Baudenkmal an der Freckenhorster Straße
Auch der Landrat wollte den Turm

Warendorf -

Kurz vor der Gesellschafterversammlung der Stadtwerke landete überraschende Post auf dem Tisch von Geschäftsführer Urs Reitis. Der Landrat unterbreitete ein Kaufangebot für den alten Wasserturm. Allerdings gab es schon weit gediehene Verhandlungen mit einem Privatmann...

Freitag, 13.07.2018, 05:00 Uhr

Oben in die Spitze des prägnanten Baus will der künftige Besitzer seine Wohnung einbauen.
Oben in die Spitze des prägnanten Baus will der künftige Besitzer seine Wohnung einbauen. Foto: Jörg Pastoor

Was denn jetzt: Extravagantes Wohn- und Geschäftshaus in Privatbesitz? Oder Kreis-Immobilie am südlichen Eingangstor der Stadt mit schön gemachtem Beton-Denkmal? Denn diese überraschende Entwicklung hatte es kurz vor der Entscheidung über den alten Wasserturm an der Freckenhorster Straße noch gegeben, wie die WN erfuhren.

Nun: Der Landrat bekommt die Landmarke nicht – obwohl er sein früheres Angebot zur Aufhübschung des Grundstücks noch auf ein Kaufangebot ausgeweitet hatte. Doch die Stadtwerke-Gesellschafterversammlung hat anders entschieden.

Schon vor zwei Jahren Angebot zur Grünpflege

Aber zurück zu Mitte Mai. Da hatten die WN berichtet, dass es nach langer Pause ein sehr konkretes Interesse an dem Turm gibt – und eben nicht nur am reinen Grundstück wie mehrfach zuvor. Der Privatmann, nach Informationen unserer Zeitung aus einem Warendorfer Stadtteil, will im unteren Bereich des 1934 in Betrieb genommenen Gebäudes eine Physiotherapiepraxis einrichten, die sich über zwei Stockwerke zieht. In dem in 17 Meter Höhe beginnenden Tanksektor plant er zudem eine Privatwohnung,

Alle bisherigen Gespräche mit den zuständigen Behörden, hatte Stadtwerkechef Urs Reitis beim WN-Vorort-Termin berichtet, seien durchweg positiv verlaufen. Der Vertragsabschluss könne wohl noch im Sommer etwas werden.

Pläne für Praxis und Privatwohnung

Das war im Mai. Dann – genauer mit Datum vom 25. Juni – kam das Angebot des direkten Nachbarn Dr. Olaf Gericke auf den Tisch. Es war am Dienstagabend natürlich Thema in der turnusmäßigen Gesellschafterversammlung. Die ist nichtöffentlich, und Grundstücksgeschäfte sind das ebenfalls.

Gericke hatte nach dem WN-Bericht über die schon recht weit gediehenen Verhandlungen mit besagtem Interessenten sein Angebot an die Stadtwerke-Geschäftsführung gesandt. Darin bietet er dem Energieversorger den Kauf von Fläche und Turm samt dessen Sanierung an – die Stadtwerke selbst sollten sich maximal in Höhe des Kaufpreises an den Restaurierungskosten beteiligen. Ein Nullsummenspiel also. Mehr noch: Zudem hatte Gericke eine Klausel eingebaut, die im Fall weiterer Bauten auf dem Grundstück durch den Kreis eine zusätzliche Zahlung an die Stadtwerke regelt. Eventuellen Schadenersatz für den dann leer ausgehenden privaten Bewerber hätten die Stadtwerke von der Eigenleistung bei der Turmreparatur abziehen können.

Dem neuen Nachbarn wünschen wir (...) viel Erfolg.

Landrat Dr. Olaf Gericke

Fest steht: Gericke kriegt den Turm nicht. „Es ist schade, dass unser Angebot nicht zum Tragen gekommen ist. Aber wir nehmen das sportlich – aus Grundstücksverhandlungen kann man nun einmal nicht immer als Sieger hervorgehen“, sagt der Landrat auf Anfrage unserer Redaktion. „Dem neuen Nachbarn wünschen wir – gerade auch als Obere Denkmalbehörde – viel Erfolg bei der denkmalgerechten Sanierung und Nutzung des Wasserturms.“

Das wird nun nicht nötig sein. Olaf Gericke bleibt gelassen: „Wir verbinden damit die Hoffnung, dass das Grundstück nicht verwildert bleibt, sondern ordentlich hergerichtet wird. Denn die Aufwertung des Areals, das optisch dem Kreishausgelände zugerechnet wird, war ein Grund unseres Interesses.“

Landrat hofft auf Verschönerung des Gesamtbildes

Deshalb hatte der Kreis dem Vernehmen nach vor zwei Jahren schon angeboten, das Grün auf dem Areal unterm Turm zu pflegen, damit der Bereich nicht so ungepflegt aussieht.

Zum aktuellen Stand gibt es bis zum endgültigen Vertragsabschluss keinen Kommentar über die jüngste Entwicklung, hieß es auf Anfrage bei den Stadtwerken von deren Sprecherin Alice Kaufmann.

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