Unterstützung für jugendliche Demonstranten
Früherer Lehrer ist jetzt „Opa For Future“

Freckenhorst -

Für Schüler, die sich für andere Menschen, die Umwelt und ihre Zukunft einsetzten und dafür freitags zwei, drei Stunden Mathe, Geschichte oder Deutsch verpassen, hat Johannes Brandhofe volles Verständnis. Und nicht nur das. Der pensionierte Lehrer macht mit. Als „Opa For Future“.

Dienstag, 02.04.2019, 16:00 Uhr aktualisiert: 02.04.2019, 16:42 Uhr

Seit Wochen gehen Kinder und Jugendliche in ganz Europa freitags auf die Straße statt in die Schule und demonstrieren unter dem Motto „ Fridays for future “ für den Klimaschutz, bei dem die Politik in ihren Augen auf ganzer Linie versagt. Recht haben die Schüler nach Ansicht des Freckenhorsters Johannes Brandhofe, der sich mit den jungen Demonstranten solidarisiert hat. Man dürfe die Jugendlichen nicht alleine lassen. Die von ihnen losegetretene Welle brauche Bewegung, um auf ganz Europa überzuschwappen. Und diese Bewegung müsse aus allen Altersschichten kommen, findet der dreifache Großvater.

Und so hat er, zur Verblüffung seiner 16, 15 und 13 Jahre alten Enkel, ein Schild „Opa For Future“ gemalt, mit dem er sogar täglich vor den Supermärkten in der Neuen Mitte, vor der Sparkasse oder vor der Gärtnerei Murrenhoff steht. „Finde ich top“, ruft ihm eine Kundin des Edeka-Marktes zu, vor dem er Dienstagmorgen mit zahlreichen Passanten ins Gespräch kommt.

Einerseits ist der Klimawandel ein Thema. Es geht um steigende Meeresspiegel und Temperaturen, schmelzende Gletscher oder den nach Ansicht Brandhofes unverantwortlichen Neubau weiterer Kohlekraftwerke in Polen oder Russland.

Andererseits muss der 74-jährige Ex-Lehrer auch mit Eltern diskutieren, die kein Verständnis für die Freitags-Demos haben. „Schule ist for future“, sagt etwa Ira Lenz. Demonstrieren könnten die Schüler auch nachmittags oder am Samstag, meint die Mutter eines Sechstklässlers. Brandhofe, bis vor zehn Jahren Lehrer an der Erich-Kästner-Schule in Oelde, einer Förderschule für körperliche und motorische Entwicklung, hält dagegen, dass Schüler, die sich für ihre Mitmenschen, die Umwelt und die Zukunft einsetzten, ruhig mal zwei, drei Stunden Mathe, Geschichte oder Deutsch verpassen könnten. Die Freitags-Demos verbucht er unter „angewandte politische Bildung“: „Das ist Praxisnähe und Lebensnähe.“ Dass die jungen Demonstranten den Politikern Versagen vorwerfen, wundert den ehemaligen SPD-Ratsherrn nicht. Kinder und Jugendliche wüssten eben nicht so genau über parlamentarische Hürden und Abläufe Bescheid. Gleichwohl sähen sie, dass Beschlüsse, etwa nach Klimagipfeln, nicht umgesetzt werden.

Der „Opa For Future“, der auf Mitdemonstranten hofft, war schon immer umweltbewusst unterwegs. Er initiierte die SPD-Umweltaktion, die gerade wieder stattgefunden hat und stiftete den Freckyo-Umweltpreis, der allerdings mittlerweile in der Versenkung verschwunden ist. Den Weg zu seinem Arbeitsplatz legte er jahrelang bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad zurück. Wenn er auf dem Wochenmarkt einkauft, hat er einen Tupper-Topf für Fleisch und Stoffbeutel für Obst und Gemüse dabei. Seinen Rasen düngt er mit Kompost, das Lavendelbeet in seinem Garten ist eine Bienenweide.

Und wenn Brandhofe im Mai die „Opa-For-Future“-Demos unterbricht, um mit seiner Frau Goldene Hochzeit zu feiern, steigt er nicht etwa in den Flieger oder auf ein Kreuzfahrtschiff, sondern ins Auto. Am Ziel, dem Kaiserstuhl, satteln die Brandhofes, um die Region zu erkunden, aufs Fahrrad um.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6514044?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F35766%2F
Nachrichten-Ticker