Glocken für Glaubensbrüder
Bald klingen sie in Poltnitz

Warendorf -

Jetzt sind sie weg, die ehemaligen Glocken der evangelischen Heilig-Geist-Kirche in Beelen: Protestanten aus dem mecklenburgischen Poltniz nahem sie mit, um sie in der dortigen Dorfkapelle in installieren.

Montag, 01.04.2019, 16:44 Uhr aktualisiert: 07.04.2019, 14:50 Uhr
Einen üppigen Geschenkkorb mit „Ostprodukten“ aus dem „Dorfkonsum“ überreichten die Gäste aus dem mecklenburgischen Slate mit Pastor Konrad Kloss an der Spitze im Festgottesdienst in der Christuskirche als Dank für die beiden geschenkten Glocken.
Einen üppigen Geschenkkorb mit „Ostprodukten“ aus dem „Dorfkonsum“ überreichten die Gäste aus dem mecklenburgischen Slate mit Pastor Konrad Kloss an der Spitze im Festgottesdienst in der Christuskirche als Dank für die beiden geschenkten Glocken. Foto: Ulrike von Brevern

Für den bewegenden Abschied, der am Sonntagmorgen in der Christuskirche gefeiert wurde, waren am Ende starke Männer gefragt. Zwei der drei Glocken aus der Heilig-Geist-Kirche in Beelen, die 2015 von der Gemeinde aufgegeben worden war, standen vor dem Altar und sollten auf die Reise gehen. Gut 450 Kilometer sind es bis in ihre neue Heimat, die kleine Dorfkapelle im mecklenburgischen Poltnitz.

Eine sechsköpfige Delegation mit Pastor Konrad Kloss an der Spitze war aus der Gemeinde Slate in der Nähe von Parchim angereist, um das wertvolle Geschenk persönlich abzuholen. Die Glocken, die 1958 von der katholischen Gemeinde den evangelischen Mitchristen geschenkt wurden, mussten in Beelen weichen, da der Turm die Last von drei Glocken nicht mehr tragen konnte. In der inzwischen veräußerten Kirche schlägt nun nur noch die historische Glocke von 1924.

Sie klingt wie Eimer.

Poltnitz‘ Küster Karl-Otto Harstädt zu der jetzigen Kapellenglocke

„Bewegt und glücklich“ seien sie von dem warmherzigen Empfang in Warendorf, bekannte Kloss, der die Festpredigt im sehr gut besuchten Gottesdienst hielt. Genauso wie sichtlich bewegt von der Spende. Beide Seiten hatten Kontakt mit dem Glockensachverständigen der evangelischen Kirche, Dr. Klaus Peter, aufgenommen, der die Weitergabe vermittelte. Die Glocken wurden gemeinsam weitergegeben, weil sie klanglich aufeinander abgestimmt sind.

In Poltnitz hängt bereits eine Glocke, berichteten die Gäste, die allerdings dringend ersetzt werden müsse. „Sie klingt wie Eimer“, verriet der ehemalige langjährige Küster Karl-Otto Harstädt , der sich auch an den Ursprung erinnerte: „Die haben die Russen mitgebracht, als sie einmarschiert sind. Sie hatten die wohl bei irgendeinem Gutshof mitgenommen und benutzten sie, um die Soldaten im Lager zum Essen zu rufen.“

Ostprodukte aus dem „Dorfkonsum“

Bei der Auswahl eines Gastgeschenkes ließen die Mecklenburger viel Humor durchblitzen. „Wir haben einen Dorfkonsum, da haben wir alles zusammengesucht, was alte Ostprodukte waren“, beschrieb Pastor Kloss den üppigen Geschenkkorb. Auf der langen, warmen Fahrt ins Westfälische habe man befürchtet, dass all die Schokolade schmelzen könne. „Na, dann schmeckt‘s wenigstens auch wie früher“, habe Küsterin Carola Harstädt kommentiert.

Herzliche Einladung zur Einweihung

Bis die Glocken in der Kapelle, die von der Autobahn 24 zwischen Hamburg und Berlin aus zu sehen sei, wirklich hängen, kann es noch etwas dauern. Zunächst muss die Gemeinde das Geld für die notwendigen Bauarbeiten auftreiben, sagte Kloss. Dennoch soll der Kontakt nicht abbrechen: „Wir kommen dann mal“, hatte Pastor Herwig Behring schon gleich zu Beginn des Gottesdienstes angekündigt und Kloss schloss am Ende ebenfalls eine herzliche Einladung an.

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