Zehn Einzelzimmer an der Langen Wieske / Eröffnung am 1. Oktober
Beatmete Patienten leben in WG

Warendorf -

Die Wohngemeinschaft, die am 1. Oktober zunächst mit ein bis drei Patienten starten soll, erlaube den Patienten ein „menschliches Dasein und eine intensive Betreuung in einer anderen, neuen und behaglichen Atmosphäre“, betont Pflegedienstleitung Anna Katharina Ewering. Es ist ein Haus für Menschen, die das Schicksal ganz besonders hart getroffen hat. In der „Beatmungs-Wohngemeinschaft“, die die „Caero-Intensivpflege“ am 1. Oktober an der Langen Wieske 3 (auf dem Gelände des Seniorenwohnens Eichenhof) eröffnet, können künftig bis zu zehn Menschen rund um die Uhr betreut werden, die wegen einer schweren Krankheit einer ständigen Beatmung oder einer Überwachung der Beatmung bedürfen.

Donnerstag, 02.08.2018, 15:50 Uhr

Machten sich gestern auf der Baustelle ein Bild von der künftigen Beatmungs-Wohngemeinschaft (v.l.): Anna Katharina Ewering (Pflegedienstleitung), Dr. Matthias Waltert (Lungenfacharzt und Geschäftsführer Caero-Intensivpflege), Alexander Benter (Investor, Bauherr) und Michael Kamp (Geschäftsführer Caero-Intensivpflege)
Machten sich gestern auf der Baustelle ein Bild von der künftigen Beatmungs-Wohngemeinschaft (v. l.): Anna Katharina Ewering (Pflegedienstleitung), Dr. Matthias Waltert (Lungenfacharzt und Geschäftsführer Caero-Intensivpflege), Alexander Benter (Investor, Bauherr) und Michael Kamp (Geschäftsführer Caero-Intensivpflege) Foto: Joachim Edler

Es ist ein Haus für Menschen, die das Schicksal ganz besonders hart getroffen hat. In der „Beatmungs-Wohngemeinschaft“, die die „Caero-Intensivpflege“ am 1. Oktober an der Langen Wieske 3 (auf dem Gelände des Seniorenwohnens Eichenhof) eröffnet, können künftig bis zu zehn Menschen rund um die Uhr betreut werden, die wegen einer schweren Krankheit einer ständigen Beatmung oder einer Überwachung der Beatmung bedürfen.

„Wir sind kein Heim und keine Intensivstation. Die Alternative zu unserer Einrichtung ist oftmals nur das Krankenhaus, das jedoch einen anderen Auftrag zu erfüllen hat“, sagen Michael Kamp und Dr. Matthias Waltert, beide Geschäftsführer der Caero-Intensivpflege, bei der gestrigen Pressekonferenz. Der Lungenfacharzt der beteiligten pneumologischen Praxis Waltert-Esselmann begleitet die Patienten, betont aber, dass es ein Betreuungsangebot ohne ärztliche Bereitschaft ist.

Die Wohngemeinschaft, die am 1. Oktober zunächst mit ein bis drei Patienten starten soll, erlaube den Patienten ein „menschliches Dasein und eine intensive Betreuung in einer anderen, neuen und behaglichen Atmosphäre“, sagt Pflegedienstleitung Anna Katharina Ewering. Die 37-Jährige, die Erfahrungen in der Intensivmedizin an der Uni Erfurt, zuletzt am UKM Münster im Case-Management gearbeitet und in einer Beatmungs-WG hospitiert hat, versteht ihren Pflegeauftrag darin, den schwer kranken Menschen einen Alltag zu ermöglichen. Dazu gehöre auch der Besuch im Kino, der Spaziergang im Park oder das Backen von Plätzchen in der Gemeinschaftsküche. Die 37-Jährige ist aber realistisch genug, dass Patienten nicht auf einmal morgens aus dem Koma erwachen und zu ihren Angehörigen nach Hause gehen. „Es gibt auch Patienten, die nicht ständig oder nur teilweise beatmet werden müssen.“

Zehn Menschen unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlicher Schwere der Erkrankung, die zeitweise oder dauerhaft beatmet werden müssen, seien nicht mehr auf die Pflege auf Intensivstationen oder zu Hause angewiesen. In der 500-Quadratmeter-Wohnung hat jeder der Mieter sein eigenes Bad auf dem Zimmer, Satelliten-, Internet- und Telefonanschluss, jeder darf eigene Möbel mitbringen. Es gibt eine moderne, offene Küche mit Ess- und Aufenthaltsbereich. Die Angehörigen können die Bewohner jederzeit besuchen.

Das Außergewöhnliche an dieser Einrichtung: Als ambulanter Versorger ist die „Caero Intensivpflege“ vor Ort. Die Fachpflege bietet eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung an mit – je nach Belegung – über 20 speziell geschulte Pflegekräfte (Vollzeit und Teilzeit). Dazu kommen so genannte Präsenzkräfte, die für hauswirtschaftliche Tätigkeiten oder Reinigung angestellt sind.

Die Bewohner dürfen sich außerdem über einen Pflegeschlüssel freuen, der tagsüber eine Pflegekraft für zwei Bewohner vorsieht, nachts eine Pflegekraft für drei Bewohner.

Eine Beatmung kann aus unterschiedlichen Gründen notwendig sein: Unfall, neurologische und angeborene Erkrankungen oder das Alter mit seinen Begleiterscheinungen. Typische Krankheitsbilder der Patienten sind Hirnerkrankungen, oder Herz-/Kreislauferkrankungen wie ein Schlaganfall. Auch ein schwerer Unfall (Querschnittslähmung) kann es notwendig machen, dass Menschen künstlich beatmet werden müssen. Um den betroffenen Patienten ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen, erhält jeder von ihnen ein eigenes, 21 Quadratmeter großes Zimmer mit eigenem Bad.

„Wir setzen hier auf kleine, persönliche Strukturen“, erklärt Anna Katharina Ewering. Das Besondere: Die zehn Bewohner haben auf dem Papier praktisch selbst die Wohnung angemietet – zum üblichen Mietzins – und „Caero“ nur mit der Pflege beauftragt. Die Kosten für Essen, Trinken und Reinigung der Wohnung kommen noch dazu.

Die Pflegekosten werden von der Krankenkasse übernommen. „Im Pflegeheim zahlt die Pflegeversicherung, in unserer WG müssen die Krankenkassen zahlen. Wir werden geprüft wie ein Heim“, so Kamp. Möglich ist dies durch die Abrechnung als ambulanter Versorger, der sowohl von der Pflegekasse als auch von Krankenkassen finanziert wird, erklärt der Geschäftsführer.

Für das deutsche Pflegesystem sei diese Abrechnung günstiger als die Eins-zu-eins-Pflege, die viele Patienten zu Hause erhalten. „Eine Betreuung zu Hause ist ausgesprochen belastend für Angehörige, weil immer fremde Menschen mit im Haus sind. Tag und Nacht“, weiß Kamp. Viele der Bewohner in Beatmungs-WGs würden regelrecht aufblühen, weiß Anna Katharina Ewering

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