Kritische Zeit im Frauenhaus beginnt jetzt
„Diese Gewalt hört nie auf“

Warendorf -

„Diese Gewalt hört nie auf“, sagt Annelie Krieter vom Warendorfer Frauenhaus-Team. „Wir können immer wieder nur dagegen aufstehen.“ Es ist die jahrelange Erfahrung bis hin zum jüngsten Treffen mit betroffenen Frauen und der Blick auf die Entwicklung der Nachfrage an Frauenhausplätzen, die diese klare Aussagen begründen. „Wir hatten im Jahr 2018 in der bald 40-jährigen Geschichte des Frauenhauses die bislang höchste Belegungszahl.“ Die konkrete Zahl der Übernachtungen im Jahr 2018 hat die Mitarbeiterin des Frauenhauses im Kopf: 6530. In den vergangenen zehn Jahren habe die Auslastung über das Jahr stetig zugenommen.

Samstag, 12.01.2019, 07:00 Uhr
Häusliche Gewalt ist und bleibt ein großes Thema in der Gesellschaft. Die Frauenhäuser in NRW sind zunehmend überlastet. Annelie Krieter vom Frauenhaus Warendorf hofft auf mehr Personal.
Häusliche Gewalt ist und bleibt ein großes Thema in der Gesellschaft. Die Frauenhäuser in NRW sind zunehmend überlastet. Annelie Krieter vom Frauenhaus Warendorf hofft auf mehr Personal. Foto: dpa/Edler

Die Weihnachtsfeiertage sind gelaufen und auch der Rutsch in das neue Jahr ist über die Bühne. Eine Zeit, in der manch einer auf eine eher ruhigere Phase im Jahresverlauf hofft. Ein Gedanke, der allerdings nicht für die Mitarbeiterinnen im Warendorfer Frauenhaus gilt. Die Frauenhausmitarbeiterin Annelie Krieter erläutert auf WN-Nachfrage warum das so ist: „Gerade über die Feiertage halten Frauen die Situation Zuhause einfach aus und das aus ganz unterschiedlichen Gründen.“ Manchmal sei gerade mit dem Reigen der Feiertage über Weihnachten und Silvester die Hoffnung bei den von häuslicher Gewalt betroffenen Frauen verbunden, dass sich eine schwierige Situation entspannen könnte. „Die kritische Zeit, dass wir vermehrte Anfragen nach einem Platz im Frauenhaus erleben, die beginnt erst gerade jetzt nach den Feiertagen“, erläutert Krieter. Und ihre Bilanz rund um die Entwicklung der Nachfrage-Situation nach einem Platz im Frauenhaus lässt keinen Raum für Hoffnung, dass häusliche Gewalt gegen Frauen irgendwann mal abnimmt oder aufhört.

„Diese Gewalt hört nie auf“, sagt Krieter. „Wir können immer wieder nur dagegen aufstehen.“ Es ist die jahrelange Erfahrung bis hin zum jüngsten Treffen mit betroffenen Frauen und der Blick auf die Entwicklung der Nachfrage an Frauenhausplätzen, die diese klare Aussagen begründen. „Wir hatten im Jahr 2018 in der bald 40-jährigen Geschichte des Frauenhauses die bislang höchste Belegungszahl.“ Die konkrete Zahl der Übernachtungen im Jahr 2018 hat die Mitarbeiterin des Frauenhauses im Kopf: 6530. In den vergangenen zehn Jahren habe die Auslastung über das Jahr stetig zugenommen.

Die freien Plätzen sind in ganz Nordrhein-Westfalen über ein Rot-Grün-Ampel-System abrufbar. Von einer roten Ampel-Situation waren im vergangenen Jahr alle Frauenhäuser in NRW häufig betroffen. „Das heißt dann zugleich ja auch immer, dass Frauen in diesem Moment keinen Schutz vor drohender Gewalt finden oder womöglich weite Wege auf sich nehmen müssen, um in anderen Bundesländern einen freien Platz in einem Frauenhaus zu finden“, zieht Krieter auf WN-Nachfrage Bilanz.

Für die Vertreterin des Frauenhauses ist diese Situation auch ein Grund dafür, dass die Freude über die von der NRW-Landesregierung im vergangenen Jahr eingeläuteten Fördermaßnahmen für Frauenhäuser eher verhalten ausfällt. Eben diese Fördermaßnahmen reichen von einer steigenden Sachkostenpauschale pro Platz bis hin zu einer Umschichtung der Finanzmittel für die Förderprogramme für traumatisierte Flüchtlingsfrauen hin zu noch mehr Unterstützung für Frauenberatungsstellen. „Natürlich sind Förderprogramme und höhere Pauschalen grundsätzlich eine gute Nachricht. Doch es sind allenfalls zwei Tropfen auf den berühmten heißen Stein.“ Generell sei die Frauenhausfinanzierung immer noch sehr lückenhaft und reiche weder für das erforderliche Personal noch für eventuelle Renovierungs- und Einrichtungsmaßnahmen. Ganz zu schweigen von einer finanziellen Unterstützung für Frauen, die ihren Aufenthalt im Frauenhaus nicht aus eigenen Mitteln bezahlen können.

„Unsere Aufnahmestruktur ist sozusagen ein Spiegel unserer Gesellschaft. Wir haben keinesfalls die Erfahrung gemacht, dass die Zahl der Frauen rückläufig ist, die als Geflüchtete eine Traumatisierung erfahren haben“, so Krieter. Gerade bei dieser Frauen-Gruppe gebe es eine Multi-Problemlage, so dass die Anstrengungen eigentlich intensiviert werden müssten, um hier Hilfe zu leisten.

„Wo es insbesondere im Frauenhaus Warendorf aus Krieters Sicht am meisten brennt, das ist die Personal-Situation. „Wir brauchen einfach mehr Personal, um betroffene Frauen intensiv begleiten zu können – auch noch nach dem Auszug aus dem Frauenhaus.“ Außerdem sei das Gebäude „Frauenhaus“ selber in die Jahre gekommen. Eine Neumöblierung und Sanierung wäre wünschenswert.

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