Wie Gärtner mit der Hitzeperiode umgehen
Staunässe schädlicher als Trockenheit

Freckenhorst -

Verbrannter Rasen, fallende Blätter – mancher Gartenbesitzer wähnt sich beim Blick nach draußen bereits im Herbst. Mit dem Gießen und Bewässern kommt er kaum noch nach. Und fragt sich, wie es Gärtnern gehen mag, die ihre Pflanzen gesund durch den Sommer bringen müssen.

Mittwoch, 25.07.2018, 22:00 Uhr

450 000 Liter Regen- und Brunnenwasser fasst der Tank, den Bernd Murrenhoff hier zeigt. Das Tropfschlauch-System, das Familie Murrenhoff in den Beeten auf dem Parkplatz nutzt, eignet sich auch für Privatgärten.
450 000 Liter Regen- und Brunnenwasser fasst der Tank, den Bernd Murrenhoff hier zeigt. Das Tropfschlauch-System, das Familie Murrenhoff in den Beeten auf dem Parkplatz nutzt, eignet sich auch für Privatgärten. Foto: Joke Brocker

Hochsommerliche Temperaturen und wochenlange Trockenheit zwingen selbst angeblich robuste und trockenheitsresistente Rasenmischungen in die Knie. Von wegen „Berliner Tiergarten“. In eine Steppenlandschaft hat sich die einstige Grünfläche rund ums Haus verwandelt. Obendrein verfärben sich die Blätter von Eberesche und Birke, und die Hundsrosen lassen ihre Blätter fallen. Herbst-Feeling im Juli.

Angesichts der fast leeren Regenwasser-Fässer hat die Gartenbesitzerin den Rasen längst aufgegeben, beschränkt sich nur noch auf das regelmäßige Gießen der Sommerblumen, gönnt den Bäumen im Garten ab und zu mal einen ordentlichen Schluck aus der Gießkanne und fragt sich, ob und wie Hitzeperioden den Gärtnern zu schaffen machen. Tatsächlich sei der heiße Sommer 2018 eine Herausforderung, bestätigt Bernd Murrenhoff , Juniorchef des gleichnamigen Unternehmens. Weil sich bei extremer Hitze einerseits die Kunden mit dem Pflanzenkauf zurückhalten, andererseits viele Sommerblumen bei hohen Temperaturen schnell verblühen, haben die Murrenhoffs zwar alle gängigen Sommerblumen im Sortiment, allerdings weniger geordert als normalerweise.

Sommer im Münsterland: Kleine Tipps gegen die große Hitze

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  • Frank May/dpa

    Die richtige Ernährung

    Generell sollten bei der Sommerhitze schweres Essen und Alkohol vermieden werden. Obst und Gemüse mit hohem Wasser- und Mineralstoffanteil (Ananas, Melone, Salatgurke etc.) sind ideal für zwischendurch und auch leichte Suppen unterstützen den Kreislauf. Auch zu Salzigem (zum Beispiel Serrano-Schinken) darf man nun gern greifen, da das Schwitzen den Körper viel Salz verlieren lässt.

    Getränke sollten zudem nicht kälter als die Zimmertemperatur sein, da das Aufheizen der kalten Flüssigkeit dem Körper weitere wertvolle Energie kostet.

  • Foto: Oliver Berg/dpa

    Wer ist besonders gefährdet? 

    Aufgrund des überhöhten Flüssigkeitsbedarfs des Körpers bei hohen Temperaturen sind alte Menschen einem besonderen Risiko ausgesetzt, da sie oft ein geringes Durstgefühl haben und somit zu wenig trinken. Auch bei Herz- und Lungenkranken, Diabetes-Patienten und Menschen, die Entwässerungsmedikamente einnehmen, besteht eine erhöhte Gefahr der Austrocknung und des Kreislaufzusammenbruchs. Eine Absprache mit dem behandelnden Arzt ist unbedingt erforderlich. Vorsicht bei der Einnahme von Antibiotika: Diese machen die Haut empfindlicher - die Sonnenbrandgefahr steigt.

  • Christian Charisius/dpa

    Hinweise auf eine Austrocknung: Trockene Haut (speziell in der Achsel), zusammengedrückte Haut am Handrücken bleibt stehen und zurückgehende Urinproduktion. Kommen Symptome wie verschlechterte Reaktionen auf Ansprache, Verwirrungszustände und Unruhe, Sturzneigung, Antriebslosigkeit und Apathie hinzu, sind das bereits Zeichen einer schweren Austrocknung. Nun muss die Flüssigkeitszufuhr unbedingt erhöht und unter Umständen der Hausarzt kontaktiert werden. Außerhalb der Sprechzeiten hält die Kassenärztliche Vereinigung einen Notdienst vor, der unter 116 117 jederzeit erreicht werden kann.

  • Jens Kalaene/dpa

    Wann sollte der Rettungsdienst gerufen werden? 

    Wenn ein Kollaps mit Bewusstseinsstörungen auftritt, sollte sofort der Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112 verständigt werden. Der Rettungsdienst kann dann mit einer Infusionstherapie das Flüssigkeitsgleichgewicht des Körpers wieder herstellen und den Zustand des Patienten stabilisieren.

  • Daniel Naupold/dpa

    Darf man sich bei Sommerhitze körperlich betätigen?

    Grundsätzlich ist Bewegung immer wichtig. An besonders heißen Tagen sollte man diese jedoch auf die frühen Morgenstunden oder auf den späten Abend verschieben. Am besten geeignet sind Waldspaziergänge oder Fahrradtouren im gemäßigten Tempo. Für sportliche Höchstleistungen sollte man dem Körper mehr Zeit geben als gewöhnlich, damit er sich akklimatisieren kann.

  • Frank Rumpenhorst/dpa

    Wenn möglich, Hitze meiden!

    Wenn Sie draußen unterwegs sind, meiden Sie die Sonne und suchen sie, so oft es geht, schattige Plätze auf. Allerdings sollten sie darauf achten, nicht in der Mittags- und Nachmittagszeit unterwegs zu sein. Und nicht vergessen: eincremen! Die Sonnenbrandgefahr ist bei der aktuellen UV-Strahlung sehr hoch. Achten Sie zudem auf luftige Kleidung. Kopfbedeckungen sind ein Muss und Textilien aus Baumwolle oder Leinen sind luftdurchlässig; Funktionswäsche transportiert zudem Feuchtigkeit und Wärme nach außen. 

  • Sonya Schönberger/dpa

    Wohnung kühl halten!

    Lüften Sie nur früh morgens und spät abends und halten Sie zwischenzeitlich die Fenster geschlossen. Dunkeln Sie die Räume mit Rollos und Gardinen ab, damit die Sonne keine Chance hat, die Wohnung aufzuheizen. Am besten sind dafür Metall-Jalousien, da sie die Sonnenstrahlen reflektieren.

  • Silas Stein/dpa

    Alltagshelfer

    Um im Alltag trotz Hitze einen kühlen Kopf zu bewahren, hier noch ein paar Hinweise, die leicht umzusetzen sind: 

    1. Zwischendurch immer wieder kurz abduschen. Und zwar nicht zu kalt! Durch das warme Wasser öffnen sich die Poren und der Körper kann seine Temperatur leichter regulieren. 

    2. Sollte man keine Gelegenheit haben zu duschen, hilft es auch, sich für 30 Sekunden kaltes Wasser über die Handgelenke laufen zu lassen. Das Herz-Kreislaufsystem wird so unterstützt.

    3. Um Venenprobleme vorzubeugen, sollte man so oft wie möglich die Beine hochlegen. Um die Muskel-Venen-Pumpe zu aktivieren, sollten man sich so oft wie möglich auf die Zehenspitzen stellen und zehn bis zwanzig Mal die Waden heben.

    4. Und wenn all das nicht hilft: ab zum Badesee oder ins Freibad. 

Anders als die von Bienen umschwärmten Sukkulenten mit ihren dickfleischigen Blättern, denen die Hitze offenbar nichts anhaben kann, benötigen vor allem Hortensien und die Sommerblumen im Moment viel Wasser, wie Gärtnermeister Hubert Lange sagt. Am besten würden sie früh morgens gegossen. Genau wie die prächtig blühenden Rosen, denen die Hitze im Übrigen aber zu gefallen scheint. Doch Achtung: alle Pflanzen sollten von unten gegossen werden, möglichst so, dass keine Wassertropfen auf die Blätter fallen. Denn die Wassertropfen wirkten im Sonnenlicht wie das Licht bündelnde Linsen, die die Blätter verbrennen, warnt Bernd Murrenhoff.

Früh morgens gießen – in der Gärtnerei ist das fast eine Stunde vor Sonnenaufgang. Dann nimmt das automatische Bewässerungssystem seine Arbeit auf. „Wir bewässern mit Regenwasser“, erläutert Bernd Murrenhoff. Der 27-Jährige, seines Zeichens BSC Gartenbauwissenschaften und MSC Management, vertritt zurzeit seine Eltern im Betrieb. „Früher haben wir großzügiger gegossen. In diesem Sommer wird alles bewässert, was zu trocken ist“, erzählt er und zeigt im 31 Grad heißen Gewächshaus einen 450 Kubikmeter großen Wassertank, in den, abgesehen vom aufgefangenen Regenwasser das Wasser aus einem 30 Meter tief liegenden Brunnen gepumpt wird. Sollten die Wasservorräte in den nächsten Wochen, für die weiterhin trockenes, heißes Sommerwetter prognostiziert wird, tatsächlich knapp werden, hat Bernd Murrenhoff einen Plan C. Dann, sagt er, müsse man eventuell auf Stadtwasser zurückgreifen.

Bis zu 36 Grad: Deutschland schwitzt weiter

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  • Hamburg: Ein junger Mann springt im Kaifu-Bad kunstvoll vom Drei-Meter-Brett.

    Foto: Daniel Reinhardt
  • Wegen der anhaltenden Hitze haben Polizeibeamte am Vormittag mit zwei Wasserwerfer Bäume und Pflanzen im Stadtpark gewässert.

    Foto: Bodo Marks
  • Ein Badegast springt im Strandbad vom Floß in den Bodensee. Der Bodensee hat eine Wassertemperatur von rund 24 Grad Celsius.

    Foto: Felix Kästle
  • Köln: Ein Mann sonnt sich im Rheinpark auf einer vertrockneten Wiese.

    Foto: Oliver Berg
  • Timmendorfer Strand: Bei 28 Grad Lufttemperatur und 20 Grad Wassertemperatur bevölkern zahlreiche Urlauber den Strand.

    Foto: Markus Scholz
  • Sarstedt: Ein Mähdrescher fährt über ein Getreidefeld. Die Dürre macht den Landwirten zu schaffen.

    Foto: Julian Stratenschulte
  • Neuhausen auf den Fildern: Zwei leicht bekleidete Jogger laufen mit einem Hund auf einem Feldweg.

    Foto: Marijan Murat
  • Filderstadt: Anhaltende Trockenheit. Risse ziehen sich durch ein Feld, auf dem im Hintergrund Salatpflanzen stehen.

    Foto: Sebastian Gollnow
  • Sebastian Müller vom Grünflächenamt der Stadt Chemnitz bewässert mit Unterstützung der Feuerwehr Straßenbäume in der Stadt. Vor allem Jungbäume und Neupflanzungen werden aufgrund der derzeitigen Trockenheit mit Wasser versorgt.

    Foto: Hendrik Schmidt
  • Ein Badegast lässt im Bodensee seine Füße aus dem Wasser schauen, währen im Hintergrund die Schlosskirche (r.) zu sehen ist. Der Bodensee hat eine Wassertemperatur von rund 24 Grad Celsius.

    Foto: Felix Kästle
  • Sankt Peter Ording: Strandgäste suchen Erfrischung im Wasser.

    Foto: Axel Heimken
  • Warendorf: Die Sonne scheint in einem Wald durch die Blätter von Buchen.

    Foto: Guido Kirchner
  • Langenhagen: Nach der Sperrung wegen eines Hitzeschadens heben vom Flughafen in Hannover seit 6 Uhr morgens wieder Flieger ab.

    Foto: Hauke-Christian Dittrich
  • Neukirchen-Vluyn: Eine Kuh von Milchbauer Leuchtenberg steht auf der knochentrockenen Weide hinter dem Hof. Die Dürre hat die Landwirte in Nordrhein-Westfalen so fest im Griff wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Im Juli muss das Winterfutter verfüttert werden.

    Foto: Roland Weihrauch
  • Laatzen: Zwölf Fußballer und ihr Trainer liegen bei einer Trainingseinheit auf einem Fußballplatz und bilden aus der Vogelperspektive betrachtet fast eine Uhr.

    Foto: Julian Stratenschulte
  • Berlin: Die Sonne geht über dem Grunewaldsee hinter Wolken auf.

    Foto: Paul Zinken
  • Hannover: Ein Tretboot fährt über den Maschsee.

    Foto: Julian Stratenschulte
  • Sankt Peter Ording: Strandgäste sonnen sich zwischen Strandkörben und Strandmuscheln.

    Foto: Axel Heimken
  • Schöneiche: Staubwolken ziehen bei Temperaturen um 32 Grad über einen Acker in Schöneiche bei Berlin, während ein Landwirt den völlig kargen und ausgetrockenen Boden mit seinem Traktor umpflügt.

    Foto: Wolfgang Kumm
  • Düsseldorf: Ein Schiff fährt an einer trocken gefallenden grünen Fahrwassertonne vorbei.

    Foto: Federico Gambarini
  • Lieberose: Wald- und Heideflächen brennen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Südbrandenburg. Riesige Waldbrände so wie in Griechenland sind in Deutschland nach Einschätzung von Behörden und der Feuerwehr sehr unwahrscheinlich.

    Foto: Patrick Pleul
  • Langenhagen: Die Sonne geht am rötlich gefärbten Morgenhimmel hinter Wolken auf.

    Foto: Hauke-Christian Dittrich
  • Rietberg: Stark vertrocknet sind die Blätter von Bäumen an einer Straße. Die Kommunen statten Bäume teils mit speziellen Wassersäcken aus mit einem erhöhten Fassungsvermögen von 100 Litern. Bei der derzeitigen Rekordhitze bekommen viele Straßenbäume zu wenig Wasser.

    Foto: Friso Gentsch

Zum Bewässerungssystem gehört eine automatische Tischbewässerung. Für wenige Minuten werden die Tische, auf denen die Pflanzen stehen, unter Wasser gesetzt, das dann später wieder abläuft. Neben diesem „Ebbe- und-Flut“-System gibt es für alle nicht auf den Tischen stehenden Pflanzen, darunter Rosenstämmchen, Obstbäume oder Hibiskus in Kübeln, eine Überkopf-Bewässerung. Praktikabel auch für den privaten Einsatz ist das Tropfschlauch-System, mit dem die Murrenhoffs beispielsweise die Beete auf dem Parkplatz bewässern. „Das“, sagt Bernd Murrenhoff, „ist auch ein für den Heimgarten geeignetes System, das zeitlich gesteuert werden kann, auch per Handy-App.“ Allen Gartenbesitzern empfiehlt der Fachmann, auch bereits braune Rasenflächen intensiv zu wässern. Möglicherweise erhole sich der Rasen ja noch. Wenn er schon zu verbrannt sei, müsse nachgesät werden. Bäume bräuchten allenfalls Wasser, wenn sie noch jung seien. Und im Übrigen helfe immer der grüne Daumen: „Einfach mal an der Erde fühlen, ob sie noch feucht ist.“ Sei das der Fall, dürfe auf keinen Fall mehr gegossen werden. Denn Staunässe sei für die Pflanzen viel schlimmer als Trockenheit. Wenn die Wurzeln erst faulten, seien die Pflanzen nicht mehr zu retten.

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