Background-Sängerin
Giulia Wahn steht beim ESC auf der Bühne

Warendorf -

Eigentlich war der Traum für Giulia Wahn schon ausgeträumt: Einmal beim Eurovision Song Contest auf der Bühne stehen und singen. Und dann war es plötzlich ganz einfach so. Sogar ohne Casting. Jetzt fliegt die 31-Jährige nach Tel Aviv.

Samstag, 09.03.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 09.03.2019, 13:35 Uhr
Background-Sängerin: Giulia Wahn steht beim ESC auf der Bühne
Glückskind: Giulia Wahn, die mit verschiedenen Bands in Clubs und bei großen Events auftritt, wird beim ESC im Mai im Background-Chor des Sängers Serhat singen, der für San Marino an den Start geht. Foto: Joke Brocker

Wahnsinn – dass ihr Nachname zu naheliegenden Wortspielen animiert, ist für Giulia Wahn ungefähr so neu wie die Tatsache, dass ihr Vorname selten korrekt geschrieben wird. Aber diesmal, findet die Sängerin, die vor den Toren Warendorfs ihren privaten Ruhepol hat, passe es. Es sei „der totale Wahnsinn“, dass sie im Mai am Eurovision Song Contest (ESC) in Israel teilnehmen dürfe.

Damit gehe ein Kindheitstraum in Erfüllung. Eigentlich hatte die 31-Jährige, die als Kind bis in die Puppen aufbleiben und für ihre Favoriten die Hotline anrufen durfte, wenn der ESC, der damals noch Grand Prix Eurovision de la Chanson hieß, übertragen wurde, diesen Traum längst verworfen. Vor drei Jahren, erzählt sie, habe sie einmal Anstalten gemacht, für Deutschland aktiv am ESC teilzunehmen. Aber: „Das ist so groß, ein unerreichbares Ding.“

Voll der Ohrwurm, ein typischer ESC-Song.

Giulia zum Lied, das sie im Chor mitsingen wird

Dachte Giulia. Bis sie im Januar plötzlich eine Nachricht des Musikproduzenten Frank Motnik (FMO AudioVision) aus Frankfurt auf ihrem Smartphone fand. Motnik, Produzent von ESC-Songs, mit denen in der Vergangenheit Länder wie Malta oder Schweden ins musikalische Rennen gingen, hatte mit „Say na na na“ diesmal einen Popsong produziert, den der türkische Sänger Serhat für San Marino performen wird.

„Voll der Ohrwurm, ein typischer ESC-Song“, findet Giulia Wahn, die schon als 17-Jährige mit der vor 30 Jahren gegründeten „Soulfamily“ als „funk chicken of soul“ auf der Bühne stand und heute, bei mehreren Agenturen unter Vertrag, mit verschiedenen Bands in Clubs, bei After-Work-Veranstaltungen, auf Messen oder Firmen-Events auftritt.

Der charismatische Serhat, ein Star von Weltformat, der in den USA, in Frankreich und der Türkei die Charts gestürmt hat und vor drei Jahren schon einmal beim ESC für San Marino angetreten war, hatte sich ausdrücklich einen stimmgewaltigen Background-Chor gewünscht. Mit den Besten der Besten. Diese sollten gut singen, sich gut bewegen können und obendrein noch gut aussehen.

Online-Casting im Verborgenen

Frank Motnik hörte sich in der Szene um und stieß auf Giulia Wahn. Als diese in Erwartung eines Castings nach Frankfurt reiste, erfuhr sie zu ihrer Überraschung, dass das Casting längst gelaufen war. Der Produzent hatte, Instagram, Youtube, Facebook und Co. sei Dank, längst einen umfassenden Eindruck vom musikalischen Können und der Bühnenpräsenz Giulias, die als 24-Jährige bundesweit bekannt wurde, als sie Teilnehmerin der zweiten Staffel von „The Voice of Germany“ war.

„Es ging nur noch ums Kennenlernen.“ „Das ist ein geiler Background-Chor“, schwärmt die quirlige Blondine, die ihre Mitstreiter vor einer Woche zum ersten Mal getroffen hat: Chantal Hartmann, Ehefrau des Produzenten, die auch den Chor geschrieben hat, Ines Voca, Juan Geck sowie Sebastian Okouagbe. Heute trifft sich das Quintett erneut. Danach werde nur noch zweimal geprobt, ehe es in den Flieger nach Tel Aviv – „Ich glaube das erst, wenn ich drin sitze“ – gehe. Dort fänden dann Fittings, Stage- und Generalproben statt. Während Deutschland bereits für das ESC-Finale gesetzt ist, muss sich San Marino erst noch der Konkurrenz im Halbfinale am 14. Mai um 21 Uhr stellen. Das Finale findet am 18. Mai ab 21 Uhr statt.

„Vielleicht vertrete ich ja mal Belgien“

Ehe es so weit ist, hat die gelernte Event-Managerin, die stets mit einem DIN-A4-Kalender unterwegs ist, um alle Termine im Blick zu behalten, in der Heimat noch reichlich zu tun. Unter anderem zeichnet sie für die musikalische Leitung der Münstarity-Benefizgala am 30. März verantwortlich. Wenn sie in Israel erfolgreich ist? „Wer weiß“, schmunzelt die Deutsch-Belgierin, „vielleicht vertrete ich ja irgendwann mal Belgien beim ESC . . .“

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