Hansetag: Stadtführer müssen Warendorfs Geschichte neu erzählen
Von Warendorf in die Welt

Warendorf -

Warendorfs Geschichte muss neu erzählt werden, dafür drücken zurzeit die Gästeführer die Schulbank bei Altstadtfreund Laurenz Sandmann. Nach neuesten historischen Forschungen war die Ems schon im Mittelalter schiffbar und besaß am Kolk einen Hafen. Diese Erkenntnisse brachten die Warendorfer Ratsprotokolle und Kämmereirechnungen ans Tageslicht, die im Vorfeld der Ausrichtung des Westfälischen Hansetages am 18. und 19. Mai erstmals richtig durchforstet wurden.

Donnerstag, 11.04.2019, 17:00 Uhr
Dort, wo sich heute die Hochbeete der „Essbaren Stadt“ an der Kolkstiege befinden, wurden zur Blütezeit der Westfälischen Hanse Waren verschifft – überwiegend Leinenprodukte. Zeitzeuge ist das Speicherhaus an der Kolkstiege 1 (im Hintergrund). Bürgermeister Axel Linke, Kulturamtsleiter Horst Breuer, sowie André Auer und Claudia Körk (beide Stadt-Tourismus) warben am Dienstag für den Hansetag.
Dort, wo sich heute die Hochbeete der „Essbaren Stadt“ an der Kolkstiege befinden, wurden zur Blütezeit der Westfälischen Hanse Waren verschifft – überwiegend Leinenprodukte. Zeitzeuge ist das Speicherhaus an der Kolkstiege 1 (im Hintergrund). Bürgermeister Axel Linke, Kulturamtsleiter Horst Breuer, sowie André Auer und Claudia Körk (beide Stadt-Tourismus) warben am Dienstag für den Hansetag. Foto: Joachim Edler

Die Stadt Warendorf hat es ja bekanntlich Schwarz auf Weiß: Es gab einen Hafen an der Ems. Und zwar dort, wo sich heute die Hochbeete der „Essbaren Stadt“ an der Kolkstiege befinden, wurden zur Blütezeit der Westfälischen Hanse Waren verschifft – überwiegend Leinenprodukte. Zeitzeuge ist das Fachwerkhaus Kolkstiege 1 und die zwei dahinterliegenden Fachwerkhäuser, darunter das Paul-Schallück-Haus, alle drei Packhäuser (Speicher).

Warendorfs Geschichte muss neu erzählt werden, dafür drücken zurzeit die Gästeführer die Schulbank bei Altstadtfreund Laurenz Sandmann . Nach neuesten historischen Forschungen war die Ems schon im Mittelalter schiffbar und besaß am Kolk einen Hafen. Diese Erkenntnisse brachten die Warendorfer Ratsprotokolle und Kämmereirechnungen ans Tageslicht, die im Vorfeld der Ausrichtung des Westfälischen Hansetages am 18. und 19. Mai erstmals richtig durchforstet wurden. Das Dezentrale Stadtmuseum zeigt vom 26. April bis 8. September die Ausstellung „Der ehrbare Kaufmann – Waren, Wege, Währungen“ im Historischen Rathaus. Die Ausstellung beleuchtet Waren und Wege, die von Warendorf ausgehend in die Welt gelangten.

Sie versucht den Bogen zu spannen zwischen den mittelalterlichen und heutigen Handelswegen und lässt Kaufleute beider Epochen fiktiv miteinander korrespondieren. Einen der Höhepunkte der Ausstellung bildet das Münzkabinett, in dem der sogenannte Everswinkeler Münzschatz präsentiert wird. „Nach über 326 Jahren kommt die Münzprägemaschine nach Warendorf zurück, als Leihgabe des Städtischen Museums Münster“, gab Kulturamtsleiter Horst Breuer gestern einen ersten Einblick in die Ausstellung, die sich noch im Aufbau befindet. Ein Schatz mit über 400 Münzen war im Jahr 1860 im Zuge von Rodungsarbeiten einer Wallhecke auf dem Gelände des Hofes Westholt in der Everswinkeler Bauerschaft Ertel gefunden worden. 14 Münzen davon werden in Warendorf zu sehen sein. „Früher“, so Breuer, „war es gang und gäbe, das Familiensilber im Garten zu verbuddeln, um sein Hab und Gut vor Räubern zu schützen. Ein reisender Kaufmann hatte den Münzschatz in Everswinkel vergraben. Die Münzen aus vielen verschiedenen Städten zeichnen ein beeindruckendes Bild von den weit verzweigten Handelswegen dieses Kaufmanns.“

Von Warendorf in die Welt, das ist auch der Gedanke, den die Stadt bei der Ausrichtung des Westfälischen Hansetages hat. Zum ersten Warendorfer Hafenfest verschenkt die Stadt Bausätze kleiner Segelschiffe. Dahinter steht ein Fotowettbewerb. Der Bastelsatz soll mit in den Sommerurlaub genommen werden, am Urlaubsort zusammengebaut – und zum Beispiel an der Tower-Bridge in London, zu Wasser gelassen werden. Ein Foto von der Schiffsstaufe und ab an die Stadt Warendorf geschickt – der beste Schnappschuss wird am Ende prämiert. Der nackte Holzspäne-Bausatz für die Emspünte, wie die Handelsschiffe früher hießen, darf gerne bunt angemalt werden.  

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