Opfer müssen für Schutz zahlen
Bericht aus dem Frauenhaus – Politik regt Resolution an

Warendorf -

Frauen, die von ihren Männern so verprügelt werden, dass sie in ein Frauenhaus flüchten, müssen ihren Aufenthalt in der Schutzeinrichtung selbst finanzieren. Der Tagessatz variiert je nach Kommune. Wer ein eigenes Einkommen hat und über dem Hartz IV-Satz liegt, muss zahlen.

Donnerstag, 14.02.2019, 04:00 Uhr aktualisiert: 14.02.2019, 06:53 Uhr
Frauen, die von ihren Männern so verprügelt werden, dass sie in ein Frauenhaus flüchten, müssen ihren Aufenthalt in der Schutzeinrichtung selbst finanzieren. Es sei denn, sie beziehen Hartz IV.
Frauen, die von ihren Männern so verprügelt werden, dass sie in ein Frauenhaus flüchten, müssen ihren Aufenthalt in der Schutzeinrichtung selbst finanzieren. Es sei denn, sie beziehen Hartz IV. Foto: Jörg Lange

Eine Frau wird von ihrem Mann geschlagen – immer wieder, immer häufiger. Endlich fasst sie den Mut, ihren gewalttätigen Mann zu verlassen, und wählt die Nummer des Frauenhauses. Die Mitarbeiterin am anderen Ende der Leitung bietet ihr Hilfe an, um gleich im Anschluss Fragen nach ihrem Einkommen und den finanziellen Verhältnissen zu stellen

„Das ist Bürokratie in Deutschland“, geben Melanie Kayser und Jasmin Hofmann , Mitarbeiterinnen des Warendorfer Frauenhauses, am Dienstagabend im Sozialausschuss einen Einblick in ihre Arbeit. Und sie fügen hinzu: „Ein Unding, dass die Opfer nach ihren schlimmen Gewalterfahrungen auch noch für den Schutz bezahlen müssen.”

9,12 Euro pro Tag

Frauen, die von ihren Männern so verprügelt werden, dass sie in ein Frauenhaus flüchten, müssen ihren Aufenthalt in der Schutzeinrichtung selbst finanzieren. Der Tagessatz variiert je nach Kommune. Wer ein eigenes Einkommen hat und über dem Hartz IV-Satz liegt, muss zahlen. In Warendorf 9,12 Euro pro Tag. Bei 30 Tagen rund 270 Euro. 

Wer nicht in der Lage ist, den Tagessatz zu zahlen, kann Beihilfe beantragen. Jede Frau muss die Kosten der Unterkunft pro Tag beim Jobcenter beantragen, und falls sie Geld verdient, eine Rente bezieht oder ein noch so kleines Vermögen besitzt, für ihren Schutz und den ihrer Kinder einen Eigenanteil von bis zu 100 Prozent aufbringen.

Finanzierung durch Landesmittel

Je niedriger die Zuschüsse, umso höher ist der Eigenanteil der Schutz suchenden Frauen. Lediglich bei Hartz IV-Bezieherinnen werden die gesamten Kosten übernommen. Melanie Kayser: „Studentinnen, 400-Euro-Kräfte und Normalverdienerinnen müssen selbst bezahlen.”

Finanziert wird die Arbeit des Frauenhauses mit Mitteln des Landes, des Kreises, sowie durch Eigenmittel. Spenden und Zuschüsse der Stadt.

Die Zahlen erschrecken – immer wieder: das Warendorfer Frauenhaus war auch im vergangenen Jahr voll ausgelastet, musste sogar Schutz suchende Frauen ablehnen. Auch im Jahresbericht 2018, der in Kürze erscheint, steht erneut die finanzielle Situation im Mittelpunkt. „Pauschal, verlässlich, bedarfsgerecht“ – so wünschen sich die Mitarbeiterinnen die Finanzierung von Frauenhäusern.

Resolution an das Familienministerium

„Von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder müssen jederzeit und unabhängig von der Verfügbarkeit eigenen Einkommens, aber auch unabhängig von Herkunft, Nationalität und Aufenthaltsstatus in akuten Gewaltsituationen unbürokratisch Platz in einem Frauenhaus angeboten werden.”

Bei ihrer Forderung kann sich das Warendorfer Frauenhaus der Unterstützung aller Fraktionen im Rat der Stadt Warendorf sicher sein. Doris Kaiser (CDU) untermauerte dies mit einer Resolution, die der Rat ans Familienministerium auf den Weg bringen könnte.

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