Karnevalskostüme
Nähen, kleben – und manchmal tackern

Warendorf -

Es sind nur noch rund zwei Wochen bis zur heißen Phase des Karnevals. Dabei stellt sich die K-Frage: Kostüm kaufen oder kreieren? Wir haben uns umgeschaut und umgehört, wie eingefleischte Karnevalisten wie „Echte Fründe“ das halten und wie und wo sich ein passendes Outfit für die närrischen Tage finden lässt.

Samstag, 16.02.2019, 00:30 Uhr aktualisiert: 16.02.2019, 11:12 Uhr
Was blüht den da? Zu den auffälligsten Kostümen der „Echten Fründe“ gehörten die Blumentöpfe.
Was blüht den da? Zu den auffälligsten Kostümen der „Echten Fründe“ gehörten die Blumentöpfe. Foto: Echte Fründe

Bislang ist es Ingrid Reimer noch nie zu bunt geworden – im Gegenteil. Wenn sie von Karneval erzählt, bekommt sie leuchtende Augen. „Wir sind eine richtige Karnevalisten-Familie“, sagt die Warendorferin, deren Mann Wolfgang und deren Sohn Jens Mitglieder des Bürgerausschusses sind. Sie selbst ist einer der kreative Köpfe, die dafür sorgen das „Echte Fründe“ seit vielen Jahren beim Warendorfer Rosenmontagsumzug mit ihren immer wieder originellen Kostümen zu den Hinguckern unter den Fußgruppen zählen.

So lange ich Rosenmontag noch mit einem Kribbeln im Bauch das Haus verlasse, mache ich weiter.

Ingrid Reimer

„Wir sind eigentlich eine ganz alte Clique, die sich schon aus der Jugendarbeit der Gemeinde St. Josef kennt“, berichtet Ingrid Reimer. Der Wunsch, sich auch später – viele hatten inzwischen eine Familie – nicht aus den Augen zu verlieren, brachte die Truppe auf die Idee, gemeinsam beim Rosenmontagsumzug mitzulaufen. „Es muss etwa 2005 gewesen sein, als wir das erste Mal alle als Waldfeen und Zwerge dabei waren“, erinnert sich Ingrid Reimer. Seither haben sie nicht mehr gefehlt. „Und so lange ich Rosenmontag noch mit einem Kribbeln im Bauch das Haus verlasse, mache ich weiter.“

Ingrid Reimer

Ingrid Reimer Foto: Echte Fründe

Lebendes Mensch-Ärgere-Dich-Nicht

Zu besten Zeiten waren „Echte Fründe“ mit bis 40 zu Leuten auf der Straße – „der feste Kern“, die Kinder und deren Freunde. Zuletzt waren es um die 20 – und das jedes Jahr unter einem neuen Motto. „Unsere Ansprüche an die Kostüme sind immer größer geworden“, sagt Ingrid Reimer. An Ideen mangelt es fürwahr nicht. Ob als Meerjungfrauen und Neptun, als Raupen, Staubwedel, Disco-Tänzer, Winddrachen oder Muffins, um nur ein paar Beispiele zu nennen – „Echte Fründe“ beweisen immer wieder Wandlungsfähigkeit. Auch als lebendes Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Spiel, bei dem alle als bunte Figuren in Kegelkostümen mit Spielbrett auf dem Kopf unterwegs waren. Eines der aufwendigsten Kostüme: Chipstüten. „Wir haben dafür über Monate Berge echter Verpackungen gesammelt, um daraus Überwürfe anzufertigen.“

Wir haben uns noch immer geeinigt und sind noch nie nackig losgelaufen.

Ingrid Reimer

Vor der Kür steht eben die Pflicht. „Das ist immer eine Mordsorganisation“, verrät Ingrid Reimer. Kaum ist Rosenmontag vorbei, werden ab Aschermittwoch die ersten Ideen für die neue Session entwickelt. „Spätestens im Sommer setzen wir uns dann zusammen und sammeln die Vorschläge. Die werden beraten, und am Ende wird gemeinsam entschieden. Schließlich müssen die Kostüme allen gefallen und passen – Mann und Frau, groß und klein, dick und dünn. Jeder soll sich darin wohl fühlen, und es muss für jeden Geldbeutel erschwinglich sein“, betont Ingrid Reimer. Natürlich gebe es auch mal unterschiedliche Vorstellungen. „Aber wir haben uns noch immer geeinigt und sind noch nie nackig losgelaufen.“

Die K-Frage - Kostüme kaufen oder selbst kreieren?

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  • „Echte Fründe“: So nennt sich diese Fußgruppe, die seit vielen Jahren mit originellen Kostümen am Warendorfer Rosenmontagsumzug teilnimmt – hier als Muffins.

    Foto: Echte Fründe
  • Jedes Jahr überlegen sich die „Echten Fründe“ ein neues Motto, zu dem sie das passende Outfit entwerfen. Eines der aufwendigsten Kostüme waren die Ballonfahrer, die mit viel Liebe zum Detail angefertigt wurden. Am Morgen des Rosenmontags wurden noch in einer Garage die bunten Ballons mit Gas gefüllt.

    Foto: Echte Fründe
  • Was blüht den da? Zu den auffälligsten Kostümen der „Echten Fründe“ gehörten auch die Blumentöpfe.

    Foto: Christoph Lowinski
  • Ingrid Reimer ist einer der kreative Köpfe, die dafür sorgen das „Echte Fründe“ seit vielen Jahren beim Warendorfer Rosenmontagsumzug mit ihren immer wieder originellen Kostümen zu den Hinguckern unter den Fußgruppen zählen.

    Foto: Echte Fründe
  • „So lange ich Rosenmontag noch mit einem Kribbeln im Bauch das Haus verlasse, mache ich weiter“, sagt Ingrid Reimer, die bei einer Behörde arbeitet.

    Foto: kvb
  • Ein närrischer Lindwurm? Nein – „Echte Fründe“ als Raupen.

    Foto: Echte Fründe
  • Und auch als Clowns war die Truppe schon unterwegs.

    Foto: Echte Fründe
  • Eine weitere Fußgruppe, die sich aus ehemaligen Mitgliedern und Trainerinnen des WaKaGe-Balletts, Stammtisch-Freundinnen sowie Frauen der Elferratsmänner und der Prinzengardisten zusammensetzt, ist seit eineinhalb Jahrzehnten beim Warendorfer Rosenmontagsumzug dabei – hier als Venezianerinnen mit Pailletten-besetzten pink-lila Umhängen.

    Foto: Gilda Dreßen
  • Auch als Mexikaner mit aufwendig aufgepeppten Sombreros war die Truppe schon unterwegs.

    Foto: Gilda Dreßen
  • Im vergangenen Jahr war das Motto: Clowns.

    Foto: Gilda Dreßen
  • Im vergangenen Jahr war das Motto: Clowns.

    Foto: Gilda Dreßen
  • Im vergangenen Jahr war das Motto: Clowns.

    Foto: Gilda Dreßen
  • Bei Stoffe Werning finden alle, die nichts „von der Stange“ wollen, was des Self-Made-Karnevalisten Herz begehrt (hier: die Verkäuferinnen Marianne Holtmann und Gudrun Stieg).

    Foto: kvb
  • Wer nicht selber nähen möchte, findet – vor allem für Kinder – viele Kostüme bei Spielwaren Kieskemper in Freckenhorst. Verkäuferin Elisabeth Nergert zeigt hier ein Räuber-Hotzenplotz- und das Einhorn-Kostüm.

    Foto: kvb
  • Mit Karneval nichts am Hut? Ganz und gar nicht bei Kieskemper.

    Foto: kvb
  • Flamingo oder Einhorn? Das ist hier – bei Takko – die Frage.

    Foto: kvb
  • Oder soll’s ein Früchtchen sein?

    Foto: kvb
  • Diese furchterregende Antlitz gibt es bei Tedi – doch auch die Ork-Maske (rechts) sorgt bei vielen sicherlich für Gruseleffekte.

    Foto: Kristian van Bentem

Großer Kostüm-Fundus

Steht das Motto fest, werden die Kostüme zwischen Anfang November und Jahresbeginn angefertigt. „Kaufen kommt bis auf Perücken und Accessoires nicht in Frage. Wir machen alles selbst“, so Ingrid Reimer. Also wird genäht, gebastelt, geklebt – „und manchmal auch getackert, wenn es nötig ist“. Und da kein Kostüm weggeworfen wird („Nur ein paar ganz alte Kinderkostüme habe ich mal ausgemistet“), verfügen „Echte Fründe“ inzwischen über einen reichen Fundus, aus dem sich das eine oder andere Stück „recyceln“ lässt – was Zeit und Geld spart. „Schließlich kosten Kostüme für vier, fünf Leute in einer Familie einiges.“ So konnten etwa die Körbe, die für das aufwendige Motto „Ballonfahrer“ angefertigt wurden, später in Blumentöpfe umgestaltet werden.

Es ist toll, wenn jedes Jahr Leute am Straßenrand stehen, die für uns klatschen und sagen, dass sie nur auf uns gewartet haben, weil sie auf unsere neuen Kostüme gespannt sind.

Ingrid Reimer

Der enorme Aufwand lohnt sich – nicht nur, weil die Truppe selbst so viel Freude dabei empfindet. „Es ist toll, wenn jedes Jahr Leute am Straßenrand stehen, die für uns klatschen und sagen, dass sie nur auf uns gewartet haben, weil sie auf unsere neuen Kostüme gespannt sind.“

Bleibt die spannende Frage, wie man „Echte Fründe“ in gut zwei Wochen beim Rosenmontagsumzug sehen wird. „Das wird noch nicht verraten“, lässt sich Ingrid Reimer nichts entlocken. Nur so viel: „Es wird bunt.“

Eine weitere Fußgruppe, die sich aus ehemaligen Mitgliedern und Trainerinnen des WaKaGe-Balletts, Stammtisch-Freundinnen sowie Frauen der Elferratsmänner und der Prinzengardisten zusammensetzt.

Eine weitere Fußgruppe, die sich aus ehemaligen Mitgliedern und Trainerinnen des WaKaGe-Balletts, Stammtisch-Freundinnen sowie Frauen der Elferratsmänner und der Prinzengardisten zusammensetzt. Foto: Gilda Dreßen

Wenn aus Vogelscheuchen Schneeköniginnen werden

Stammgast beim Umzug ist seit eineinhalb Jahrzehnten auch eine Fußgruppe, die sie sich aus ehemaligen Mitgliedern und Trainerinnen des WaKaGe-Balletts, Stammtisch-Freundinnen sowie Frauen der Elferratsmänner und der Prinzengardisten zusammensetzt. „Wir rund 25 Leute von Mitte 20 bis Anfang 50, dazu einige Kinder – und gelegentlich auch mal ein Mann“, sagt Gilda Dreßen mit einem Schmunzeln. „Ein gutes Motto finden wir immer. Mal fällt einem was in Sitzungen im Fernsehen auf, mal im Internet.“ Im Januar treffen sich alle zum Wochenende mit Nähmaschinen und fertigen die Kostüme an. Beim ersten Mal waren sie als Vogelscheuchen dabei, seither unter anderem als bunte Farbpaletten mit Eimer und Pinsel, als Mexikaner mit aufwendig aufgepeppten Sombreros („Meistens ist an den gekauften Sachen nicht genug Glitzer“), als Schneeköniginnen („Die weißen Kostüme sahen nach zwei Jahren sehr mitgenommen aus . . .“) oder als Venezianerinnen mit Pailletten-besetzten pink-lila Umhängen. Und in diesem Jahr? Da wird die Frauen- und Kindergruppe in Clown-Kostüme mit Tüll-Puschel und Tüll-Kragen schlüpfen.

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