Roman Knižka und das Bläserquintett „Ensemble Opus 45“ im Sophiensaal
Der Terror von ganz rechts

WArendorf -

Tiefe Betroffenheit, Ratlosigkeit und Verstörtheit hinterließen Schauspieler Roman Knižka und das Bläserquintett „Ensemble Opus 45“ mit Franziska Ritter (Flöte), Elke Uta Frenzel (Oboe), Sophie Seemann (Klarinette), Benjamin Liebhäuser (Horn) und Florian Liebhäuser (Fagott) am Dienstagabend im nahezu restlos besetzten Sophiensaal.

Mittwoch, 07.11.2018, 14:26 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 07.11.2018, 10:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 07.11.2018, 14:26 Uhr
„19.4.1945 – Buchenwald“ schrieb Knižka zu Beginn des Literaturkonzertes auf die Tafel. Am Ende stand darauf „6.8.2018 – Warendorf“.
„19.4.1945 – Buchenwald“ schrieb Knižka zu Beginn des Literaturkonzertes auf die Tafel. Am Ende stand darauf „6.8.2018 – Warendorf“. Foto: Ulrich Coppel

Nüchtern und sachlich zeichnete Knižka in Schlaglichtern Eindrücke von Strukturen, Hintergründen und Aktivitäten der rechtsextremen Szene; beginnend kurz nach Ende des Holocaust über die frühen Jahre der Bundesrepublik hinweg, als vormalige Nazischergen während der Adenauer-Ära wieder in öffentliche Positionen gehievt wurden, bis zum kürzlich abgeschlossenen NSU-Strafverfahren. Genauso nüchtern interpretierte „Opus 45“ Werke Paul Hindemiths, György Ligetis und Pavel Haas – allesamt Opfer des Nazi-Terrors.

Roman Knižka berichtete vom Mord des Anstreichers Joseph Bachmann an Rudi Dutschke , der „Du dreckiges Kommunistenschwein“ rief, als er Dutschke mit mehreren Schüssen, unter anderem in den Kopf niederstreckte. Später wurde Bachmann deshalb lediglich wegen „versuchten Mordes“ zu sieben Jahren Haft verurteilt, weil Dutschke zunächst überlebte und erst elf Jahre später an den Spätfolgen des Attentats starb.

Knižka zitierte auch Katharina P., 1980 Opfer des Bombenanschlags auf das Münchener Oktoberfest, dem bis dato schwersten Attentat in der Geschichte der Bundesrepublik. Katharina P. verlor ihre beiden Kinder und überlebte – selbst von zahlreichen Bombensplittern getroffen – schwer verletzt. Anschließend war es nicht möglich, sie von allen Splittern zu befreien. „Deswegen habe ich Krebs gekriegt“, zitierte Knižka Katharina P. Ein Raunen ging darauf durchs Publikum.

Die tagelangen schwersten Ausschreitungen und Belagerungen im August ´92 in Rostock bezeichnete Knižka als „Neuauflage der Kristallnacht“. Nicht umsonst ist die historische Vorlage Anlass dieser kleinen Tournee. Klare Informationen, die durch die hervorragend dargebotene Musik getriggert, kalt erschaudern ließen. So widerlich und zynisch kann Wahrheit sein.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6171512?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F35766%2F
Nachrichten-Ticker