfelder etwa, die optisch im Verbund der Kalksteine stören mögen, sind halt ebenfalls Bestandteil des Denkmals. Apropos: Die Zusammenarbeit mit Unterer Denkmalbehörde der Stadt und Landschaftsverband sei nicht nur konstruktiv gewesen, sie habe sogar sehr gut geklappt. Das sei bei einem solchen Vorhaben enorm wichtig, „jedoch leider nicht selbstverständlich.“

Gute Zusammenarbeit mit Behörden

Nach dem Befund wusste der Architekt, was zu tun ist. Loses klopften die Arbeiter gleich quadratmeterweise ab, bröselige Fugen erhielten neuen Mörtel. Mal gab es oberflächliche Abplatzungen am Stein, mal mussten ganze Blöcke ersetzt werden. Schuhkartongroße Steine am Gesims des Glockenstuhls saßen nur noch lose in ihrer Einfassung. Außer neuem Mörtel gab es hier Edelstahlanker, die sie fest mit dem Mauerwerk verbinden. Die Trägerkonstruktion des Zifferblatts? Marode. „Die ist jetzt aus Edelstahl, und die Nieten ebenfalls“, so Carl Altefrohne. Damit die Nieten nicht glänzen, sind sie dunkel lackiert. So wie die Edelstahl-Gitternetze vor den Fensterlaibungen und Schallluken. Da nistet jetzt keine Taube oder Dohle mehr. Deren Nester und eimerweise Kot gehören jetzt der Vergangenheit an. An Fassadenkanten sind Dornenbänder installiert, die die Vögel vom Landen abhalten.

Manche Stellen zeigen, dass man eingebaut hat, was gerade da war.

Carl Altefrohne

Die Bretter in den Schallluken waren Zeit und Wetter zum Opfer gefallen. Jetzt trägt robuste Eiche die ebenfalls dunkel gehaltenen Zinkbleche. Bei solchen Sanierungen kommt es auch darauf an, optisch behutsam einzugreifen, um das Gesamtbild nicht zu stören.

Der Marienkirchturm ist saniert

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  • Eins der ältesten Gebäude Warendorfs wieder sicher. Foto: Jörg Pastoor
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  • Eins der ältesten Gebäude Warendorfs wieder sicher. Foto: Jörg Pastoor

Sicher gab es zwischendurch auch Zwangspausen, wenn es zu frostig war. Auch zu hohe Temperaturen sind nichts. „Der Mörtel kann dann aufbrennen“, erklärt der Experte. Deshalb habe man durchaus auch mal feuchte Jutetücher aufs Mauerwerk gehängt.

Feuchte Jute zum Schutz gegen die Hitze

Dass die Baumaßnahme jetzt erledigt ist, hat nicht jeder Passant mitbekommen können. Das Gerüst steht ja noch. „Aber nur, weil die Firma zurzeit keine Leute hat, um es abzubauen“, sagen Altefrohne und Fohgrub mit einem Lächeln. Was soll‘s: Es wird nicht extra berechnet.

Das Holzkreuz hat eine Tischlerei in Füchtorf nach dem Original neu hergestellt, das es hinter sich hatte. Der Zweiteiler ist sechs Meter hoch und kommt bald an die Haken in der Turmwand.

In der Gesamtkalkulation enthalten – geschätzt waren damals laut Bau- und Finanzausschussvorsitzendem Manfred Fohgrub 547 000 Euro – sind auch vier neue Klöppel für das Geläut des Turms. „Klöppel nutzen sich irgendwann ab, das wirkt sich auf den Klang aus“, so Carl Altefrohne. Sie sind ein Auftrag für einen der wenigen Betriebe, die so etwas heute noch herstellen. In Süddeutschland. Wenn man sich schon mit dem Glockenstuhl beschäftigt, dann lässt die Gemeinde das noch aus Stahl bestehende Joch gegen eins aus Holz ersetzen.

Vier neuen Klöppel müssen her

Oben auf dem Dach war technisch so weit alles recht gut in Schuss. Abgesehen von einigen Wandanschlüssen, die teils unfachgerecht noch mit Silikon abgedichtet waren. Da ist jetzt mit Blei nachgearbeitet worden. Und die vier Ecktürmchen, die bislang noch keinen Blitzschutz hatten, sind jetzt angeschlossen.

Die Kapelle ganz unten? Im Moment ist sie baustellenbedingt durchaus auch Lagerraum. An der linken Wand lehnt eine halbrunde, gebogene Form. Das ist der Deckel für die Marienfigur an der Südseite. An einer Stelle sieht man schon das Ergebnis eines Reinigungsversuchs. Die Wand ist dort viel heller, der Rest vom Staub der Jahrzehnte wie von einer dünnen Rußschicht überzogen.

So eine Baustelle ist übrigens auch für einen öfter mit Denkmälern beschäftigten Fachmann wie Altefrohne etwas Besonderes. Nicht nur wegen des Blicks über die Altstadt (Altefrohne lächelnd: „Ist die nicht wunderschön?“), sondern auch wegen ihrer Seltenheit. „Den Handwerkern hat das auch Spaß gemacht“, erzählt er. Es sei eben kein Job wie jeder andere gewesen.

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