Rechtsstreit beendet
Vergleich: Das „Mr. Ed‘s“ schließt

Warendorf / Münster -

Das „Mr. Ed‘s“ gibt es in dieser Form nur noch bis Jahresende. Dann schließt es. Das ist Ergebnis des Vergleiches vorm Landgericht am Dienstag. Betreiber Ralle Friedrich war resigniert, Besitzer Anton Buddenkotte verärgert.

Dienstag, 28.08.2018, 10:48 Uhr aktualisiert: 28.08.2018, 16:34 Uhr
Rechtsstreit beendet: Vergleich: Das „Mr. Ed‘s“ schließt
Das „Mr. Ed‘s“ wird Ende des Jahres schließen. Das ist Ergebnis des Vergleichs vorm Landgericht in Münster. Danach darf unter der Woche nur bis 23 Uhr, am Wochenende bis 0 Uhr dort Betrieb sein. Foto: Edler

Für die einen war es ein kultiger Treffpunkt für die jüngeren Semester, Ort der gepflegten Geselligkeit, Zeugnis lebendiger Kneipenkultur. Für die anderen, die nebenan wohnen, war es schlichtweg Lärm. Rund zwei Jahre lang beschäftigten diese unterschiedlichen Ansichten zur Musikkneipe „Mr. Ed‘s“ gleich mehrere Richter.

Am Dienstagmorgen fiel eine Entscheidung in Form eines Vergleichs. Und zwar mit einer Konsequenz, die unter den Freunden der Kultkneipe in den sozialen Netzwerken für spontanen Unmut sorgte: Spätestens Ende des Jahres will Betreiber Ralf „ Ralle“ Friedrich den Bettrieb an der Emsstraße 11 einstellen. „Wenn ich eher jemanden finde, der übernimmt, kann er meinetwegen auch sofort anfangen“, zeigte sich der Warendorfer sichtlich resigniert.

Eine Kneipe, die nur bis 23 Uhr auf hat – wo gibt‘s denn sowas?!?

Anton Buddenkotte

„Für mich ist das wirtschaftlich nicht mehr tragbar, deshalb gebe ich auf.“ Wie es dann weitergeht? Für Friedrich mit dem „normalen“ Angestelltendasein. Und an der Emsstraße 11? Das ist ungewiss, denn der Vergleich bereitet dem Tauziehen um Öffnungszeiten ein für allemal ein Ende: Wer auch immer die Konzession für den Betrieb übernimmt, wird sich in Zukunft an eines halten müssen: In der Woche muss um 23 Uhr Schluss sein, in den Nächten auf Samstag, Sonntag und auf Feiertage ist um 0 Uhr Zapfenstreich.

Utopische Vorstellungen

„Als normale Kneipe führt das keiner mehr“, kommentierte Friedrich diese Vorgaben, „ich biete das als Restaurant an“. Bis zur Schließung bleibt ihm nur ein kleines Trostpflaster: Im Rahmen des Vergleiches stimmten die Kläger aus der Nachbarschaft zu, dass der Betrieb bis zur endgültigen Abwicklung „unbehelligt“ weitergehen kann – wenn die Ruhestörung sich denn im bereits gewohnten Umfang bewegt und nicht noch eine Steigerung erfährt.

Die wollen die Emsstraße tot haben – dann kriegen die das auch so!

Anton Buddenkotte

„Zehn Tage lang Halligalli am Stück würden wir nicht mitmachen wollen“, sagte Anwohner Jörg Helms als Hauptkläger. Fakt ist: Die „Ruhestörung“ steht als solche fest, wie der Gutachter, der nach dem Honky-Tonk-Festival im November 2017 eine Lärmmessung durchgeführt hatte, am letzten Prozesstag noch einmal bestätigte. 13 Personen hatten damals am Fahrradständer in Kneipennähe für einen Lärmpegel von (umgerechnet auf die Stunde) 62,5 Dezibel vor den Häusern der betroffenen Anwohner gesorgt – 45 sind höchstens erlaubt. Rund 70 Meter, so die Berechnungen des Fachmanns, hätte der Kneipenbetreiber die Truppe mindestens weiter wegschicken müssen, um die Grenzwerte einzuhalten.

„Das Band ist zerschnitten“

„Das ist doch utopisch“, denkt Friedrich an die Grüppchen, die zum Rauchen vor die Tür gehen müssen – oder die Kneipengäste, die sich nach einem geselligen Abend einfach nur verabschieden wollen. Kneipe dicht. Und auch auf den Anwaltskosten sowie den Kosten des Verfahrens bleiben Ralf Friedrich als Betreiber und Anton Buddenkotte als Inhaber der Immobilie sitzen.

Nicht der einzige Punkt, der bei Buddenkotte für sichtliche Verärgerung sorgte: „Eine Kneipe, die nur bis 23 Uhr auf hat – wo gibt‘s denn sowas?!? Wenn da nicht einmal eine normale Gaststätte laufen kann, mach‘ ich das nicht mit.“ Er ist sich trotz des Vergleichs sicher: „Das Band ist endgültig zerschnitten. Die wollen die Emsstraße tot haben – dann kriegen die das auch so!“

Jetzt kann Ralf Friedrich noch drei Wochen lang Widerspruch gegen die vorläufige Einigung einlegen. Der Vorsitzende Richter hingegen gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass der Vergleich Stand hält: „Wir hoffen, dass wir damit endlich Frieden schließen können.“

Kommentar: Aus für das ,,Mr. Ed's"

Schluss mit lustig

Von: Jörg Pastoor

Und: Noch einen kleiner Absacker im Ed‘s?“ Seit ich Warendorfer bin, habe ich das öfters gehört. Und bin auch öfter hin. Ja, es war oft laut dort. Urig. Gemütlich. Und laut. Problem: „Laut“ ist nicht gleich „laut“. Als Kneipenbesucher bin ich darauf gefasst, dass es am Tresen selten die Lärmkulisse eines Museums gibt. Als Innenstadtbewohner, da haben auch die Schreiber in den sozialen Kanälen Recht, muss ich mit so etwas leben können.

Aber immer? Wem verdenke ich im Ernst, dass er darauf nach Jahren, vielleicht Jahrzehnten, keine Lust mehr hat? Auch laute Kneipengäste von früher werden mal älter und wissen Ruhe zu schätzen. Sicher: Der Spaß anderer wird irgendwann an meine Grenzen stoßen, sie vielleicht übertreten.

Andererseits: Sind Menschen mit Durst heute lauter als früher? Trotzdem: Schade um jede geschlossene Kneipe, die mit zur Schönheit und Lebendigkeit einer wunderschönen, alten Innenstadt im Hier und Jetzt beiträgt. Wenn einem nach Feiern ist. Schluss mit lustig in der Musikkneipe. Aber subjektiv fühlt es sich nicht so an, als gebe es jemanden, der allein im Recht ist nach diesem Prozess versus „Mr. Ed‘s“.

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