WN-Serie „Gottes Häuser“
Die „Neue Pfarre“ ist eigentlich uralt

Warendorf -

In unserer Serie „Häuser für Gott“ stellen wir die Kirchen und Kapellen vor. Heute: Die Marienkirche – von der ursprünglichen steht heute nur noch der Turm. Aber ihr Grundriss ist noch zu sehen. Der Neubau direkt daneben hat, obwohl erst 100 Jahre alt ist, schon viel mitgemacht.

Samstag, 27.04.2019, 08:00 Uhr
Der Turm von St. Marien diente den Warendorfern einst als Fluchtturm.
Der Turm von St. Marien diente den Warendorfern einst als Fluchtturm. Foto: Cengiz Sentürk (2), Hans-Jürgen Wiese (3)

Die allererste Marienkirche lässt sich noch erahnen. Der Grundriss ist direkt neben der heutigen Marienkirche mit Pflastersteinen in den Rasen eingelassen. Chor, Schiff, Sakristei, alles ist abgebildet. Und in der Außenwand des Turms ist die einstige Dachkonstruktion der Kirche immer noch zu erkennen.

Der Turm steht an dieser Stelle schon seit 1220, aber ursprünglich war er deutlich kleiner, ohne Glocken, ohne Spitzen. Denn gebaut wurde er nicht als Kirchturm, sondern als Zufluchtsort für die Warendorfer, wenn ihnen jemand ans Leder wollte. Ein Fluchtturm also.

Die Kirche kam erst 30 später, und weil ein Turm schon stand, wurde sie einfach angebaut. Aber warum eigentlich, obwohl doch fast nebenan schon die große Laurentiuskirche stand?

Die Jagd um Neubürger

Eindeutig lässt sich das heute nicht mehr sagen. Womöglich war die alte Kirche zu klein geworden. Oder die Stadt war auf Wachstum aus und erhoffte sich von dem Neubau einen Zuzug.

„Im Einzugsbereich lebten damals rund 300 Leute in der Stadt, plus 400 in den Bauerschaften drumherum”, sagt Hans-Jürgen Wiese , der den Überblick hat über 800 Jahre Gemeindegeschichte.

Marienkirche Warendorf

Die erste Urkunde, in der die damalige Marienkirche erwähnt wurde, stammt aus dem Jahr 1253. Darin ist von einem „sacerdos de nova ecclesia“ die Rede, also „einem Priester der neuen Kirche“.

Diesen Namen, „neue Pfarre”, hat St. Marien bis heute behalten – obwohl sie inzwischen einige Jahrhunderte auf dem Buckel hat und es mit der Josefkirche und evangelischen Christuskirche viel neuere Kirchen in der Stadt gibt.

Beim Stadtbrand vernichtet

Die Kirche stand fast 500 Jahre an der Hohen Straße, zwischenzeitlich wurde sie umgebaut und der gotische Stil wich dem romanischen. Doch 1741 beim großen Stadtbrand wurde die Kirche vernichtet, und mit ihr mehr als 100 Häuser im Westteil der Stadt.

Das Gotteshaus wurde wieder aufgebaut, „von oben bis unten feiner und schöner”, daran beteiligten sich auch viele Warendorfer durch Spenden nach Kräften.

1870 war dann der Turm dran, auf die 28 Meter wurde eine Spitze mit noch einmal 28 Metern draufgesetzt, dazu die vier Ecktürmchen auf dem Dach. Als alles fertig war, ging das Kirchenschiff nebenan optisch ziemlich unter. Außerdem verschlechterte sich der Bauzustand, und die Gemeinde wurde immer größer.

Deshalb fiel 1911 die Entscheidung für einen Neubau direkt nebenan, dort entstand die heutige Marienkirche. Sie hat, obwohl für Kirchenverhältnisse noch fast neu, eine bewegte Geschichte hinter sich.

Noch nicht 50 Jahre alt war sie, als der Platz schon wieder nicht ausreichte. Auf dem heutigen Marienkirchplatz stand damals die Volksschule und als die umzog, bekam die Gemeinde das Grundstück von der Stadt.

Die Kirche St. Marien

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  • Foto: Hagemeyer/Sentuerk
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Der Anbau brachte 17 Meter in der Länge, aber vor allem war das Gotteshaus innen kaum wiederzuerkennen. Jeglicher Pomp wurde verbannt, Bilder und Statuen verschwanden. „Und die bunten Fenster im Chorraum wurden zugemauert”, sagt Hans-Jürgen Wiese (siehe Bildergalerie).

Das mag zwar alles den Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils entsprochen haben, aber für die Warendorfer war es zu viel des Guten, sie gingen auf die Barrikaden. Ändern konnte sie es freilich nicht, und so fanden sie sich murrend damit ab.

Katastrophe während der Messe

Fünf Jahre später fiel der Gemeinde die Renovierung beinahe wortwörtlich auf die Füße. Am 30. Juli 1964 um 8.25 Uhr stürzte während des morgendlichen Gottesdienstes die Deckenkonstruktion im neu angebauten Teil ins Kirchenschiff. Das Gotteshaus sah aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen.

„Die Decke ist abgestürzt, weil während der Renovierung Drahtseile in der Deckenkonstruktion entfernt worden waren”, sagt Hans-Jürgen Wiese. Denn obwohl die Decke wie ein Gewölbe aussieht, handelt es um eine abgehängte Konstruktion. Die Handwerker hatten bei der Renovierung schlicht vergessen, die Stahlseile wieder anzubringen.

Das Unglück ging glimpflich aus: Da die Kirche nicht voll besetzt war, gab es nur einen Verletzten.

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