Tag des öffentlichen Aquariums
Im Keller knurren die Guramis

Müssingen -

Mit der Unbekümmertheit von „Dingsda“-Kindern, die komplexe Sachverhalte vorlesungsreif erläutern und damit ihren erwachsenen Zuhörern das sichere Gefühl vermitteln, allenfalls halbgebildet zu sein, spielen sie sich die Bälle zu. Von Knurrenden Guramis ist die Rede, von Killi- und Labyrinthfischen und einer geheimnisvollen Pila wernei. Dass hier zwei für ihr Hobby, die Aquaristik, brennen, hat die unbedarfte Besucherin, die gerade einmal einen Goldfisch von einem Koi-Karpfen unterscheiden kann, rasch erfasst.

Sonntag, 04.11.2018, 15:08 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 02.11.2018, 22:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 04.11.2018, 15:08 Uhr

Doch als sie nach dreistündigem Exkurs in die umfassende Welt der Aquaristik das Haus am Schnepfenweg verlässt, dessen 25 Grad warmer Keller rund 140 Aquarien beherbergt, von denen das größte 450 Liter fasst, geht sie mit der Cicero zugeschriebenen Erkenntnis „Ich weiß, dass ich nichts weiß“.

Arbeitskreis Wasserpflanzen als Alternative zu studentischen Aktivitäten

Bleibt nur der Trost, dass Maike Wilstermann-Hildebrand und Cord Hildebrand immerhin Jahrzehnte hatten, um ihr unglaubliches Wissen über Fische, Wasserpflanzen und Afrikanische Riesenapfelschnecken – so die Übersetzung für Pila wernei – zu erwerben. Seit ihrem zwölften Lebensjahr – damals bekam sie ihr erstes Aquarium – beschäftigt sich Maike Wilstermann-Hildebrand mit Aquaristik. Weil sie während ihres Studiums in Hannover den studentischen Freizeitaktivitäten nichts abgewinnen konnte, schloss sich die angehende Gartenbauingenieurin einem Arbeitskreis Wasserpflanzen an. „Die Mitglieder waren alle über 60, aber das gemeinsame Hobby hat verbunden.“

Die Piranhas blieben in Ludwigsburg

Über die Aquaristik lernte sie auch ihren Mann kennen. Cord Hildebrand, der wie seine Frau in Hannover Gartenbau studierte, hatte sich ebenfalls schon als Jugendlicher für das „ruhige Hobby mit viel Wissenschaft“ begeistert. Nachdem es das ursprünglich aus Norddeutschland stammende Paar für einige Jahre beruflich in den Süden der Republik verschlagen hatte, ging es 2003 zurück in den Norden. Mit Bergen von Fachliteratur in den Umzugskartons, aber auch mit rund 40 Aquarien und deren zum Teil farbenprächtigen Bewohnern, darunter Kampffische und die vor allem bei Kindern so beliebten Guppis. Ferner Schnecken, die Maike Wilstermann-Hildebrand derart faszinieren, dass sie diverse Aufsätze und sogar ein Buch über Pila wernei und Co. geschrieben hat. Lediglich die Piranhas habe man in Ludwigsburg zurücklassen müssen, erzählt Cord Hildebrand. Der Transport ins neue Heim wäre zu kompliziert geworden. Im wohltemperierten Keller des eigenen Hauses reihen sich die Aquarien heute aneinander. In liebevoll gestalteten Unterwasserpflanzen-Gärten – der Fachmann bezeichnet das Gestalten derartiger Unterwasser-Landschaften als Aqua Scaping – leben Guppis, türkische Knabberfischchen, die Algen vertilgen, winzige Garnelen, Knurrende Guramis, kleine Fische, die in den Süßgewässern Südostasiens zu Hause sind, Rückenschwimmende Kongo-Welse und Kampffische. Auf den Straßen Thailands würden diese Fische, beliebte Haustiere, weil robust, pflegeleicht und daher einfach zu halten, gleich neben den Kanistern mit Motorradbenzin und frischem Obst angeboten, erzählt Cord Hildebrand, der das Land mehrfach bereist und Kontakte zu Züchtern geknüpft hat.

Wenn man bei Google unterwegs ist, ist man immer in der eigenen Cloud.

Maike Wilstermann-Hildebrand

Auf ihrer Suche nach Gleichgesinnten in der neuen Heimat haben der 51-jährige Cord Hildebrand und seine 42-jährige Frau, Vizepräsidentin Kommunikation im Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde (VDA), bewusst nicht das Internet bemüht: „Wenn man bei Google unterwegs ist, ist man immer in der eigenen Cloud“, findet Maike Wilstermann-Hildebrand), die regelmäßig Sachkundeschulungen für Aquarianer anbietet. Um auf etwas Neues zu stoßen, bedürfe es aber des Austauschs mit anderen. Daher gründete das Paar, das den Blick in die Aquarien beruhigender und faszinierender findet als den in den Fernseher, vor zwei Jahren einen Arbeitskreis Wasserpflanzen. Diesem schlossen sich spontan 15 interessierte Aquarianer an, darunter Rudolf Pohlmann . Der Sassenberger hält Killifische, Eier legende Zahnkarpfen aus den tropischen Gebieten Afrikas, mit denen eine Art „Instant Aquaristik“ möglich ist. Denn: Bei diesen Fischen handelt es sich um Saisonfische, die nur in der Regenzeit leben und dann Eier legen, die die Trockenzeit überstehen.

Kaffee, Kuchen und - für die Schnecken – Kaninchen-Pellets

Zusammen mit Hans-Jürgen Krause aus Freckenhorst hatte Pohlmann den Verein „Zierfischfreunde Warendorf“ aufrecht erhalten, der in den 80er-Jahren einmal 35 Mitglieder hatte. Angesichts des attraktiven Programmes mit Museumsbesuchen und Ausflügen, das die Müssinger regelmäßig sonntags anbieten, überzeugte Pohlmann die beiden, ihre Aktivitäten unter dem Dach der Zierfischfreunde Warendorf anzubieten. „In diesem Jahr sind wir als Mitglieder Nummer zehn und elf in den Verein eingetreten“, erzählt Maike Wilstermann-Hildebrand, die nun als Geschäftsführerin des Vereins fungiert. Ihr Mann ist erster Vorsitzender, Rudolf Pohlmann Kassierer.

Am 4. November, dem „Tag des öffentlichen Aquariums“, sind Interessierte zur Besichtigung der Aquarienanlage im Schnepfenweg 19 in Müssingen eingeladen. Auf einer Wasserpflanzenbörse können mitgebrachte Pflanzen getauscht oder verkauft werden. Und natürlich wird auch die Pila wernei zu sehen sein. Während sie mit Kaninchen-Pellets gefüttert wird, dürfen sich zweibeinige Besucher auf Kaffee und Kuchen freuen.

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