WN-Hausbesuch: Heute bei Klaus Jürgen Sander
Zimmer voller Erinnerungen

Warendorf -

Die Westfälischen Nachrichten kommen zu Ihnen nach Hause. WN-Redakteur Joachim Edler hat sich vorgenommen, 33 Hausbesuche in diesem Jahr zu machen. 33 lokale Lesegeschichten. Immer im Mittelpunkt: der Mensch. Der dritte Hausbesuch fand bei Klaus Jürgen Sander im Dechaneihof statt.

Donnerstag, 11.04.2019, 04:00 Uhr
Stolz zeigt Klaus Jürgen Sander ein Bild seiner Eltern Paul und Charlotte Sander (links). Rechts im Bild: Klaus Jürgen mit seiner Schwester Ursula, die heute in der Hansestadt Lübeck wohnt. Kleines Bild: Erinnerung an eine Gebirgswanderung, Klaus Jürgen Sander ist der zweite junge Mann von rechts, stehend.
Stolz zeigt Klaus Jürgen Sander ein Bild seiner Eltern Paul und Charlotte Sander (links). Rechts im Bild: Klaus Jürgen mit seiner Schwester Ursula, die heute in der Hansestadt Lübeck wohnt. Kleines Bild: Erinnerung an eine Gebirgswanderung, Klaus Jürgen Sander ist der zweite junge Mann von rechts, stehend. Foto: Joachim Edler

Klaus Jürgen Sander schaut aus dem Fenster. Er zeigt auf das Vogelhäuschen auf der Terrasse, den Garten, und den Parkplatz. „Ich fühle mich hier sauwohl“, sagt der Sauerländer. Die Schwestern beschreiben den Senior als „geistig vital, aber impulsiv.“

Das Zimmer im Erdgeschoss des Dechaneihofes St. Marien in Freckenhorst ist lichtdurchflutet. An den Wänden hängen viele Bilder, Porträts, Urkunden, Auszeichnungen, Stadtwappen – Erinnerungen an eine Zeit, als es dem 80-Jährigen gesundheitlich noch besser ging als heute – als ehemaliger Bürger und Ehrenamtler der Stadt Kamen, genauer gesagt des Stadtteils Methler. „Durch seinen freiwilligen Einsatz trägt er dazu bei, dass sich das gesellschaftliche Leben und Zusammenleben in Kamen gut entwickelt“, hat Klaus Jürgen Sander schwarz auf weiß vom Bürgermeister der Stadt Kamen. Sein Engagement galt dem Sauerländer Gebirgsverein (SGV), dessen Ehrenmitglied er heute noch ist. So hat der gelernte Mauer maßgeblich am Aufbau einer Wanderhütte mit 22 Übernachtungsbetten mitgearbeitet – ehrenamtlich.

Geboren am 7. November 1938 am „Kamener Kreuz“, wie Sander scherzt, Lehre als Maurer im elterlichen Baugeschäft. Als der Vater bei einem tragischen Verkehrsunfall viel zu früh ums Leben kam, war Klaus Jürgen Sander gerade 20 Jahre jung. „Meine Mutter stellte einen Bauführer ein, ich war noch zu jung, um den Betrieb zu übernehmen, zwei Jahre später ging die Firma in Konkurs. „Meine Mutter musste wieder arbeiten; und ich machte eine zweite

Lehre zum Straßenbauer bei Oevermann.“ Es folgte der Aufstieg zum Schachtmeister. Über 20 Jahre lang arbeitete Sander im Straßenbau, überwiegend auf Bundesstraßen, bis er 1981 nach reiflicher Überlegung den Entschluss fasste: „Jetzt ist Schluss!“ Klaus Jürgen Sander wollte nicht mehr angestellt sein, sondern sein eigener Herr. Er gründete die Firma „Sander Bautechnik“. „Ich hatte schon immer ein Faible für die Sanierung von Häusern.“ Klaus Jürgen Sander versuchte sein Glück als selbstständiger Handelsvertreter, verkaufte zuerst Kunststoff-Fenster, später kamen Alu-Haustüren dazu. Das Geschäft boomte. „An jedem Haus, wo ein Sandhaufen lag, hielt ich an und pries meine Fenster an. Das Geschäft lief gut. Anfangs bekam ich zehn Prozent Provision. Als die Provision auf drei Prozent sank, sagte ich wieder zu mir: „Jetzt ist Schluss! 27 Jahre Angestellter, 33 Jahre selbstständig. Mit 60 ging ich in Rente. Im Jahre 2015 verkauften meine Frau Renate und ich unser Haus in Methler und zogen nach Warendorf.

Hier wohnt unsere Tochter Astrid.“

Während Ehefrau Renate weiter in der Allensteiner Straße wohnt, verbringt Klaus Jürgen Sander seinen Lebensabend seit dem 20. November 2018 im Freckenhorster Seniorenwohnheim – der Krankheit wegen. „Ich leide unter Polyneuropthie – einer Erkrankung des peripheren Nervensystems. Ich habe Missempfindungen in den Oberschenkeln, Kribbeln oder stechende, brennende Schmerzen unter den Füßen. Ich sage immer dazu: Ich stehe unter Strom.“

Klaus Jürgen Sander hat gelernt, mit seiner Krankheit zu leben. Sein Wochenplan im Dechaneihof: Yoga, Klönsnack, Spiele, Singen, Meditation und Messe – und Besuche.“ Der 80-Jährige interessiert sich für das Lokalgeschehen in Warendorf, liest die Westfälischen Nachrichten und freut sich auf den Hansetag im Mai.

Laut seiner Empfehlung werde der Sauerländer Gebirgsverein der Abteilung Methler und der Schul- und Heimatverein Kamen-Westrick am 18. Mai mit 50 Wander- und Heimatfreunden den Hansetag in Warendorf besuchen. Und soweit es seine Gesundheit zulasse, werde er diese auch gerne persönlich begrüßen wollen – schließlich sei er ja Ehrenmitglied des Vereins. Seine Tochter Astrid habe schon zugesagt, ihn am Rollator zu begleiten.

An Warendorfs Bürgermeister Axel Linke hat Klaus Jürgen Sander einen Brief geschrieben, in dem er dem „Ersten Bürger der Stadt“ einen Vorschlag unterbreitet. Der 80-Jährige regt an, Warendorf künftig mit dem Zusatz Hansestadt zu versehen. Und dies nicht nur auf Ortseingangsschildern und Autokennzeichen, sondern auch im Logo des städtischen Briefpapiers.

Am 4. März habe er den Brief abgeschickt – eine Antwort aber noch nicht erhalten.

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