Woche der Vorsorge
Die komische Seite des Todes

Warendorf -

Willibert Pauels, Diakon und Büttenredner im Kölner Karneval, war jetzt anlässlich der „Woche der Vorsorge“ zu Gast im Bestattungshaus Huerkamp.

Samstag, 13.10.2018, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 13.10.2018, 06:00 Uhr
Martin Huerkamp bedankte sich bei Willibert Pauels für den gelungen Vortrag.
Martin Huerkamp bedankte sich bei Willibert Pauels für den gelungen Vortrag. Foto: Rebecca Lek

Humor und Tod, Kabarett und Bestattungshaus – eigentlich ausgeschlossen in unserer Gesellschaft. Humor und Tod sind nicht miteinander vereinbar, so scheint es. Martin Huerkamp sieht das anders. Anlässlich der „Woche der Vorsorge“ hatte sich sein Bestattungshaus etwas Besonderes einfallen lassen, mit Willibert Pauels eine Koryphäe aus dem komödiantischen Bereich eingeladen. Pauels ist geweihter Diakon und tritt gleichzeitig im Kölner Karneval als Büttenredner auf. Ebenfalls zwei Bereiche, die für die breite Gesellschaft nicht miteinander vereinbar sind.

Ein weit verbreiteter Fehler, wie Pauels den rund 70 Besuchern bei seinem Vortrag am Donnerstag bewies. Mit Humor und Witz begeisterte er das gesamte Publikum. Auch wenn der Vortrag zum Teil als Lesung angesetzt war, sah der Diakon das noch mal anders: „Die Lesung wird nur ganz klein werden“, versprach er und setzte hinzu: „Ein Buch beim Vortrag ist wie ein Kondom: Es schützt, macht aber unfruchtbar.“

Gleichzeitig bewegte er die Masse mit seiner Krankengeschichte. Vor einigen Jahren wurden bei ihm Depressionen diagnostiziert. Jedoch kein Grund aufzugeben. „Depressionen sind eine anerkannte Krankheit, die heutzutage sehr gut behandelt werden kann“, erklärte der Diakon. Sein erstes Buch beschäftigt sich mit dem Thema Depressionen und ist bereits ein Bestseller. Das zweite Buch Pauels‘ beschäftigt sich mit dem Thema Gott und der zentralen Frage, weshlab man in der heutigen Gesellschaft überhaupt noch ein gläubiger Mensch ist. Diese Frage betrachtete Pauels auch in seinem Vortrag auf unterschiedliche Art und Weise.

Mit Pappnase und Hut betrat er den Raum und hatte schon hier die Lacher auf seiner Seite. Humorvoll, aber auch kritisch betrachtete er den Glauben und die unterschiedlichen Mentalitäten. Die Zuschauer mussten sich die Lachtränen aus den Augen wischen, als Willibert Pauels so richtig loslegte. Wie Pistolenschüsse knallten die Pointen durch das Bestattungshaus. Etwa, als er mit Blick auf den Datenschutz scherzte: „Eine Situation beim Arzt. Aufgrund der neuen Datenschutzbestimmung ist es uns nicht mehr gestattet, die Leute mit ihrem Namen aufzurufen. Daher möchte ich als nächstes den Mann mit Syphilis zum Arzt begleiten.“ Pauels berichtete aber auch von Problemen, die ihm seine zahlreichen Fernsehauftritte im Beruf als Diakon bereiten. Seine komödiantischen Darstellungen, Erzählungen und Parodien stießen einigen sauer auf. Das habe soweit geführt, dass es wegen eines Fernsehauftritts zu einem offiziellen Beschwerdebrief und einer Anzeige kam. Willibert Pauels ließ es sich nicht nehmen, genau den Witz zum Besten zu geben, der damals zur Anzeige geführt hatte. Zumindest das Warendorfer Publikum bewies Humor.

Obwohl Pauels mit viel Charme und Witz auftrat, verbarg sich viel Nachdenkliches in seinem Vortrag. Die ernste Seite der Depression, Ängste und Sehnsüchte wurden angesprochen. Besonders wichtig für ihn: die Perspektive zum Leben: „Man muss über den Dingen stehen. Nicht als arroganter Mensch. Aber man muss über sich selber lachen können und ebenso Witze über ernste Themen wie den Tod machen dürfen.“

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