Personalnot im Bauamt: Da war es nur noch ein Prüfingenieur
Nächste Kündigung trifft Stadtplanung

Warendorf -

SPD-Fraktionsvorsitzende Andre Kleene-Erke traute in der Ratssitzung ihren Ohren kaum: „Wir stecken in einem großen Dilemma, das Bauamt kann keine Baugenehmigungen mehr erteilen.“ Und sie warf dem Bürgermeister vor, die Situation nicht rechtzeitig erkannt und zu spät reagiert zu haben: „Herr Linke, Sie müssen dafür sorgen, dass das Bauamt schnellstmöglich wieder handlungsfähig wird. Das ist Ihre Aufgabe.“

Freitag, 13.07.2018, 17:22 Uhr

Die Personalnot im Bauamt wird größer: Wieder hat ein Prüfingenieur, der sich in der Probezeit befand, bei der Stadt Warendorf gekündigt.
Die Personalnot im Bauamt wird größer: Wieder hat ein Prüfingenieur, der sich in der Probezeit befand, bei der Stadt Warendorf gekündigt. Foto: Joachim Edler

Die Hiobsbotschaft überbrachte Baudirektor Peter Pesch am Donnerstagabend im Rat: Da war es nur noch einer. Von den zwei im Bauamt der Stadt verbliebenen Prüfingenieuren hat einer, der sich in Probezeit befand, gekündigt. Wie berichtet, sollten die beiden Mitarbeiter den Kreis Warendorf unterstützen, der aufgrund der Personalnot im städtischen Bauamt bis zum 31. Januar 2019 die Bauaufsicht für die Stadt übernimmt. Die Personalnot im Bauamt wird größer. Das habe jetzt auch Auswirkungen auf die Stadtplanung, sagte Pesch: „Stadtplaner müssen jetzt diese Aufgaben der Bauaufsicht erledigen.“

SPD-Fraktionsvorsitzende Andre Kleene-Erke traute ihren Ohren kaum: „Wir stecken in einem großen Dilemma, das Bauamt kann keine Baugenehmigungen mehr erteilen.“ Und sie warf dem Bürgermeister vor, die Situation nicht rechtzeitig erkannt und zu spät reagiert zu haben: „Herr Linke, Sie müssen dafür sorgen, dass das Bauamt schnellstmöglich wieder handlungsfähig wird. Das ist Ihre Aufgabe.“

Hatten die Kommunalpolitiker bereits im Hauptausschuss zum Wort-Scharmützel angesetzt und dem Bürgermeister die Schuld für die Personalnot im Bauamt der Stadt zugewiesen, verlief es gestern im Rat nicht anders. Keineswegs kommentarlos nahmen Vertreter aller Fraktionen zur Kenntnis, dass der Kreis jetzt die Bauaufsicht übernehmen soll – am Ende bleib ihnen jedoch nichts anderes übrig, als zuzustimmen: 29 Ja-Stimmen gegenüber sieben Nein-Voten.

Der Rat der Stadt gab damit grünes Licht für eine zunächst bis Januar 2019 befristete Übergangslösung: Der Kreis arbeitet die aufgelaufenen Bauanträge ab. Die Stadt stellt dem Kreis dafür den einen noch verbliebenen Prüfingenieur zur Seite. Zeitgleich will die Stadt versuchen, die Personalnot im Bauamt durch Neueinstellungen in den Griff zu kriegen. Bürgermeister Axel Linke beteuerte im Rat noch einmal, dass die Stadt die Bauaufsicht keineswegs auf Dauer an den Kreis abgeben will, er jedoch keine andere Lösung sieht, wenn es ihm nicht gelingt, neue Fachkräfte zu gewinnen.

CDU-Fraktionschef Ralph Perlwitz schlug im Rat andere Töne als im Hauptausschuss an: „Wir müssen im Bauamt die Strukturen ändern, um wieder schlagkräftig zu werden. Baugenehmigungen müssen schneller erteilt, die Freude bei der Arbeit gesteigert werden. Wenn Fehler gemacht wurden, dürfen sich diese nicht wiederholen. Wir müssen die Atmosphäre verbessern und nicht schlechtreden.“ Die negative Stimmungsmache, so Linke, sei bereits Thema in den Vorstellungsgesprächen.

Wie berichtet, haben fünf Fachkräfte bei der Stadtverwaltung gekündigt, die vakanten Stellen können aufgrund der angespannten Lage auf dem Fachkräftemarkt nicht besetzt werden. „Die Ausschreibungen laufen“, so Pesch. „Nach den Sommerferien wissen wir mehr.“

Die Kündigungen sprächen nicht gerade für Mitarbeiterzufriedenheit, führte FWG-Fraktionschef André Wenning ins Feld und warnte davor, die Bauaufsicht dauerhaft an den Kreis abzugeben. Das sei „kommunale Hoheit“, befand auch Jessica Wessels (Grüne) und „ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.“

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