Quartiers- und Vereinsheim: Zuschuss-Antrag für Verein, den es noch gar nicht gibt
Freifahrtschein oder Motivationsschub?

Warendorf -

Dirk Schellhammer (CDU) sprach von einer „kleinen Geste mit großem städtebaulichen Effekt“. Sollte das Quartiers- und Vereinsheim vom Land gefördert werden, wäre das für Freckenhorst ein ganz großer Wurf. Voraussetzung ist ein noch zu gründender Trägerverein. Für die anfallende Büroarbeit möchte die CDU dem noch zu gründenden Verein eine Büro-Erstausstattung in Höhe von 1400 Euro gewähren – und löste damit im Sozialausschuss Unverständnis aus.

Freitag, 16.11.2018, 16:34 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 16.11.2018, 09:52 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 16.11.2018, 16:34 Uhr

Lockangebot, Freifahrtschein oder Motivationsschub? Der Antrag der CDU-Fraktion, einem noch zu gründenden Trägerverein für das künftige Quartiers- und Vereinsheim in Freckenhorst 1400 Euro für Büromaterial zu genehmigen, kam einigen Politikern sehr seltsam vor. „Wir würden einen Verein unterstützen, den es noch gar nicht gibt“, schüttelte Günter Belt (FDP) am Donnerstagabend im Sozialausschuss nur mit dem Kopf. Und er schlug vor, dass sich der Verein erst einmal gründen solle.

Und damit stand er nicht allein da. Dr. Hermann Mesch (Grüne) verstand die Welt nicht mehr: 1400 Euro für Laptop, Drucker, Datensicherungsspeicher und Bürokleinkram wie Papier, Ordner und Hefter? Mesch erinnerte an das Dorfentwicklungskonzept in Milte: „Wir hätten uns damals auch über Mittel gefreut.“ Sollte diesem Antrag zugestimmt werden, würde dieser andere Vereine auf den Plan rufen. „50 Euro für eine Datensicherung ist in Ordnung. Aber muss ein Trägerverein ein Laptop finanziert bekommen – kann er das nicht selber anschaffen?“ In Milte habe man das auch aus eigener Tasche finanziert. Seine Fraktion lehne den Antrag ab.

Wolfgang Stüker ( SPD ) tat sich schwer: „Wir beschließen über ein Projekt in die Zukunft hinein und wissen gar nicht, wer der Empfänger ist.“

Horst Breuer, Kulturamtsleiter der Stadt, hatte ein anderes Problem, nämlich wo der Posten, wenn denn abgesegnet, im Haushalt verbucht werden soll. Die Stadt möchte wie berichtet das Pfarrheim der Kirchengemeinde St. Bonifatius am Stiftsmarkt 3 käuflich erwerben und zu einem Quartiers- und Vereinsheim umbauen – vorbehaltlich eines positiven Förderbescheids aus dem Förderprogramm „soziale Integration im Quartier“ des Landes. Die Stadt rechnet mit einer Förderzusage in Höhe von 1,3 Millionen Euro. Die Umsetzung des Projekts ist jedoch an die Gründung eines Trägervereins gebunden, der den Betrieb sicherstellen soll. Dem Trägerverein obliegt insbesondere die einvernehmliche Abstimmung der Nutzung mit den verschiedenen Gruppen. Für die anfallende Büroarbeit möchte die CDU dem noch zu gründenden Verein besagte Büro-Erstausstattung gewähren – als Anschub und Motivation zugleich. Dirk Schellhammer (CDU) sprach von einer „kleinen Geste mit großem städtebaulichem Effekt“. Sollte das Quartiers- und Vereinsheim vom Land gefördert werden, wäre das für Freckenhorst ein ganz großer Wurf. Schellhammer: „So günstig kommen wir an eine Umsetzung des Ortsentwicklungskonzepts für Freckenhorst nicht mehr heran.“ Mechtildis Wissmann (CDU) unterstrich: „Der Zuschuss macht Sinn, um eine Hürde zu nehmen und die Leute anzustoßen.“ Und Andrea Blacha (CDU) betonte: „Das soll keine Belohnung sein, sondern eine Arbeitsgrundlage.“

Ausschussvorsitzender Bernhard Ossege (SPD) hatte da so seine Zweifel, ob der Zuschuss wirklich als Arbeitsgrundlage aufgefasst wird: „Auf der einen Seite könnte es eine Starthilfe sein, um die Wertigkeit des Trägervereins zu unterstreichen. Der Zuschuss kann Motivation erzeugen, aber auch einen falschen Zungenschlag auslösen. Er kann auch ein Freifahrtschein sein: Wir legen 1400 Euro auf den Tisch und dann könnt ihr loslegen.“

Fast eine halbe Stunde lang diskutierten die Kommunalpolitiker über 1400 Euro – eine Summe, die sonst schnell vom Tisch ist. Eine Entscheidung gab es nicht – der CDU-Antrag wurde vertagt in die nächste Sitzung des Hauptausschusses am 3. Dezember.

Mit dem Kauf des Heims und der Umsetzung des Projekts beschäftigt sich der Rat bereits in seiner Sitzung am kommenden Mittwoch, 21. November.

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