Sternsingeraktion
Nicht alle Haushalte besucht

Warendorf -

Ungeachtet des miesen Wetters zogen am Wochenende die Sternsinger durch Warendorf und die Ortsteile, um für Kinder in Not zu sammeln. Doch die Kirchengemeinden, die die Sternsingeraktion Jahr für Jahr organisieren, haben zunehmend Probleme, Kinder zu finden, die sich für die gute Sache engagieren.

Sonntag, 06.01.2019, 17:00 Uhr
Robert Feldhues, Bastian Alexander und Jasper Paul (großes Foto, v. l.) spendeten auch in der Bäckerei Notarp den Segen. Ann-Christin Heßling, Marie-Theres Heßling und Karin Averbeck freuten sich. Fotos: Stephan Ohlmeier
Robert Feldhues, Bastian Alexander und Jasper Paul (großes Foto, v. l.) spendeten auch in der Bäckerei Notarp den Segen. Ann-Christin Heßling, Marie-Theres Heßling und Karin Averbeck freuten sich. Fotos: Stephan Ohlmeier

Samstagmorgen, 9 Uhr: Es ist noch nicht richtig hell und angesichts von Nieselregen sowie einer frischen Brise möchte man am liebsten nicht vor die Tür gehen. Jasper, Bastian und Robert sind die Bedingungen egal. An diesem grauen Januarmorgen ziehen sie als Sternsinger durch die Straßen im Norden der Stadt – und das am letzten Samstag der Weihnachtsferien: „Wir wollen schließlich anderen Menschen helfen, denen es nicht so gut geht wie uns.“

In der Kernstadt taten es lediglich rund 180 Kinder und Jugendlichen dem Trio gleich, wodurch in einzelnen Straßenzügen nicht mehr der Segen „20*C+M+B+19“ („Christus mansionem benedicat“ = „Christus segne dieses Haus“) gespendet und Geld für Not leidende Kinder gesammelt werden konnte. Doch was treibt Kinder eigentlich an, als die Heiligen drei Könige Casper, Melchior und Balthasar loszuziehen? Die WN begaben sich auf Spurensuche.

Robert ist zehn Jahre alt und das erste Mal Sternsinger: „Jasper hat mich in der Schule angesprochen und gefragt, ob ich nicht mitmachen möchte.“ Spontan habe er ja gesagt und sei gespannt, was ihn heute alles erwarte. Jasper (10) und Bastian (14) sind hingegen schon alte Hasen und wissen selbst nicht genau, wie viele Jahre sie schon an der Sternsingeraktion teilnehmen.

Warum engagiert ihr euch? Einen Moment müssen die Drei nachdenken, ehe Jasper sagt: „Immerhin helfen wir ja armen Kindern. Das ist doch Grund genug.“ Außerdem habe man gemeinsam viel Spaß und viele Warendorfer würden sich freuen, wenn die Sternsinger an der Tür klingelten. So auch

Paula Huil. Die Seniorin hat bereits auf die Sternsinger gewartet und das Geld für die Spendendose parat gelegt. „Das Sternsingen ist so ein schöner Brauch. Ich finde es schade, dass sich immer weniger Kinder finden, die mitmachen möchten.“ Für Jasper, Bastian und Robert gibt es als Dankeschön für ihren Einsatz eine Tüte Süßigkeiten und als Wegproviant ein paar Kekse. Natürlich gibt es auch unschönere Momente. Manche Leute schlagen die Tür gleich wieder zu, als sie die Sternsinger erkennen.

„Das hindert uns nicht

daran weiterzumachen. Wir gehen immer weiter und bleiben stark“, sagt Bastian voller Überzeugung. Gerold Paul, der die Jungs als Elternteil begleitet, lächelt und kann vor dieser Einstellung nur den Hut ziehen. „Wir sind dankbar für jedes Kind gleich welcher Konfession, das sich als Sternsinger engagiert“, sagt Thomas Mundmann vom Orga-Team in St. Josef. Die Zahl von 87 Sternsingern in St. Josef sei zwar im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig, aber immer noch auf einem ordentlichen Niveau. Hingegen seien die Zahlen in St. Marien (50 Sternsinger) und St. Laurentius (55) massiv eingebrochen. Insgesamt seien im Stadtgebiet rund 70 Sternsinger weniger als in 2018 unterwegs. „Im Norden profitieren wir natürlich von den Neubaugebieten mit jungen Familien“, sagt Thomas Mundmann. Gleichwohl fehle ihm eine richtige Erklärung für den Rückgang: „Vielmehr Werbung kann man eigentlich nicht machen.“ Am Samstagmorgen waren in St. Josef noch rund 20 Straßenzüge unbesetzt. Nach dem Mittagessen im Pfarrheim sollte die Zahl noch zurückgehen: „Viele Sternsinger sind am frühen Nachmittag fertig und übernehmen spontan zusätzliche Straßen. In der Regel können wir eine Handvoll Straßen nicht belegen“, so Mundmann. Dramatischer sehe die Situation in St. Marien und St. Laurentius aus, die ähnlich viele Haushalte wie St. Josef umfassten: „Mit der diesjährigen Sternsingeranzahl kann man gar nicht das ganze Stadtgebiet abdecken. Trotzdem erreichen wir immer noch den Großteil der Bevölkerung.“

Für die Zukunft wünscht sich Mundmann, stellvertretend für alle Orga-Teams der Pfarreien, dass sich wieder mehr Sternsinger finden und der Einbruch der Zahlen nur ein Ausnahmefall bleibt. Der Segensspruch sei schnell gelernt, in der Gruppe habe man viel Spaß und zudem würden die Kinder in der Regel von Elternteilen begleitet. Der Erlös gehe in 2019 nicht nur an das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“, sondern werde teilweise auch für Projekte rund um Walewale, die ghanaische Partnergemeinde der Pfarrei St. Laurentius, verwendet.

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