Östliche Ortserweiterung in Milte
Verzicht auf Grünstreifen gefordert

Milte -

Es gehe nicht um ein paar Scherben, stellte Stadtplanerin Doris Krause am Mittwochabend bei einem Erörterungstermin, in dem es um die östliche Ortserweiterung Miltes ging, klar, dass dort, wo ursprünglich einmal ein dritter Bauabschnitt des Wohngebietes Königstal hätte entstehen soll, ein großes Bodendenkmal die Ortsentwicklung erschwert. Vor diesem Hintergrund hatte die Bauverwaltung im September vergangenen Jahres empfohlen, lieber nach alternativen Flächen zur weiteren Wohnbauentwicklung im Dorf zu suchen. Nun musste die Stadtplanerin einräumen, dass solche Alternativen mittelfristig in Milte wohl nicht angeboten werden können.

Donnerstag, 07.02.2019, 20:00 Uhr
Stadtplanerin Doris Krause. ihr Kollege Achim Zimmermann (kleines Foto, Mitte) und Benedikt Epping vom Planungsbüro Hahm (PBH) aus Osnabrück stellten bei einem öffentlichen Unterrichtungs- und Erörterungstermin am Mittwochabend in der voll besetzten Aula der Grundschule Bebauungsplan- und Flächennutzungsplan-Entwurf für das Gebiet „Östliche Ortserweiterung Milte“ vor.
Stadtplanerin Doris Krause. ihr Kollege Achim Zimmermann (kleines Foto, Mitte) und Benedikt Epping vom Planungsbüro Hahm (PBH) aus Osnabrück stellten bei einem öffentlichen Unterrichtungs- und Erörterungstermin am Mittwochabend in der voll besetzten Aula der Grundschule Bebauungsplan- und Flächennutzungsplan-Entwurf für das Gebiet „Östliche Ortserweiterung Milte“ vor. Foto: Joke Brocker

Wie sehr ihnen an der Erweiterung ihres Dorfes in östlicher Richtung gelegen ist, machten die Milter Bürger einmal mehr deutlich, als sie am Mittwochabend in Scharen zu einem Erörterungstermin, zu dem die Bauverwaltung eingeladen hatte, in die Aula der Grundschule strömten. Am Ende hatten sich so viele Bürger versammelt, dass die Bestuhlung nicht ausreichte. Stadtplanerin Doris Krause , ihr Kollege Achim Zimmermann und Benedikt Epping vom Planungsbüro Hahm (PBH) aus Osnabrück, das von der Stadt mit der Erarbeitung des Bebauungsplanes für eine 5,9 Hektar große Gesamtfläche an der Ostmilter Straße beauftragt worden ist, stellten im Zuge der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung zur Aufstellung des B-Planes für das fragliche Gebiet, die Entwürfe für Bebauungsplan und Flächennutzungsplan vor.

Die Planung sieht die Entwicklung gewerblicher Bauflächen südlich der Ostmilter Straße und die maßvolle Erweiterung des bestehenden Wohngebietes Königstal I in östlicher Richtung vor. Von einer über dieses Baugebiet (Königstal II) hinausgehenden Entwicklung des Dorfes in östlicher Richtung hatte die Bauverwaltung Abstand genommen, nachdem sich der Verdacht von LWL-Archäologen bestätigte, die dort ein Bodendenkmal vermutet hatten.

Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, innerhalb Miltes nach alternativen Flächen zu suchen. Mittelfristig, musste Doris Krause am Mittwochabend einräumen, könnten solche Alternativen in Milte wohl nicht angeboten werden. Daher werde die Verwaltung dem Rat vorschlagen, nun doch den östlichen Teil des Gebietes (für den zurzeit ein Umlegungsverfahren läuft) für eine Wohngebietserweiterung in Betracht zu ziehen.

„Das sind schon mehr als drei Scherben“, stellte Krause klar, dass im Falle einer Bebauung der Fläche, unter der sich das Bodendenkmal befindet, „Graben, Bergen, Dokumentieren“ angesagt sei. Die Stadtplanerin warnte davor, die Archäologie als „Hemmschuh“ darzustellen: „Das ist unser kulturelles Erbe und man muss einen angemessenen Umgang damit finden.“ Die Details – etwa zur zulässigen Höhe der Gebäude auf der 23 000 Quadratmeter großen Gewerbefläche oder zur Traufenhöhe im nach derzeitigem Stand 9850 Quadratmeter großen Wohngebiet – die Planer Benedikt Epping vorstellte, nahmen die ziemlich angespannt wirkenden Zuhörer höflich zur Kenntnis. Sie interessierten viel mehr die Anzahl der Bauplätze, ein voraussichtlicher Baubeginn sowie die Erschließung von Gewerbe- und Wohngebiet.

Und sie zeigten wenig Verständnis für landesplanerische Vorgaben, an die sich die Bauverwaltung zu halten hat, daher eben nicht ein Gewerbegebiet, wie von einem Milter vorgeschlagen, einfach mal ein paar Meter „in die freie Plaine“ legen kann, wie Doris Krause es formulierte. Für Irritationen sorgten auch Begrifflichkeiten. So monierte ein Bürger unter Hinweis auf die Wohnungsmarktstudie, die gezeigt habe, dass Milte bis 2028 einen ortsteileigenen Bedarf von 21 Wohneinheiten habe, die seiner Meinung nach zu geringe Anzahl an Bauplätzen im Bauabschnitt Königstal II.

Doris Krause belehrte ihn, dass auf den in Rede stehenden 14 bis 15 Bauplätzen theoretisch durchaus bis zu 30 Wohneinheiten entstehen könnten. Mit der Festsetzung der maximalen Grundstücksgröße auf 760 Quadratmeter mache die Verwaltung im Übrigen ihre städtebaurechtliche Einflussnahme geltend. Sie wolle so verhindern, dass zwei Grundstücke mit lediglich einem Haus bebaut werden, wie offenbar in der Vergangenheit im Wohngebiet Königstal I geschehen.

Zuhörerin Claire Mesch appellierte an die Vertreter der Bauverwaltung, im weiteren Verfahren zu bedenken, dass Milte dringend Mietwohnungen benötige.

Christa Pigulla sprach sich dafür aus, auf den das Wohngebiet Königstal II abschließenden „Abgrünstreifen“ zu verzichten, der einerseits den Eindruck vermittele, dass das Wohngebiet damit endgültig begrenzt ist, andererseits aber auch bebaubare Fläche koste.

Geht es nach den Milter Unternehmern, ist auch der entlang des geplanten Gewerbegebietes vorgesehene Grünstreifen überflüssig. Lieber sähen sie an dieser Stelle, zwischen Hesselbrink und Ostmilter Straße, eine Erschließungsstraße zum Gewerbegebiet.

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